Woanders – diesmal sehr üppig mit Zetteln aus Berlin, einer Brücke, Frauen, die nicht aus Flaschen trinken können, Peter Glaser und anderem

Ich habe von Schwaben Berlin keine Ahnung, aber zumindest hängen da anscheinend lustigere Zettel im öffentlichen Raum als in Hamburg. Zumindest nach diesem Blog hier zu urteilen. Rückwärts lesen lohnt sich, auch stundenlang.

 

Hier schreibt jemand (englisch) über das Online-Verhalten eines fünfzehnjährigen Mädchens – gibt es das irgendwo mit schwäbischendeutschen Jugendlichen? Ich habe gerade keine greifbar. Kann mal jemand einen schnappen und ausquetschen? Ich finde das spannend.

 

Apropos Jugendliche: Bella denkt auch über sie nach, und weil sie im Zug pendelt, hat sie auch etwas länger Zeit, darüber nachzudenken und kann Jugendliche sogar aus nächster Nähe in freier Wildbahn beobachten, und das reicht dann für einen geradezu sielmannesken Artikel.

 

Völlig entgangen ist mir bisher diese Brücke in Newcastle, hier im Film zu sehen. Die gibt es schon jahrelang und sie war bei ihrer Eröffnung bestimmt überall zu sehen, nur nicht auf meinem Bildschirm. Toll. Wirklich toll. Das ist mal eine Konstruktion.

 

Man beachte ganz dringend die beiden Links am Ende in diesem Text von Kid – das war bei mir der Lacher der Woche.

 

Eine Kolumne von Peter Glaser zur fortschreitenden Digitalisierung der Welt. Über den Schlusssatz kann man etwas länger nachdenken, er ist vermutlich wahrer, als man zunächst denkt.

 

Hier ein bewegender Blogeintrag von einer Autistin, die auf einem Kongress war. Aber nicht auf irgendeinem Kongress.

 

Burnout ist sicherlich ein etwas arg durchgenudelter Begriff zurzeit – hier dennoch ein interessanter Aspekt. Auch die Kommentare lesen.

 

Im New Yorker ein langer, wirklich langer Text über Bakterien.  Klingt vielleicht nicht so spannend, ist es aber doch.

 

Ein Fotoblog namens „The impossible cool“ mit wirklich coolen Bildern von wirklich coolen Typen, da kann man dem Titel schwer widersprechen.

 

Im Meerblog Bilder vom winterlichen Strand bei Sankt Peter-Ording. Beim Betrachten gemerkt, dass ich schon wochenlang nicht mehr in Nordfriesland war. Was sind denn das für Zustände hier!

 

Im Freitag ein Artikel über den Zauberberg von Thomas Mann. Das ist auch so ein Buch, das ich heute dank Internet ganz anders lesen würde, weil ich alles nachschlagen würde. Ich vermute, ich habe bei der Erstlektüre sehr vieles nicht verstanden, wäre damals (Anfang zwanzig) aber auch viel zu arrogant gewesen, das zuzugeben. Man hat so seine Phasen.

 

In der NZZ ein Artikel von Norbert Hummelt über das Waldgebiet Schorfheide, wo Göring und Honecker ihre Jagdgebiete hatten. Leider ohne Bilder, obwohl man bei der Lektüre ahnt, dass phantastische Bilder möglich gewesen wären. Im Kopf entstehen aber dann aber doch ein paar.

 

Auf Deutschlandradio Kultur wird an Villon erinnert, den man hier meist in der Nachdichtung von Zech kennt, der man gerne vorwirft, auch in diesem Text, dass sie zu frei sein. Was mir vollkommen egal ist, die Nachdichtungen von Zech bleiben nämlich großartig, egal wie frei. Hören Sie nur mal den Anfang der Ballade vom lasterhaften Leben:

“Er hat ein Bett und hat auch Feuer im Kamin,

es reitet hin und her auf seinen Knien
die reizende Marie. Von wegen jener Glut
sind beide unbedeckt; wozu auch nicht?!
Der süße Wein, der Hetzhund, jagt ihr Blut
zum letzten Schwung. Sie tun‘s bei Licht,
denn in der Finsternis ist manches unbequem.
Nur der, der lebt, lebt angenehm.

Auch der Villon hat sich noch nie ein Bein
hinkniend ausgerenkt, ein frommer Christ zu sein,
viel weniger noch um einen Bissen Brot
mit Bettel sich beschmutzt; ich danke sehr!
Es kommt die schwarze Pest und Hungersnot
auch zu dem frommen Mann und säuft ihn leer.
Ich frage nicht, woher, wohin die Winde wehn.
Ich habe und wer hat, lebt angenehm.”

[…]

Villon/Zech: Immer wieder lesenswert.

 

Im Sprachlog geht es noch einmal um das heikle Thema rassistische Sprache in Kinderbüchern, diesmal bei Ottfried Preußler.

 

Was machen blinde Menschen wohl mit der Foto-App Instagram? Gucken Sie mal hier.

 

Zur Musik: Roboter spielen Motörhead. Endlich weiß man, wozu sie gut sind. Also die Roboter. Was ich allerdings nicht weiß: warum mir in dieser Woche eigentlich so viele Filme aufgefallen sind. Seltsam.

 

„How to dance Goth“ – ein äußerst instruktiver Film mit besonders erhellenden Grafiken.

 

Noch ein Film: Eine Hundertjährige heiratet.

 

Ein Interview im Magazin The European mit Armin Maiwald von der Sendung mit der Maus. Über ernsthafte Recherche und warum der liebe Gott nicht vorkommt.

 

Zwei Seelen, ein Gedanke : Franziska zeichnet nun auch mit der gleichen App wie ich, macht das aber dezent besser. Aber egal, Hauptsache Spaß.

 

Ein langer, langer und ganz wunderbarer Text in der Zeit über die Sesamstraße und warum wir alle eigentlich so gestört sind. Also zumindest wir, die wir die alte, die echte Sesamstraße noch kennen.

 

Novemberregen über das Leben als Adventuregame.

 

Für die Freunde seltsamer Statistiken, und wer wäre das nicht, hier eine Auflistung der Kameras und der Einstellungen, mit denen nach Reuter die besten Fotos des letzten Jahres gemacht wurden. Komplett sinnlos, aber irgendwie lustig.

 

In diesem Film (englisch und etwas länger und leiser) erzählt jemand eine Geschichte über Knoten und über das Überleben. Ein ziemlich rührender Auftritt, und, hätte man das nicht live erzählt, sondern aufgeschrieben, auch eine exzellente Kurzgeschichte. Aufbau, Handlung, Personen, Schluss, da stimmt alles. Geschichte so zu erzählen ist eine Kunst.

 

Noch einmal in der Zeit 19 Meinungen zu dem, was unserer Gesellschaft fehlt. Sehr sympathische Ansichten dabei.

 

Eine Buchbesprechung zu Gerhard Henschels Abenteuerroman, die so klingt, als würde ich demnächst mal mit der Lektüre der ganzen Romanreihe anfangen wollen.

 

Eine Fotoserie über einen Tag in einem schwäbischenchinesischen Kindergarten.

 

Und wie immer zum Schluss das beste Essen der letzten sieben Tage: das war die Maultaschensuppe. Uns war so nach etwas aus Schwaben, keine Ahnung warum.  Einfach Fertigmaultaschen zerschnippeln und in kochende Gemüsebrühe aus selbstverständlich frischem Suppengemüse werfen. Schmeckt überraschend toll und macht so gut wie gar keine Arbeit. Die haben’s drauf, die Schwaben.  Also abgesehen von denen, die Maultaschen selbst machen.


11 Kommentare

  1. Kiki

    Ich werde echt wütend bei diesen nachträglichen politisch korrekten oder einfach nur modernen Überarbeitungen in Kunst und Literatur. Letztens habe ich feststellen müssen, daß Lucky Luke in seinen Comics nicht mehr rauchen darf sondern jetzt auf Strohhalmen kauen muss, auch in den ersten Bänden. Und bei Asterix sind auch in jedem Heft dutzende Dialoge und Sprüche neu übersetzt worden. Ich warte ja auf den Tag, an dem der Pirat mit dem Sprachfehler plötzlich unfallfrei spricht oder ganz rausfliegt, weil die Darstellung diskriminierend ist. Steven Spielberg hat bei Erscheinen von E.T. auf DVD vor ca. zehn Jahren digital die Waffen der Agenten in Walkie Talkies retuschiert (was er heute nicht mehr machen würde, wie er in einem Interview sagte). Ted Turner hat Casablanca colorieren lassen um es einem modernen Publikum zugänglich zu machen.
    Manche Dinge gehen einfach nicht. Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten.

  2. Maximilian Buddenbohm

    @Kiki: Ich halte mich da mit einer Meinung zurück und sehe mir beide Seiten an. Ich finde einerseits, dass Political Corectness in der gesellschaftlichen Wirkung dem Pietismus oder Biedermeier nicht ganz unähnlich ist, ich finde es aber auch richtig. über diese Themen nachzudenken. Oder, wie es Facebook ausdrücken würde: Es ist kompliziert.

  3. Elke

    Danke für die Erwähnung vom Meer. Jetzt fühle ich mich quasi inspiriert Buch II über die Strandjugend käuflich zu erwerben. :-)
    Abgesehen davon: Ich mag diese Zusammenstellung. Und verliere jetzt viel Zeit beim Surfen… (Statt mit Schuften.)

  4. Paula

    Mann, Mann, Mann,
    jetzt ist meine Arbeitszeit fast vorbei und ich habe immer noch nicht geschafft, alle Links abzuarbeiten. Na, morgen ist ja auch noch ein Tag…
    Toller Artikel im New Yorker, mir gehen einige Lichter auf!

  5. Bee

    @Kiki @MaximilianBuddenbohm
    Es ist kompliziert, keine Frage. Aber auch ganz einfach. Ich empfehle zur Lektüre

  6. Kiki

    @Bee: Es ist fraglos kompliziert, aber auch ganz einfach: ich kenne Noah Sows Buch und es hat null mit dem zu tun, wovon ich spreche.

  7. MM

    -> Gerhard Henschel

    Sehr empfehlenswert.
    Wenn du zuerst das auch zuerst erschienene »Die Liebenden« liest,
    dann weisst du schon, wie es mit den Eltern ausgeht.

  8. Wolfram

    Ist der “Nigger von Scharhörn” eigentlich inzwischen auch zum Afro-Amerikaner geworden? (Mein aus Kamerun stammender Kollege lachte sich übrigens schlapp, als ich ihm sagte, die Deutschen sollten ihn als Afro-Amerikaner bezeichnen: er wäre nie in Amerika gewesen und hätte auch nicht die Absicht.)

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