Woanders – der Wirtschaftsteil

Eine Meldung aus dem Straßenbau. Klingt vielleicht nicht nach der spannendsten Branche, zugegeben, hat aber doch etwas wirklich Neues zu bieten: Straßenbeläge, die Schadstoffe schlucken.

Ähnlich spannend wie Straßenbau klingt Recycling, und auch dazu haben wir eine faszinierende Meldung. Nämlich über alte Flip-Flops. Ja, wirklich.

In der Zeit eine Übersicht zur Textilbranche, allerdings geht es zur Abwechslung einmal nicht über Arbeitsbedingungen in Bangladesch, sondern um Produkte aus fairem Handel und mit ökologischem Anspruch. Eine kleine Marktkunde.

Patrick Breitenbach schreibt über die ökonomischen Grundlagen der Medien. Das ist ein angenehm ruhiger und klarer Blick auf die aktuelle Lage. Nach all dem auf beiden Seiten ziemlich hysterischen Geschrei um die Adblocker-Diskussion der letzten Wochen ist es doch ganz angenehm, jemanden zu lesen, der etwas länger als über zwei Halbsätze hinweg über die Lage der Onlinemedien nachgedacht hat. Der Text braucht ein paar Minuten, vorher vielleicht besser Kaffee holen.

Noch ein Link zur Medienbranche, mit einer kleinen, aber doch sehr feinen Anmerkung zur Diskussion um die Tarifpläne der Telekom.

Fracking (hier der Wikipedia-Eintrag dazu) wird in Deutschland zunehmend kontrovers diskutiert. Während noch vor kurzer Zeit kein Mensch wusste, was das eigentlich ist, haben sich jetzt schon die von anderen Themen gewohnten Lager aus Lobbyisten hier und Umweltaktivisten dort gebildet, bekriegen sich in den Medien und Parlamenten und ringen um die Aufmerksamkeit des Publikums. Aber im Grunde ist das Thema gelaufen, alle können wieder einpacken. Fracking ist durch. Fracking kann es in Deutschland nicht geben, das hat sich erledigt. Denn die Brauereien sind dagegen. Fracking gefährdet womöglich das Bier – und da hört der Spaß nun wirklich auf, so etwas wird sich in diesem Land niemals durchsetzen können.

Die beliebte Reihe “Blogger schreiben über Gentrifizierung” können wir auch in dieser Woche zwanglos fortsetzen, diesmal schreibt das Nuf über Spielplätze in Berlin.

Bei Wiwo Green kann man nachlesen, welche Unternehmen von den Deutschen wegen ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Nachhaltigkeit geschätzt werden. Das Ergebnis ist weitgehend überraschungsfrei. Interessant könnte man dabei aber finden, dass das sogenannte Greenwashing einiger Marken offensichtlich herzlich wenig nützt.

Arbeitsorganisation, darüber reden wir hier viel zu selten, das muss sich dringend ändern, so ein wichtiges Thema. Sollten Sie z.B. in einer Hierarchie arbeiten und daher jemand über Ihnen thronen, und dieser Mensch verlangt gelegentlich etwas von Ihnen, dass er vermeintlich genau so gut selbst tun könnte – lesen Sie das und denken Sie nach, bevor Sie sich aufregen.

Die Verbraucher, sie haben alle eine Meinung, und sie sagen sie auch. Sie entscheiden an der Kasse über Produktionsbedingungen, Sie unterschreiben Petitionen am laufenden Band wie Schlagerstars Autogrammkarten, Sie schlafen den Schlaf der Gerechten im Pyjama aus Biobaumwolle. Sie haben zu jedem Thema etwas zu sagen und mischen sich überall ein, ob beim Elternabend in der Grundschule oder beim Kampf gegen irgendeine Großbaustelle. Aber wählen gehen sie nicht. Die gute alte parlamentarische Demokratie, sie interessiert eher nicht mehr. Verstehe einer die Menschen.

Die Deutsche Welle über die Qualifikatiion der Zuwanderer, die nach Deutschland kommen. Aus China, aus Südeuropa, aus Mitteleuropa. Die beeindruckenden Zahlen im Artikel einfach merken und gelegentlich im Gespräch mit ausländerfeindlichen Menschen fallen lassen. Es geht doch nichts über Fakten.

The Prince of Wales, ladies and gentlemen, er hat seine armen und entfernten Verwandten in Deutschland besucht, was uns die einmalige Chance gibt, hier auch einmal etwas Yellow Press Charme zu verbreiten und darüber zu berichten. Aber natürlich nicht, weil der Thronfolger in Baden-Württemberg auf einem Schloß gesichtet wurde, nein, das würde uns nicht reichen, versteht sich. Allerdings ist es erwähnenswert, worüber er dort gesprochen hat, ist es nicht? Gewisse britische Konservative werden sicherlich not amused gewesen sein.

Und beim Treehugger amüsiert man sich über den deutschen Umweltminister und seine urkomische Begründung für seine Haltung zum Temoplimit auf den Autobahnen. Der Siegeszug des deutschen Humors ist quasi nicht mehr aufzuhalten.

Der Designlink der Woche gilt Produkten, bei deren Konzeption ein wenig um die Ecke gedacht wurde, um endlich auch einmal einen wirklich platten Wortwitz unterzubringen.

GLS Bank mit Sinn

 

6 comments

  1. Paul

    Passend zu den schadstoffschluckenden Straßen gabs letzte Woche auf SpiegelOnline einen Artikel über Solarstraßen– das sind beides sehr spannende Entwicklungen :)

  2. Stephan

    Ich habe jetzt leider nicht die Zeit, dem Straßenartikel hinterherzurecherchieren, bin mir aber ziemlich sicher, dass der Autor Photokatalyse und Photosynthese verwechselt hat.

    Bei dem mir bekannten Verfahren wird dem Zement Titandioxid beigegeben, wodurch die Energie des Sonnenlichts zur Beschleunigung der Zersetzung von organischen Schadstoffen genutzt werden kann. Dabei kommt es nicht allein auf die chemischen Eigenschaften eines einzelnen Titandioxidmoleküls an, sondern auch auf die kurzreichweitige Struktur, in der diese Moleküle gebunden sind, weshalb üblicherweise das buzzword „Nanopartikel“ in diesem Zusammenhang fällt.

  3. Stephan

    Warum das wichtig ist? Zunächst „schluckt“ die Straße keine Schadstoffe, sie ist noch toller und hilft bei deren Aufspaltung in weniger schädliche Stoffe. Zum zweiten wäre eine Straße, die die Photosynthese beherrscht, eine wissenschaftliche Sensation, und hätte in Ihrer Entwicklung locker zwei,drei Nobelpreise abgeräumt.

  4. Stephan

    Bitte um Entschuldigung für die Besserwisserei: Meines Wissens ist selbst der kommerzielle Einsatz im Straßenbau nicht so neu, wie der Artikel glauben macht. Ich habe 2009 einen Vortrag gehört, in dem 2-3 Jahre alte Projekte in Italien (Mailand, Bergamo?) und den Niederlanden vorgestellt wurden, bei denen dieser TiO-Zement eingesetzt wurde.

    Was aber gar nichts daran ändert, dass das hochspannend ist (und bleibt).

  5. Rebekka

    Bei dieser Reihe kommentieren immer so wenig Leute – dabei sind das für mich Artikel, die ich, auch wenn sie noch so alt sind, nicht ungelesen als gelesen markiere, sondern aufhebe. Weil immer aktuell und unterhaltsam und _lesenswert. Danke!

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