Woanders – Der Wirtschaftsteil

Gemüse selbst anzubauen ist sicher eine feine Sache, aber leider heillos kompliziert. Das wächst alles nicht ganz von selbst, das muss alles irgendwie gepflegt und gehegt, begossen und behütet werden und die meisten von uns haben die paar tausend Jahre Erfahrung der Vorfahren damit leider nicht mehr parat. Und die Großmutter ist vielleicht auch gerade nicht verfügbar, die womöglich noch weiß, was mit einem Samenkorn genau zu tun ist. Sehr praktisch, wenn man dann so ein Set hier greifbar hat. Es sieht ein wenig so aus, als würde es bei einem schwedischen Möbelhaus an der Kasse liegen, und vielleicht tut es das ja auch bald. Passt schon.

Man hat nach Gebrauch des Sets jedenfalls Lebensmittel, die so was von regional sind, dagegen sind die vom Bio-Wochenmarkt schon von weit her. Oder auch nicht, es ist eben alles eine Definitionsfrage. Dazu mehr bei der Stiftung Warentest. Was ist regional?

Die Süddeutsche berichtet von der Nordic Diet und radikaler Regionalität. Früher waren die Radikalen links oder rechts, heute sind sie regional, warum auch nicht. Schon einmal Fichtensprossen probiert?

Und während wir liebevoll an der Bio-Balkon-Tomate herumgärtnern, denken wir mitleidig an die Kunden in den Fast-Food-Restaurants, die nicht nur grauenvolles Essen bekommen, sondern auch nicht mit Geld umgehen können, aber das haben wir uns natürlich schon gedacht.

Aber man soll auch nicht immer glauben, die Welle des Trends zu reiten, wenn man es gar nicht tut. Zwei Drittel der Menschheit essen Insekten, wir noch nicht. Man ist eben immer bei irgendeinem Thema auch hoffnungsloser Late-Adopter. Aber wenn man die Wahl hat zwischen Gen-Food aus den USA und schmackhaften Raupen aus der Region? Denkt man dann um? Na, so lange wir noch ein Drittel der Lebensmittel hier wegwerfen, ändert sich wohl wenig.

Genug von Lebensmitteln, vielleicht lesen Sie das hier gerade im Urlaub, da wird eh gegessen, was auf den Tisch kommt. Das ist alles bezahlt, das muss alles weg. Vielleicht ärgern Sie sich dann aber beim Lesen auf dem Smartphone schon über die Kosten für das Lesen? Das geht Nico Lumma ganz ähnlich.

Auf Reisen lebt man aus dem Koffer oder aus dem Rucksack, das ist natürlich eine hervorragende Gelegenheit, noch einmal über den Minimalismus nachzudenken und sich zu fragen, was man wirklich braucht und warum eigentlich.

Und wenn die Reise nach Spanien führt, das wäre immerhin kein völlig absurder Zufall, dann achten Sie doch einmal im Stadtbild von Villariba oder Villabajo auf Mütter mit Babys. Vielleicht fällt Ihnen etwas auf. Wer mehr Geld zur Verfügung hat und Fernreisen macht, der landet vielleicht sogar auf Kuba. Dort dann aber bitte nicht auf Babys achten, sondern auf 120-jährige Rentner.

Wer auf irgendeine kleinere Insel reist, Helgoland oder Graciosa etwa, der kann dort auch einmal über die Energieversorgung nachdenken, die man für die Menschen dort braucht.

Oder Sie reisen in die USA, dort sind Sie als zahlender Gast wahrscheinlich willkommen. Hier ein paar Bilder von Menschen, die dort überhaupt nicht willkommen sind.

Und wer nicht ans Mittelmeer, sondern an die Nord- oder Ostsee fährt, der blickt auf ein Meer, in dem es wieder ein paar mehr Fische gibt. Auch schön.

Egal an welchem Meer, den Smalltalk-Bereicherungsbegriff der Woche kann man an jeder Küste und in jedem Urlaubsort verwenden, denn die Plastisphäre ist immer nur einen Wellenschlag entfernt.

Genug gereist, ökologisch sinnvoller ist es sicherlich, Reisen gar nicht erst anzutreten. Im Lande bleiben, zuhause bleiben, auf dem Balkon bleiben. Dort wachsen immerhin die weiter oben bereits erwähnten Tomaten, auch schön. Die könnten aber einen schickeren Blumenkasten gebrauchen, und den kauft man natürlich nicht, den baut man selbst. Ab in den Baumarkt!

Der Design-Link der Woche schließlich für ein Auto, das aus dem Kofferraum heraus eine Solar-Ladevorrichtung entfalten kann, die sehr nach Science-Fiction aussieht. Oder nach halb-organischen Autos. Ist dies vielleicht bald das Land, wo die Autos blühen? Auch das wäre natürlich ein ökologischer Fortschritt. Wer hätte das gedacht.

GLS Bank mit Sinn

3 comments

  1. frauziefle

    Wieder weiß ich nicht, was ich zuerst klicken soll. Sie sind einfach wunderbar, Herr Buddenbohm. Spannend vor allem die Geld-Fastfood-Studie. Nehmen Sie auch Aufträge an? Könnten Sie für bald vielleicht Solarladegeräte für Notebooks etc. recherchieren? Das fände ich prima.

  2. Hermann K.

    Entschuldigung, aus dem Baumarktartikel und den Kommentaren dort spricht doch die pure Arroganz. Nicht Ironie, Arroganz. Die Arroganz der metrosexuellen ich-mache-irgendwas-mit-Medien Hippster und möchtegern besseren Gesellschaft („für sowas hat man doch Personal“). Unbegabt und stolz darauf.

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