The same procedure

Merlix: Silvester

In nun schon alter Tradition erscheint hier auch zu diesem Silvester wieder ein bemerkenswertes und schon als historisch zu bezeichnendes Bilddokument, das an einen Silvester-Abend in besonderer norddeutscher Ausgelassenheit erinnert. Deutlich erkennt man die sogenannte Hanseaten-Ekstase in meinem Blick. Denn man muss gerade die süddeutschen und rheinländischen Leser gelegentlich daran erinnern: wir hier oben, wir sind gar nicht so. Wir können auch anders.

Wir wünschen  einen guten Rutsch und ein wundervolles Jahr 2013! Bewahren Sie Haltung!

Bis nächstes Jahr.


Jahresendablage

Ich pflege zum Jahreswechsel noch einmal aufzuräumen, das fühlt sich gut an und sieht nett aus. Da ich außer Büchern gar nicht viel Zeug irgendeiner Art besitze, ist das auch recht einfach. Alles Zeug, das sich in dieser Wohnung findet, gehört in der Regel den Söhnen oder der Herzdame, ich habe nur ein paar technische Geräte und Kleidung und sammele sonst nichts. Deswegen ist die Aufräumaktion auch denkbar einfach, eine simple, überall anzuwendende Methode. Sie klappt im Büro und auch an meinem Arbeitsplatz zuhause, ich kann das nach vielen Jahren Übung sehr empfehlen.

Einfach entschlossen an den Schreibtisch treten und alles wegwerfen, was nicht Hardware ist. Fertig.

Ich habe in all den Jahren noch nie, wirklich noch nie auch nur eines dieser Papierchen vermisst, die hier wochenlang herumlagen, weil sie irgendwann einmal hätten interessant oder wichtig werden können.

So.

Aufgeräumt.

(Bevor Sie das jetzt nachmachen – stellen Sie vielleicht doch lieber sicher, dass sich Ihre Partnerin oder Ihr Partner um die Steuer und die ganzen Belege kümmert, so wie hier die Herzdame.)


Gelesen: Netzgemüse von Tanja & Johnny Haeusler

Netzgemüse

 

Ich schließe mich den zahlreichen Lobeshymnen an, die man bereits in zahlreichen Blogs lesen kann: dieses Buch der Haeuslers ist großartig. Es ist durch und durch sinnvoll, vernünftig, angemessen und empfehlenswert. Wer Kinder hat und, haha, Internet, der sollte es kennen. Man sollte es zahlreich verschenken, auch wenn Weihnachten gerade vorbei ist, verleihen und meinetwegen auch in Fußgängerzonen daraus predigen.

Denn es macht Lust auf das Internet als Bestandteil des Heranwachsens, als Teil der Kindheit und Jugend und als Teil der Erziehung. Es ist weder unkritisch noch allzu euphorisch, es schildert realistisch typische Probleme, wenn Kinder online spielen und es beschreibt auch die teils heiklen Aufgaben, vor die Erwachsene dabei gestellt werden. Und es bringt einen selbst dann auf Ideen und weiterführende Gedanken, wenn man sich online ein wenig auskennt. Es nennt klare Chancen und ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten, es zeigt auf, was mit dem Internet besser werden kann. Unsere Jungs sind noch ziemlich klein, aber ich denke, die Entwicklungen zeichnen sich so ab, wie im Buch beschrieben.

Mir ist beim Lesen noch einmal klargeworden, dass auch auf mich noch Themen zukommen, mit denen ich vor den Kindern gar nicht gerechnet habe und zu denen ich überhaupt keine Lust habe. Etwa der ganze Game-Bereich, für mich ein Reich endloser Langeweile. Spiele haben mich am Computer nie interessiert, ich würde mir eher ein Fußballspiel ansehen als ein Spiel am Rechner, und das will wirklich etwas heißen. Aber es wird sich nicht vermeiden lassen und ich muss mir da noch die passende Einstellung suchen, schlichte Ignoranz reicht da bald nicht mehr aus. Bei den Kleinkind- oder Vorschul-Apps auf dem iPad komme ich noch leicht mit, weil sie so einen geringen Umfang haben, sobald es um so etwas wie Minecraft gehen wird, sieht das aber sicher ganz anders aus. Das wird spannend, auch für mich.

Ich merke aber schon jetzt, welche Folgen es hat, dass die Kinder in einem sehr online-affinen Haushalt aufwachsen. Teils wirklich überraschende Folgen. Ich kann zum Beispiel, wenn ich keine Lust habe, Sohn I ein bestimmtes Spielzeugauto zu kaufen, das er sehr dringend haben möchte, nicht mehr einfach sagen „Das ist bei Karstadt ausverkauft“, wie es noch meine Eltern sagen konnten. Denn er antwortet ohne lange nachzudenken: „Dann kauf es doch online“. Er weiß, dass es online prinzipiell alles jederzeit gibt. Wenn er im Wohnzimmer Handstand übt, lässt er sich die Übung von mir erklären, er fragt aber auch, ob es dazu nicht einen Film bei Youtube gibt – und den gibt es natürlich. Er guckt sich das an, was Kunstturner vormachen und klickt weiter zu anderen Übungen, er sieht sich Radschlagen und Stufenbarren an und lernt und lernt. Geht aufs Sofa und übt.

Wenn ich anfange, mich für Klassik zu interessieren, dann sitzt er auf meinem Schoß und guckt mit mir gemeinsam Anna Netrebko zu oder er bemerkt nur im Vorbeigehen, nach einem Blick auf mein Notebook: „Oh, Elina Garanca, immer schön“. Nicht weil er ein besonders begabtes Kind wäre, sondern weil ich meinen Interessen jetzt mit Text, Bild, Film und Sound nachgehe und dadurch vieles nicht mehr vor Kindern verschlossen ist. Sie können zusehen, zuhören und sich auch begeistern oder eben nicht. Ich kann natürlich den Inhalt einer Oper mal eben nachlesen und sie nicht – aber Sohn I kann sich besser als ich den Weg zu einem bestimmten Clip mit einer Arie merken, wenn sie ihn denn interessiert hat. Das ist wie beim Memory, sein Gedächtnis ist fitter als meins.

Es ist absehbar, dass Sohn I bald lesen und schreiben kann und er wird sehr schnell merken, dass das ganze Faktenwissen der Welt für ihn verfügbar ist. Ich finde das ungeheuer spannend, wie diese Generation die Welt entdecken wird und das Buch macht Lust darauf, sich das ganz genau anzusehen und als Elternteil zu unterstützen. Mit einer positiven Grundhaltung.

Darüber wird dann wohl auch hier noch einiges zu schreiben sein.

Das Buch bei Amazon


Silvester. Ganz einfach.

Es gab gerade wieder eine Studie über die geringe Geburtenrate in Deutschland. Sie steigt einfach nicht, sie sinkt eher. Man streitet sich über die Gründe, Theorien werden verbissen verteidigt. So weit so langweilig, das wiederholt sich genauso spätestens alle halbe Jahr.

Gleichzeitig jammern aber viele meiner Bekannten über Silvester. Die Menschen wissen nicht, was sie da tun sollen, wie sie bloß feiern sollen. Sie wissen nicht mit wem und wo sie feiern sollen, was sie dabei essen sollen und was man überhaupt machen soll. Silvester ist ein einziges Problem, ein Desaster, eine Belastung. Es sind junge Menschen dabei, die nicht auf die einfachste Lösung kommen, die doch so leicht zu erreichen ist. Daher fühle ich mich verpflichtet, Ihnen zuzurufen, was sowohl das Silvesterproblem löst als auch dem Land hilft – kriegt einfach Kinder.

Wer kleine Kinder hat, kennt keine Silvestersorgen mehr. Mit kleinen Kindern hat man chronischen Schlafmangel und kann sich nur mühsam bis 12 Uhr nachts wachhalten. Man kann auch nicht ausgehen, weil auf 100 ausgehwillige Paare an Silvester nur 1 verfügbarer Babysitter kommt. Höchstens. Man trifft also bestenfalls andere Eltern, und zwar zuhause. Wo sonst! Wo soll man auch hin, mit den Kindern. Man isst kinderkompatibles Essen, man sieht etwas fern. Man setzt den Kindern lustige Partyhüte auf und macht ein Foto. Man wartet dahindämmernd auf den Jahreswechsel, stößt an und fällt direkt danach ins eigene Bett. Silvester mit kleinen Kindern ist simpel, bequem und entspannt. Wenn Sie im richtigen Alter sind und einen halbwegs brauchbaren Partner haben – bis zum Jahreswechsel 2013/2014 können Sie das noch schaffen. Es ist so einfach. Pflanzen Sie sich fort und sie haben etwa zehn Jahre Ruhe vor Silvester. Garantiert.

Verbreiten Sie die Nachricht. Der Geburtenboom 2013 sollte mit der Erkenntnis doch wohl drin sein?

(Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)