Business – was passiert hier eigentlich gerade

Ein paar Worte zu der Werbung hier und zu den anderen Geldquellen. Ich habe die Kooperation mit der Firma „Stilanzeigen“ wieder beendet, obwohl ich die Anzeigen von denen tatsächlich außerordentlich gelungen fand.  Gut designt, dezent, anständige Kunden, da kann man nicht meckern, das fand ich sehr gut. Allerdings verlangte diese Kooperation Exklusivität, was ich schwierig und heikel finde. Außerdem entsprach die Verdienstmöglichkeit nicht meinen Vorstellungen, aber das fällt natürlich individuell aus. In anderen Themensegmenten kann man wohl auch mehr verdienen, als es mir möglich war (z.B. Food). Ich möchte die Firma Stilanzeigen auf jeden Fall weiterempfehlen, das kann man sehr gut machen. Wenn Sie bloggen und so etwas als Versuch mit der Werbung in Betracht ziehen – nur zu. Technisch durchdacht, schickes Tool, überschaubare Regeln.

Mit dem Hamburg Führer, dessen Werbung hier oben rechts in den letzten Tagen zu sehen war, habe ich bei der Gutscheinaktion für die Einsender bei „Der Rest von Hamburg“ erstmals zusammengearbeitet und da wird auch noch mehr laufen. Zum einen wird der Hamburg Führer hier wieder weiter werben, zum anderen werde ich künftig auch für die schreiben und noch das eine oder andere Hamburger Event besuchen –das gestaltet sich bisher sehr angenehm.

Ebenso angenehm und erfreulich, dass es hier jetzt noch einen ganz neuen Werbekunden gibt, nämlich Langenscheidt, deren Tochter Vorbeireden.de im Dezember den Platz oben rechts belegen wird. Das ist ein noch junges Blog über Missverständnisse und Verständnisprobleme, über die Kunst des aneinander Vorbeiredens. Die Firma Langenscheidt hat ja bekanntlich im Sprachbereich die eine oder andere Kernkompetenz. Man kann sich an diesem Blog auch selbst beteiligen oder auf geeignete Texte/Bilder/Filme hinweisen, das gibt inhaltlich ja eine Menge her.

Das sind jetzt in kurzer Zeit schon zwei Beispiele für sinnvolle Geschäftspartnerschaften. Mit Hamburgbezug, mit Sprachbezug, das passt schon. Ich verstehe daher das permanente Kopfschütteln nicht, auf das ich fast immer treffe, wenn ich von selbstakquirierter Werbung im Blog rede. Natürlich geht das. Und es scheint mir als ein absolut naheliegender Weg.

Flattr-Buttons kann man hier weiter unter fast jedem Betrag finden – wie bereits einmal berichtet, werden die Flattr-Erträge für Familienausflüge genutzt, die dann hoffentlich auch wieder zu Content werden, für den Klick bekommen Sie also gewissermaßen etwas zurück.  I’ll do my very best.

Links zu Büchern laufen hier generell über Amazon, wenn Sie über diese Links etwas bestellen, erhalte ich also eine Provision. Von den Provisionen kaufe ich dann wieder Bücher, über die Bücher schreibe ich, alles kreist, alles dreht sich, nichts geht verloren, das ist ja ein geradezu esoterischer Spaß, wenn man darüber nachdenkt.

Über den Link da oben „Wünsche von Buddenbohms Jungs“ können Sie die Gabentische der Söhne anreichern, dann müssen wir das nicht selbst tun. Das bringt uns zwar kein Geld, spart aber Kosten, was natürlich auch sehr willkommen ist.

Das alles addiert sich in guten Monaten in etwa zu einem Minijob, in schlechten Monaten immer noch zu einem Zirkusbesuch mit Familie, was man natürlich so oder so sehen kann. Man kann sagen, das ist sehr wenig, für die ganze Arbeitszeit, da gehen doch unfassbar viele Stunden rein, das lohnt sich alles nicht, nur lousy pennies, das ist doch alles Unsinn, soll er doch lieber kellnern gehen. Man kann aber auch sagen, hey, das ist großartig, er bloggt doch sowieso, ob er Geld bekommt oder nicht. Und jetzt kriegt er tatsächlich auch noch ein wenig Geld dafür, immerhin schon solche Summen, und da kann er im Hauptjob also weiter in Frieden Teilzeit arbeiten, nach Hause gehen und dort weiterbloggen. Abends einkaufen, und die Leser haben dann quasi die Kartoffeln bezahlt. Tolle Sache, eine recht neue Entwicklung, ein guter Anfang. Ich neige ja ganz klar zur letztgenannten Meinung.

Vielen Dank für Ihre Klicks übrigens, ob Sie nun zu den Finanzen beitragen oder nicht, ganz egal. Ich freu mich in jedem Fall jeden Tag, dass das hier funktioniert.

Weiter im, äh, Kulturprogramm.

 

Anmerkung zum Umbruch des Buchmarktes in digitalen Zeiten

Diesen unfassbar heftigen Wutanfall von Sohn II, den er eben gerade vor einem Buchgeschäft hatte, dieses theatralische Auf-den-Boden-werfen, dieses hysterische Herumbrüllen, diese wilde Getrampel und rasende Rumpelstilzchengehüpfe, diese aus den Augen spritzenden Tränen, nur weil der dämliche, bockige und plöde (ja, mit p) Vater nicht bereit war, wunschgemäß in den Laden zu gehen und ihm die antiquarische Erstausgabe der „Hundejahre“ von Günther Grass zu kaufen, deren Titelbild ihm spontan so gut gefiel, dass er das Buch unbedingt und sofort haben musste, diese ganze ziemlich unangenehme Szene, die nicht wenig öffentliches Aussehen erregte, weil das Kind schließlich in höchsten Tönen heulend an der Scheibe hing, mit den Fäusten immer wieder gegen das bebende Glas schlug und „Haben! Haben!“ mit kippender Stimme fiepte, diesen ganzen Zwischenfall also – den hätte man mit einem E-Book wohl nicht erlebt.


Gelesen: Ulla Lachauer – Ritas Leute

Das Buch hat mir, wenn ich das richtig erinnere, jemand empfohlen, als ich in meiner Rezension zu Pia Ziefles Suna darauf hinwies, dass man wohl mehr Bücher über Menschen mit Migrationshintergrund lesen sollte. Ich habe damals in dem Kontext vorgeschlagen, das furchtbare Wort „Migrationshintergrund“ gegen „Familienromanhintergrund“ zu tauschen, das hat sich aber leider nicht komplett durchgesetzt, die Welt hört ja einfach nicht auf mich.

Dieser Buchempfehlung da bin ich jedenfalls gefolgt, und das war auch gut so. Ein Buch über Russlanddeutsche, das ist eine Volksgruppe von einigen Millionen immerhin, über die ich bisher wenig bis gar nichts wusste. Obwohl meine eigene Familie auch russische Wurzeln hat, wenn man nur lange genug zurückforscht, obwohl ich etliche Russen und Russlanddeutsche kenne, obwohl dicht neben dem Heimatdorf der Herzdame der Ort Espelkamp ist, in dem es von Russlanddeutschen nur so wimmelt. Aber Kenntnis, sei es historisch, sozial, politisch – null.

Ulla Lachauer hat eine russisch-deutsche Familie über mehrere Generationen und Länder hinweg porträtiert. Es ist kein Roman, es ist ein Sachbuch, aber das ist eigentlich vollkommen egal. Es ist ein romanhaftes Sachbuch, ein Buch über eine Familie und wie nebenbei auch ein Buch über ihre Annäherung an die Familie, durch die das Buch entstanden ist. Von den Anfängen in Lysanderhöh an der Wolga, wo sich deutsche, mennonitische Bauern pionierhaft hingewagt hatten, über die Deportationen in der Stalinzeit, durch Elendsjahre in Kasachstan, durch die Aufbauzeit in Kasachstan, bis zur Rückwanderungen in den deutschen Sprachraum. Aber auch bis zu Wanderungen nach Westpreußen, nach Kanada, nach Paraguay – was für ein Reichtum an Geschichte und Geschichten in nur einer Familie. Und was für ein geschichtlicher Wahnsinn.

Es geht, natürlich, um Heimat. Wie Heimat in Familien ist, wie Familien Heimat mit sich führen, wie Heimat als Familienmythos bleibt. Einerseits. Anderseits aber auch, wie Heimat überall dort neu entsteht, wo Menschen irgendwo hingeworfen werden. Egal wo, wenn sie nur überleben, dann schaffen sie sich Heimat, und in nur zwei Generationen werden sie Nachfahren haben, die da nicht mehr wegwollen, und wenn es der letzte unwirtliche Ort auf der Erde ist. Und wenn sie wegkönnen oder müssen, dann werden sie mit Schmerzen gehen und der Schmerz wird wieder ein Familienmythos und da wo sie hingehen, da wird in zwei Generationen dann auch schon wieder Heimat sein und die Orte davor, sie werden zum „weißt Du noch“, bevor sie vergessen werden. Die wenigsten von uns wissen, was vor vier oder fünf Generationen war, was wir als familiäre Kontinuität erleben, das ist geschichtlich wahrscheinlich ein Witz. Man sollte das nicht vergessen.

Es ist eine immense Recherchearbeit, die Ulla Lachauer da vollbracht hat, da stecken Jahre an Arbeit in dem Buch und hundert Romananfänge möchte man
beim Lesen anstreichen. Hundert Abzweigungen in weitere Geschichten, denen man gar nicht mehr folgen kann.

Wir sind ein Zuwanderungsland, wir stammen von Flüchtlingen ab, wir leben in zersplitterten, verstreuten Familien – wir sollten uns mit dem Thema Migration von der menschlichen Seite her beschäftigen, nicht von der wirtschaftlichen. Das Buch ist ein guter Einstieg, es schafft Verständnis. Und es zeigt, was jeder sowieso wissen sollte – keine Familie verlässt gerne ihre Heimat. Einzelne, ja, Einzelne werden das immer tun. Aber wenn Familien wandern, dann steht niemals Abenteuerlust dahinter. Sondern immer viel ernstere Themen.

Das Buch bei Amazon


Der Rest von Hamburg (21) – das außerhamburgische Update

In den letzten vier Texten ist von Hamburg nicht viel zu sehen, aber das ist uns ja bekanntermaßen vollkommen schnurz.

Wir haben im Wortmischerblog etwas zu Barcelona, wir haben noch einen Text zu Dresden,  einen weiteren zu Köln – und einen, ganz frisch, tatsächlich einmal zu Berlin. Ist es zu fassen.

Wir liegen gesamt bei sagenhaften 81 Blogtexten, die aus dieser Aktion entstanden sind. Und es könne immer noch gerne weitere dazukommen, es ja nicht so, dass Hamburg auch nur annähernd fertig beschrieben wäre, oder irgendeine andere Stadt. Texte sind also weiterhin sehr willkommen.  Im eigenen Blog oder, wenn jemand keines hat, bei Anne für das Ruhrgebiet, bei Lilaluna für Düsseldorf, bei mir für Hamburg und Restdeutschland, bei Isa für den Rest der Welt – alle Sammelstellen sind auf der zentralen Seite „Der Rest von Hamburg“ verlinkt.

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