Der Rest von Hamburg (8) – Eißendorf

Ein Gastbeitrag von Midsommarflicka über Eißendorf, das ist so eine der Gegenden, von denen ich wirklich nicht die allerleiseste Ahnung habe.

Eißendorf – das klingt in den Ohren des Herrn Buddenbohm also richtig exotisch. Und wenn man dann erklärt, wo das liegt, dann finden das noch viel mehr Hamburger exotisch. Es liegt nämlich auf der anderen Seite der Elbe, also auf der falschen. Da wo für viele gar kein Hamburg mehr ist. Aber hier ist noch Hamburg. Sagt auch der Aufkleber auf meinem Personalausweis. Und wikipedia.

Wikipedia erklärt uns dann weiter, dass der Stadtteil zum Bezirk Harburg gehört – es gibt aber auch noch einen Stadtteil Harburg. Die Übergänge zwischen den beiden Stadtteilen sind da fließend und das ist in diesem Fall auch nicht so wichtig. Wichtiger hingegen ist die Abgrenzung zu Heimfeld, das auf der anderen Seite angrenzt, das ist nämlich der falsche Stadtteil. Da will man nicht wohnen. Und mitten auf diesen Grenzen zwischen den drei Stadtteilen liegt die Technische Universität, so ein bisschen im Niemandsland. Dort tummeln sich über 5000 Studenten, 100 Professoren und werweißwieviele weitere Angestellte und Mitarbeiter. Einer dieser über 5000, man ahnt es, bin auch ich – jedenfalls zur Hälfte. Und deswegen wohnt es sich hier so praktisch: zwei Bushaltestellen weiter oder eben 10 – 20 Minuten Fußweg, je nachdem auf welche Seite des Campus man muss.

Aber es ist nicht nur praktisch hier in unserem Stadtteil…
Zu meinem Einzug vor zwei Jahren gab’s von der Wohnungsgenossenschaft ein Infoblättchen mit Stadtteilinfos dazu. Dort wird das erwähnt, was hier wirklich als erstes auffällt, wenn man von Harburg zu uns hochfährt. Ja, richtig gelesen: Hoch fährt. Wir haben hier ja schließlich die Hamburger Berge (der Süddeutsche darf jetzt gern kurz lachen) und damit auch viel Wald zum wandern, Rad fahren, Rodeln und Ski fahren (so verspricht es das Infoblättchen!). Dort, wo die Hamburger Berge dann wirklich anfangen, dort ist dann auch schon Niedersachen, aber immer noch Harburg. Das mit Harburg, das ist wirklich etwas kompliziert, ich gebe es zu. Aber nach zwei Jahren hab ich es eigentlich verstanden.

Zwischen uns und Niedersachsen liegt dann noch das Göhlbachtal – der alte eigentliche Kern des Dorfes und jetzigen Stadtteiles, noch mit alten Fachwerkhäusern, überhaupt mit (großen) Einfamilienhäusern und noch mehr Bäumen und überhaupt sehr hübsch.

Eißendorf ist wirklich hübsch und nett.
So nett, dass sich hier auch die Bruchpiloten des 11. Septembers wohlfühlten.

Nunja… Wechseln wir lieber das Thema und schauen, was das Infoblättchen weiter verspricht:

Kioskkultur!
Oh ja. Auf alltäglichen Wegen laufe ich allein an drei allgemeinen Kiosken vorbei und an mehreren polnischen, indischen, türkischen, russischen Kiosken und Lärchen vorbei. Die fremdländischen Lärchen wechseln gefühlt allerdings auch alle drei Monate und ich bin nicht sicher, ob die wirklich schließen und dann neue eröffnen oder ob die alle so gern Bäumchen-wechsel-dich spielen.

Oberhalb und neben der Kioske sind dann die vielen Mehrfamilienhäuser (wir befinden uns jetzt im südlichen Eißendorf…). Der Großteil dieser Häuser wurde im Krieg zerstört und später wieder aufgebaut, spätestens an jedem zweiten, dritten Haus befindet sich eine der großen Sandsteinplaktten, die das bezeugen.
Aber ein Großteil dieser Häuser ist dafür aus architektonischer Sicht etwas Tolles: Sie entstammen der Zeit des Neuen Bauens und damit einer verwandten Stilrichtung des Bauhauses.
Ich nenn mein Wohnhaus sonst auch einfach liebevoll “verklinkerter Betonklotz, aber immerhin verklinkert und mit viel Garten und Bäumen im Innenhof!”.

Auch wenn sich viele lustig machen und mich veralbern, weil ich südlich der Elbe wohne: Ich hab’s hier wirklich ganz nett und hübsch. Und zum Hauptbahnhof braucht man übrigens auch nur 16 Minuten. Das ist immerhin 10 Minuten schneller als von Blankenese aus – und das ist schließlich für alle auch noch Hamburg.

(Und ich muss nur zu einer meiner beiden Universitäten pendeln, was auch ganz nett ist. So gern ich auch S-Bahn fahre…)


2 Kommentare

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