Woanders – Der Wirtschaftsteil

Von Greenpeace gibt es eine aktuelle Aufstellung zu Fischsorten – welche kann man noch essen, welche nur bedingt, welche gar nicht.  Schlichte Schlußfolgerung: Es ist nicht mehr viel übrig. Im Grunde nur Karpfen, das ist die einzige Sorte komplett ohne roten Hinweis. Ausgerechnet Karpfen. Örgs. Da fällt einem der Fischverzicht doch wirklich gleich viel leichter.

“Die Welt wird besser”, das ist eine Schlagzeile, mit der man nicht unbedingt rechnet. Schon gar nicht in der taz. Und schon gar nicht vollkommen ernst gemeint.

Die Welt wird übrigens auch für arabische Frauen besser, hurra! Die haben jetzt nämlich ein speziell für sie designtes Tablet zur Verfügung. Das epad femme, mit vorinstallierten Koch-Apps, Yogakursen und Schwangerschaftskalendern, also mit allem, was man eben so braucht als Frau. Und auch noch sehr leicht zu bedienen, denn die können ja nix, die Frauen, mit ihren süßen Patschehändchen. Klingt wie ein Witz, sieht auch aus wie ein Witz, ist aber gar keiner (englischer Text).

Und die deutschen Frauen? Die wollen einfach arbeiten, schreibt Anette Göttlicher und sie schreibt auch, warum das nicht so einfach ist. Das Thema taucht hier häufig auf, wie die Stammleserinnen merken, aber das ist auch sicher völlig angemessen. Der Gegensatz zwischen der Klarheit, mit der die Probleme benannt werden, und der Unklarheit, mit der die Politik antwortet, der wird immer faszinierender.

Nicht alles wird besser, manches bleibt auch schlecht. Wenn z.B. im Leben so viel schief geht, dass man dummerweise kein Girokonto mehr hat, dann hat man ziemlich schlechte Karten – ganz besonders übrigens in Deutschland, schreibt die Zeit.

Schlecht ist oft auch absichtlich verschleiernder Wortgebrauch, etwa bei dem Begriff “Bankenabgabe”, den wir gerade im Zusammenhang mit Zypern alle paar Minuten in neuesten Nachrichten wahrnehmen müssen. Auf Neusprech.org findet man eine lesenswerte Analyse des Wortes.

Bei Zypern geht es im Zusammenhang mit Geld natürlich um den Euro, eine andere Währung lohnt aber übrigens auch einmal einen Blick: Bitcoins.

Und ganz schlecht ist natürlich auch unsere Ernährung, gar keine Frage. Wer ohne Schuld ist, der werfe bitte den ersten Schokoriegel. Der Rest, also all die Büromenschen, die sich ganz normal, sprich normal schlecht ernähren, erkennt sich womöglich in diesen faszinierenden Bildern wieder. Lauter amerikanische Versionen der Büro-Mahlzeit. Nebenbei runtergeschlungen, nebenbei geknipst. nebenbei hochgeladen. Achtung, manches Bild in diesem Blog wirkt deutlich appetitzügelnd.

Der Weiterbildungslink der Woche – ein langer Text zur Hyperinflation von 1923, der die Zusammenhänge vermutlich etwas besser erläutert als damals Ihr Geschichtsbuch.

Apropos Weiterbildung – bei den Scilogs geht es um Antibiotikaresistenzen, und das hat mit Wirtschaft erst einmal gar nichts zu tun, denkt man jedenfalls. Bis man den Hinweis im allerletzten Absatz findet. Aber fangen Sie ruhig vorne an und lassen Sie sich überraschen. Es lohnt sich.

In der Zeit geht es um die Grenzen des Wachstums und die Grenzen des Kapitalismus und um Jan Müller. Den kennen Sie nicht? Vielleicht doch, nur unter einem anderen Namen. Passend zu diesem Artikel, sehr, sehr passend sogar, kann man hier ein Interview mit dem Ökonomen Niko Paech nachlesen, mit einigen interessanten Ergänzungen. Dieses Interview hat hier noch einen zweiten Teil.

Der Wirtschaftsteil ist irgendwie nicht vollständig ohne einen Link zum Thema Architektur. Diesmal geht es in einem englischen Beitrag um den Innenausbau eines Ladens, eines Buchladens sogar, das kommt ja immer besonders gut an. Buchgeschäfte sind immerhin so etwas wie die Pandabären des Einzelhandels. Alle finden sie schön und süß und keiner darf ihnen etwas tun, auch wenn ringsum alles andere zum Teufel geht und es immer schwieriger wird, sie am Leben zu erhalten. Der Laden, um den es hier geht,  wurde mit Recyclingmaterialien eingerichtet, ziemlich ausgefallen und ziemlich cool.  Die Seite, auf der das Video verlinkt ist, Treehugger, ist übrigens generell recht interessant und unterhaltsam. Wir sagten es vermutlich bereits einmal, aber das schadet ja nicht.

Und zum Schluß noch ein Blick auf ziemlich alte Architektur, auf vergangene Größe, auf ein längst untergegangenes Unternehmen in Leipzig.  Der Fotograf und Autor des Textes nennt es eine Narbe in der Welt und es ist ja nicht ganz unüblich, sich ab und zu mal Narben zu zeigen und die Geschichten dazu zu erzählen. Auch in diesem Blog lohnt es sich, ein wenig rückwärts zu lesen. Vielleicht holen Sie sich vor dem Klick besser einen Kaffee.

GLS Bank mit Sinn

6 comments

  1. Bee

    Vielen Dank für die, wie immer, anregenden Lesehinweise!
    Falls sie weiter interessante Texte gerade zur Ökonomie suchen, kann ich ihnen die „Nachdenkseiten“ wärmstens empfehlen!

  2. André Fiebig

    Verfallene Industriekultur gab es vor mittlerweile vielen Jahren nach der Wende in Dresden sehr viel. Aber schon abgerissen und überbaut. Chemnitz hat noch einiges zu bieten – wegen nicht so attraktiver Standort zum überbauen.

  3. kid37

    Die Bleichert-Werke sind ja ein feuchter Fotografen- und Urban-Exploration-Traum. Das ist ja das Häßliche an Hamburg: Hier wird das Alte ja immer gleich mit dem Besen weggekehrt und die Narben mit GlasStahlBeton-Pflaster unsichtbar gemacht.

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