Silvester. Ganz einfach.

Es gab gerade wieder eine Studie über die geringe Geburtenrate in Deutschland. Sie steigt einfach nicht, sie sinkt eher. Man streitet sich über die Gründe, Theorien werden verbissen verteidigt. So weit so langweilig, das wiederholt sich genauso spätestens alle halbe Jahr.

Gleichzeitig jammern aber viele meiner Bekannten über Silvester. Die Menschen wissen nicht, was sie da tun sollen, wie sie bloß feiern sollen. Sie wissen nicht mit wem und wo sie feiern sollen, was sie dabei essen sollen und was man überhaupt machen soll. Silvester ist ein einziges Problem, ein Desaster, eine Belastung. Es sind junge Menschen dabei, die nicht auf die einfachste Lösung kommen, die doch so leicht zu erreichen ist. Daher fühle ich mich verpflichtet, Ihnen zuzurufen, was sowohl das Silvesterproblem löst als auch dem Land hilft – kriegt einfach Kinder.

Wer kleine Kinder hat, kennt keine Silvestersorgen mehr. Mit kleinen Kindern hat man chronischen Schlafmangel und kann sich nur mühsam bis 12 Uhr nachts wachhalten. Man kann auch nicht ausgehen, weil auf 100 ausgehwillige Paare an Silvester nur 1 verfügbarer Babysitter kommt. Höchstens. Man trifft also bestenfalls andere Eltern, und zwar zuhause. Wo sonst! Wo soll man auch hin, mit den Kindern. Man isst kinderkompatibles Essen, man sieht etwas fern. Man setzt den Kindern lustige Partyhüte auf und macht ein Foto. Man wartet dahindämmernd auf den Jahreswechsel, stößt an und fällt direkt danach ins eigene Bett. Silvester mit kleinen Kindern ist simpel, bequem und entspannt. Wenn Sie im richtigen Alter sind und einen halbwegs brauchbaren Partner haben – bis zum Jahreswechsel 2013/2014 können Sie das noch schaffen. Es ist so einfach. Pflanzen Sie sich fort und sie haben etwa zehn Jahre Ruhe vor Silvester. Garantiert.

Verbreiten Sie die Nachricht. Der Geburtenboom 2013 sollte mit der Erkenntnis doch wohl drin sein?

(Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)

7 Kommentare

  1. Dieter

    Zehn Jahre Ruhe, durchaus. Aber dann verschärft sich das ganze nochmal, weil die Kinder auf einmal Interesse an Silvester haben. Und Interesse finden an Dingen, die man selbst mittlerweile öde findet: Böller und Raketen. Da hat man sich dann durchaus mit dem Erwachsensein abgefunden und will sich abheben von gleichaltrigen Kindsköpfen, die sich noch wie 15jährige benehmen wollen, da muß man mit dem 10jährigen in den Supermarkt und genau das passende Raketensortiment mitbringen, daß den Wünschen des Jungen und den Sicherheitsbedenken des Vaters entspricht. Naja, noch fünf Jahre, dann feiert der Große Silvester mit seinen Kumpels (und ich werde vor Sorge umkommen wegen der damit verbundenen Möglichkeiten), bleibt noch der kleine. Naja, um einfach durchschlafen zu können, müssen wahrscheinlich noch weitere zehn Jahre vergehen. Die kriege ich auch noch rum.

  2. Paula

    Man kann auch das Knallern vorverlegen, mit Freunden und Kindern, in den ersten Jahren gegen 20:00 Uhr auf dem Spieli in der Nachbarschaft Knallerbsen fallen lassen und Wunderkerzen anzünden. In späteren Jahren dann den Zeitpunkt immer ein bisschen mehr gegen Mitternacht verschieben und das Angebot der Feuerwerkskörper um Knallfrösche, Raketen und Böller erweitern. Und immer dabei bleiben, natürlich. Beim Abschießen von Leuchtkugeln mit der Signalpistole, als unser “Kleiner” 17 war, bin ich dann ausgestiegen, das musste dann sein Vater allein mit ihm ausprobieren. Also das Feiern zuhause kann sich durchaus auf 18 Jahre ausdehnen. Und wenn schon, Parties und Massenevents mit lauter Besoffenen außer Haus machen sowieso keinen Spaß. Ich wünsche der Familie Buddenbohm einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!

  3. walküre

    Wenn die Müdigkeit dann mit zunehmendem Alter der Kinder weniger wird, macht es Freude, Freunde zu sich nach Hause einzuladen. Ein Fondue, bei dem alle bei der Vorbereitung mithelfen dürfen, entspannte Gespräche, ein Gläschen Champagner um Mitternacht. Zu Silvester ausgehen ist bei uns schon lange nicht mehr reizvoll (wars übrigens auch nicht in Wien), weil sich bei mitunter extremer Kälte die Füße in den Bauch zu stehen irgendwann nur mehr mäßig spannend wird und man außerdem für einen Silvesterabend auswärts in etwas gehobener Atmosphäre schon Monate vorher reservieren muss, was mich persönlich sehr stark abschreckt.

  4. Lia

    Hui. Nie bedachte Marktlücke entdeckt: Babysitten an Silvester.
    Klingt auch nach gutem Alibi für nichtvorhandenes Par-tey!-Interesse. Muss für nächstes Jahr notiert werden.

Kommentar verfassen

Sie können die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>