Der Rest von Hamburg – Sonderausgabe -

Immer schön, wenn eine Idee um sich greift: Anne Schüßler hat hier angefangen, “Der Rest von…” für das Ruhrgebiet umzusetzen. Das könnte natürlich eine gewisse Größe entwickeln, wenn die Zahl der Einwohner mit der Zahl der Blogger korreliert.

Und Hamburg als Weltstadt kann man natürlich weiträumig definieren. Außerdem kennen wir alle uns, wenn wir ehrlich sind, südlich der Elbe mal so gar nicht aus, deswegen folgt hier ein Gastbeitrag über Karlsruhe. Das liegt meines Wissens allerdings schon nicht mehr zum HVV-Großbereich. Was bedauerlich zu sein scheint.

Der Rest von Hamburg – Karlsruhe

Ein Gastbeitrag von Señor Rolando.

Der gemeine Hamburger bewegt sich nicht südlich der Elbe. Ich verstehe das. Manche Dinge gehören sich einfach nicht. Man muss schließlich wissen, wo man hingehört. Es gibt Grenzen. Irgendwo muss auch mal Schluss sein. An der Elbe zum Beispiel. Ich verstehe das. Und rede heute trotzdem mal über diese Gegend auf der anderen Seite. Südlich der Elbe. Karlsruhe, um genau zu sein.

Karlsruhe? Wo liegt das überhaupt? Und warum will man da hin?

Ersteres habe ich mich früher auch gefragt. Ich meine, jetzt mal ehrlich: Wer kennt das schon? Vom Hörensagen, ja klar. Karlsruhe gibt’s. Sicher. Irgendwo da draußen. Falls es Ihnen auch so geht, helfe ich jetzt gern mal aus: Karlsruhe liegt in den Südstaaten. Und relativ zentral zwischen der Ostsee, dem Atlantik und dem Mittelmeer. Das macht es zwar nicht direkt zu einem Küstenort, aber es ist immer wieder beruhigend, die Wahl zu haben, wenn man doch mal Wasser sehen möchte.

Es bleibt die andere Frage: Warum will man da hin? Die habe ich mir auch gestellt. Damals, als ich hierher gezogen bin. Aus Uhlenhorst war das. Also von nördlich der Elbe. Und was soll ich sagen? Die erste Werbung war gleich eine der besten: Hier unten ist schlicht und ergreifend das Wetter viel besser. Klingt einfach, ist aber so. Denn auch wenn das mit dem sagenumwobenen Dauerregen in den meisten Hamburger Stadtteilen grober Unfug ist: Sonne gibt’s im Norden tatsächlich wenig und verdammt frisch ist es dort oben meistens ebenfalls. Das ist hier in den Südstaaten anders. Wir haben nicht nur (gefühlte) zehn Grad mehr auf dem Thermometer, sondern wir haben dabei auch noch strahlenden Sonnenschein. An (ebenfalls gefühlten) 400 Tagen im Jahr. Was will man mehr?

Die Gegend, natürlich. Denn wir wissen doch alle: Lage ist alles. Ich sage nur Strandauswahl. Und das zweite Argument, mit dem ich damals von diversen Leuten in den Süden gelockt wurde, war: Hier gibt es nicht nur prima Autobahnen, sondern man ist auch noch sehr schnell in Frankreich. Wie großartig ist das denn? Einer der glasklaren Vorzüge der Gegend hier ist, dass man ganz schnell wieder weg kommt.

Dabei muss man das gar nicht unbedingt. Denn für die adäquate Versorgung mit allem, was man zum alltäglichen Leben braucht, ist in Karlsruhe hervorragend gesorgt. Als ich das letzte Mal durchgezählt habe, gab es hier beispielsweise sieben Brauereien.  Eine wurde kürzlich abgerissen, eine andere habe ich möglicherweise schlicht übersehen. Die Größenordnung kommt somit auf jeden Fall hin. Dann gibt es mehrere Röstereien für den frischen Kaffee am Morgen. In einer davon decke ich mich selbst regelmäßig ein. Und was soll ich sagen? Das Zeug ist so gut, man kann’s nicht nur am Morgen sondern auch den Rest des Tages noch wunderbar trinken. Außerdem gibt es einen alten, zum Kreativpark umfunktionierten Schlachthof. Das gibt Flair, man macht sich keine Vorstellungen. Gleich nebenan liegt nämlich auch eine Hochschule für Musik. Das hat doch auch nicht jeder. Und als ob das Maß damit nicht voll wäre: Eine Hochschule für Gestaltung gibt es auch noch. Das macht quasi zwei Kunsthochschulen. Darum beneidet uns sogar einer der Vororte, Mannheim heißt der. Zumindest hat deren Bürgermeister es auf einer Mannheimer Ausstellungseröffnung kürzlich angeprangert: Keine Kunsthochschule in Mannheim, gleich zwei in Karlsruhe. Das ist schon ganz schön toll hier. Wirklich wahr. Da könnt Ihr ruhig mal vorbei kommen, Euch das angucken. Es lohnt sich. Neben einer der beiden gibt es als Bonus oben drauf übrigens noch das ZKM. Es ist ein Museum. Und zwar ein ganz tolles. Voll mit Kunst und Medientechnologie, darum heißt es wohl auch so. Das Beste daran ist: Es macht Spaß, dorthin zu gehen. Man kann nämlich nicht nur gucken, sondern vielfach auch interagieren. In einem Museum! Hier bei uns in Deutschland. Gleich südlich der Elbe. Das ist so großartig, man glaubt es kaum.

Unmögliche Mietpreise können wir übrigens auch. Wer also wirklich mal aus St. Georg heraus möchte, dabei aber nicht zu beliebig vielen Veränderungen bereit ist: Kommen Sie hierher, nach Karlsruhe. Unsagbar hohe Mieten für respektabel schlecht sanierten Wohnraum können wir bieten. Was sich natürlich trotzdem lohnt. Denn egal, welche Anschrift man sich hier aussucht: man wohnt immer quasi direkt im Zentrum. Ganz leicht hat man dabei sogar das Schloss mit im Blick und sowohl Schloss- als auch Botanischen Garten direkt vor dem eigenen Haus. Das sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch noch sehr pflegeleicht. Denn das (städtische) Personal kümmert sich hervorragend um beide Gärten. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Tja, was soll ich sagen? Das Wetter ist große Klasse. Man kann strandtechnisch zwischen drei Meeren wählen und ist ruck zuck in Frankreich, um Feinkost einzukaufen. Die lokale Versorgungslage ist prächtig und zu sehen gibt es auch etwas. Welche Gegend kann das schon alles auf einmal bieten? Also, liebe Hamburger: Wir sind hier nicht einfach nur südlich der Elbe, wir haben Südstaatenflair. Ganz klar.

 

 

8 Kommentare

  1. Stephan

    Saufen die Briganten immer noch Moninger?

    Ergänzen sollte man vielleicht noch, daß Karlsruhe eines der besten Programmkinos im Lande (nicht nur im Ländle) hat. Weiter kann ich nur empfehlen, einmal eine öffentliche Verhandlung am BGH oder BVerfG zu besuchen; die Vorträge der RAe am BGH können sprachlich-rhetorisch sehr eindrucksvoll sein und am Verfassungsgericht gibt’s den Glauben zurück, daß hier doch nicht alles falsch läuft.

  2. Ping: Südlich der Elbe | Papas Wort
  3. Anne

    Wunderbar, vielen Dank beiden AutorInnen.
    Was Herr Rolando verschweigt sind die Großbaustellen, die z.Zt. das (Verkehrs-)Leben sehr… abwechslungsreich gestalten.
    Denn was die eifersüchtig beäugte schwäbische Landeshauptstadt hat braucht auch die badische Metropole, wenn möglich sogar größer-besser-umfassender: Eine ganze U-Bahn statt bloß einen Tiefbahnhof.
    Also besuchen Sie Karlsruhe in etwa 10 Jahren, wenn die Kaiserstraße (Stuttgarts Pendant: Königsstraße, ha!) schienenfreier Prachtboulevard geworden ist. Das ZKM ist allerdings jetzt schon eine Reise wert.

  4. Señor Rolando

    Stephan, Moninger habe ich bei den Brauerein ernsthaft mitgezählt. Da kenne ich nichts. Und die Beamten der genannten Bundesorgane lieben wir hier natürlich alle. Ich hatte ganz einfach nur viel zu viel Respekt, um sie einfach so im Text zu erwähnen.

    Anne: stimmt, die Baustellen, wie konnte ich nur. Diese sind natürlich wundervollst. Und so clever untereinander vernetzt, dass Umleitungen nur mit Elbüberquerung möglich sind.

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