Kleine Anmerkung zu dieser Wahl da

Ich nehme immer wieder etwas verblüfft zur Kenntnis, mit welcher Leidenschaft die deutsche Internetszene die US-Wahl begleitet, wie sie mitfiebert, ach so klug kommentiert, leidenschaftlich analysiert, sogar nachts aufbleibt, durchmacht, jubelt – das hat so überhaupt gar nichts mit dem Rest der Bevölkerung zu tun, dem diese Wahl, wie die meisten anderen Wahlen auch, einschließlich der in Deutschland, ziemlich schnurz ist. Mir ist natürlich klar, dass die Presse das Geschehen intensiv begleitet, das ist ja auch ihr Job, aber die ganzen Privatpersonen, die unzählige Tweets, Statusmeldungen, Blogeinträge dazu schreiben? In manchmal schon verblüffender Fleißarbeit? Waren denn alle früher einmal Austauschschüler in Ohio, haben alle so enge Freunde in New York, oder halten alle die USA immer noch für den wichtigsten Staat der Welt, was ist das? Oder sind sie einfach, haha, die besseren Demokraten? Warum denn nur dieses überaus peinliche Imponiergehabe mit intimer Kenntnis des US-Wahlrechts? Warum dieses Posten vollkommen sinnloser Wahlaufrufe für amerikanische Kandidaten von Bottrop oder Pinneberg aus? Wieso werden hier Online-Präsenzen reihenweise mit Obama-Postern dekoriert? Ich verstehe es nicht.

Für mich gab es bei dieser Wahl allerdings tatsächlich auch ein High-Light. Ein sehr erheiterndes, eines, das mir länger in Erinnerung bleiben wird. Und das sind die phantastischen mimischen Verzerrungen auf den Gesichtern von Sohn I und seinem Kumpel, als sie versucht haben, den ulkigen Vornamen „Barack“ möglichst amerikanisch auszusprechen, wie sie es bei einem Nachrichtensprecher aus Washington gehört haben. Bäwwwwwäk. Wobei das Kinn mal sehr weit nach links, mal sehr weit nach rechts verrutschte, während die Nasen seltsam weit nach oben zeigten, die Augen hochkonzentriert, die Stirn gefurcht. Bäwwwwwäk.

Daher hatte sogar ich ein gewisses Interesse an einem Sieg der Demokraten. Denn wenn ich einmal schlechte Laune habe, dann frage ich jetzt einfach Sohn I wie der Präsident von Amerika heißt. Und dann geht es schon wieder. Und dann feiere ich den Change in meiner Stimmung. Yes, I can.