Guten Morgen

Es ist noch früh, es ist sogar sehr früh. Der ganze Stadtteil scheint noch zu schlafen, es ist kein Mensch zu sehen. Die Turmuhr an der Kirche zeigt genau 5 Uhr und die Glocken läuten nicht, dass tun sie hier erst später am Tag. Ich stehe auf dem Balkon und sehe mir die menschenleeren Straßen an.  Ein süßer Fliederduft liegt in der Luft, keine Wolke am Himmel, ein Maimorgen wie aus dem Bilderbuch. Nichts rührt sich. Das hier ist Hamburg-Mitte, das hier ist definitiv keine City, that never sleeps. Aber die Vögel sind natürlich längst wach und singen unglaublich laut, ein irrsinniges Konzert in den Büschen rund um den Spielplatz, ein Sänger lauter als der andere, da kann ich mich wohl auch unter der Dusche etwas gehen lassen. Draußen schmettert die Amsel ihr Frühlingslied, drinnen tremoliert der muntere Buddenbohm. Ein Mann im Einklang mit der Natur, das passiert mir ja auch nicht gerade jeden Tag, so als überzeugter Büromensch. Ich singe von all den Vögeln, die schon da sind, was könnte passender sein. Ein schöner Morgen, der so beginnt, alles harmoniert, nichts stört. Abgesehen von Sohn I, der verschlafen den Kopf durch den Duschvorhang steckt und mich kritisch ansieht.

Sohn I: “Papa, du weißt aber schon, dass du die ganze Zeit im falschen Ton singst?”

Es wird jetzt wirklich höchste Zeit, den Jungen beim Kinderchor wieder abzumelden. Er weiß zu viel.