Lego-Zeitreise – eine Ausstellung im Hamburger Helms-Museum

Das Archäologische Museum Hamburg (Helms-Museum) ist in Harburg, also in einer Gegend, mit der der nordelbische Mensch normalerweise eher wenig Berührung hat. Immer wieder erstaunlich, wie dicht das an Hamburg ist, dieser Ortsteil mit dem abweichenden Buchstaben, nur ein paar Stationen mit der S-Bahn, schon ist man weit im Süden, also auf der anderen Elbseite, wo die Tage länger sind. Kann man ruhig mal machen.

„Wegen des großen Erfolges verlängert“, steht auf den Ausstellungsplakaten zur Lego-Zeitreise, und zwar bis 05. Mai. Da hätten wir uns also mit dem Besuch gar nicht beeilen müssen, wenn wir das denn vorher gelesen hätten, aber egal. Nun waren wir da, weil wir dachten, die Ausstellung endet in Kürze, und das dachten wohl ziemlich viele andere Menschen auch, jedenfalls war das Museum üppig voll. Für ein archäologisches Museum sicherlich unüblich voll. Die Sonderausstellung besteht aus verschiedenen Lego-Szenarien, etwa einer mittelalterliche Burg, den Pyramiden, Lagerfeuern aus der Steinzeit etc., dazwischen ein paar andere Museumsstücke wie etwa in Norddeutschland gefundene Mammutknochen oder mittelalterliche Bewaffnung, eher wenig, eher dezent.

Die Legobauten sind ziemlich aufwändig und beeindruckend, allerdings muss man wohl jahrelang selber mit Lego gespielt haben, um die Faszination zu verstehen. Beeindruckend sind die Installationen schon durch die reine Größe, man erinnert sich ja noch ungefähr an die eigenen Kreationen vor zig Jahren, man kann noch so ungefähr abschätzen, was es heißen muss, solche Riesenbauten in tagelanger Arbeit zusammenzusetzen. Man muss sich etwas Zeit nehmen und genau gucken, dann wird es immer besser. Wobei es auf mich als Kind der Sechziger Jahre allerdings etwas seltsam wirkt, wie viele Spezialsteine heute zu Lego gehören, das nimmt dem Spielzeug doch etwas den Reiz. Also sicher nicht generell, aber doch den Reiz, den es für uns damals hatte. Früher mussten deutlich mehr Effekte aus ganz normalen Steinen hergestellt werden, das erforderte viel mehr Phantasie und Einsatz, aber früher war sowieso alles besser, auch die Kartoffeln. Schon klar.
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Spielereien

Die Söhne sind jetzt in dem Alter, in dem man mit ihnen Brettspiele machen kann, zumindest simple Varianten gehen auch schon mit Sohn II. Brettspiele bringen es nun aber dummerweise mit sich, dass einer gewinnt und einer verliert, was natürlich seine ganz eigene Tragik hat. Das ist eine notwendige Entwicklungsstufe, da muss man durch. Das Leben besteht eben nicht nur aus einer einzigen Reihe strahlender Siege. Und ich halte überhaupt nichts davon, jemanden absichtlich gewinnen zu lassen. Nein, man muss es auch dulden und ertragen können, dass andere vorne sind, gewinnen, sich freuen und mit Siegesgeheul um den Tisch tanzen.

Die meisten werden noch erinnern, dass man das in der Kindheit nicht gerade binnen zwei Stunden gelernt hat. Es erfordert vielmehr etliche Spielrunden, bis auch die Verlierer, bleich aber gefasst, ohne Türenknallen, Handgreiflichkeiten und Brüllen schlicht zur nächsten Runde übergehen können. Und bis sie dann beim Würfeln auch nicht schummeln, um dem flüchtigen Glück künftig selbst auf die Sprünge zu helfen. Je nach Charakter kann die Phase der verzögerten Einsicht sogar verblüffend lange anhalten, aber irgendwann lernen es alle. Wir haben daher auch eine Engelsgeduld mit unserem kleinen familiären Problemfall. Wir reden, wir erklären, wir beruhigen.

Aber auch nach etlichen Spielrunden bleibt die Situation immer noch herausfordernd. Auch wenn das Gebrüll nach der Niederlage immerhin der bebend vorgeschobenen Unterlippe gewichen ist, man muss da sicher auch kleine Erfolge sehen. Die Spielfiguren fliegen wenigstens nicht mehr in die Zimmerecke.

Aber immer noch will die Herzdame partout nicht glauben, dass ihre Niederlagen beim Mensch ärgere dich nicht mit rechten Dingen zugehen, da können ihr die pädagogisch bemühten Söhne noch so lange erklären, dass Verlieren völlig in Ordnung und wirklich ganz normal ist.

(Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)