Ende der Saison

Es ist ja bald geschafft. Der Februar ist in wenigen Tagen vorbei, das war es dann schon mit der dunklen Jahreszeit. Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt, dann geht es schon wieder von vorne los. Der Frühling lauert, die Krokusse kommen, es hat sich ausgewintert. Dann endet auch bald die Erkältungs- und Grippesaison, die in diesem Jahr mehr Opfer forderte als sonst, zumindest kam es mir so vor. Ein Kollege nach dem anderen sank hustend aufs Krankenlager, manche verabschiedeten sich sogar ruckartig schüttelfröstelnd mitten aus Sitzungen und blieben daraufhin drei, sieben oder gar vierzehn Tage weg. Alle kamen irgendwann gut erholt zurück, ausgeruht und gekräftigt. Wie man eben aussieht, wenn man tagelang von Hühnersuppe lebt, viel trinkt und sehr, sehr viele Stunden schläft. Man sollte meinen, dass ein paar grippale Tage eine gesunde Sache sein könnten, wenn man nur nicht so krank dabei wäre.

Ich habe in diesem Winter aber einfach nicht mitgemacht. Ich weiß gar nicht, wie es kommt, es wird nicht an meiner nur mäßig guten Ernährung liegen, ich treibe auch überhaupt keinen Sport und meine Abhärtung besteht darin, bei schlechtem Wetter nicht vor die Tür zu gehen. Aber die Viren machen einen Bogen um mich. Also kocht mir auch niemand Hühnersuppe und ich kann von vielen Stunden Schlaf nur tagträumen. Ich gehe jeden Tag unermüdlich ins Büro, ich gehe dort an jedes verwaiste Telefon. Ich gehe danach nach Hause und pflege die kranke Frau und die kranken Kinder, ich kaufe für kranke Nachbarn ein. Was man eben so macht, wenn man jetzt immer noch gesund ist.

Ich sehe am Ende des Winters wahrscheinlich grau und abgearbeitet aus, vor lauter Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Doch, das ist ganz toll, so ein Winter ganz ohne Erkältung. Ich fühle mich tatsächlich prächtig. Prächtig verbraucht.

 

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung.


4 Kommentare

  1. Sandra Malik

    Sollen wir ihnen jetzt doch noch etwas Grippe wünschen zur Erholung? Hier in Bayern kommt die Grippewelle gerade erst an und ich überlege mir noch, ob ich pflegen will oder gepflegt werden möchte.

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