Markenbindung, Sascha Lobo, Schneewittchen und ein sehr altes Pferd

Sohn I ist schon fünf Jahre alt und hat eine verblüffend geringe Kenntnis von Marken. Das hatte ich nicht erwartet. Ich dachte immer, Kinder würden heute schon früh sehr markenfixiert aufwachsen, das ist aber anscheinend gar nicht so. Die Freunde von Sohn I unterscheiden sich nicht sehr von ihm. Ich nehme mal an, sie sind anderen Kindern im vergleichbaren Alter ziemlich ähnlich. Einige der Kinder, aber längst nicht alle und nicht einmal die Mehrheit, erkennen ein paar Automarken. Eher wenige. Bei Kleidung wird rein gar nichts erkannt, bei Spielzeug natürlich Lego und Playmobil, weil sie nahezu konkurrenzlos sind und daher als Gattungsbegriffe stehen. Lebensmittel, besonders wenn sie Zucker enthalten, werden schon deutlich öfter erkannt und auch verlangt, die so wichtige Markenbindung geht dabei aber gegen Null. Es ist den Kinder nämlich völlig egal, ob sie echte Smarties oder irgendein No-Name-Produkt bekommen, meist ist es ihnen sogar egal, wenn man ihnen stattdessen ein vollkommen anderes Produkt anbietet, so lange es auch süß ist.

„Kann ich Kinderschokolade?“

„Hier ist ein Lolli.“

„Oh, super, danke.“

Auch bei Produkten, die sich  in der Markenbindung durch besondere Tricks absichern, etwa bei den Überraschungseiern, klappt das nur, so lange keinen ähnlichen Produkte im Regal stehen. Kann das Kind frei wählen, nimmt es eher das schwerste Ei, als das einer bestimmten Marke. Oder das Ei, in dem es am spannendsten klappert.

Wenn irgendeine Firma morgen etwas anbieten würde, was die Jungs lustiger als Playmobil finden würden, sie würden dem Markenerlebnis vermutlich keine Träne nachweinen. Wenn ich morgen unser französisches Auto verkaufen und ein deutsches Modell erwerben würde  – es wäre dem Nachwuchs vollkommen egal. Ich bin ziemlich sicher, dass Sohn I tatsächlich fast nur Lebensmittelmarken benennen könnte, wenn man ihm denn das Konzept Marke als Kategorie überhaupt klarmachen könnte, was gar nicht so einfach ist.
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