Mich treibt schon seit Monaten eine Vokabelfrage um, die ich bisher weder durch diverse Muttersprachler noch durch wissenschaftliche Kenner von Sprachen lösen konnte. Vielleicht fällt einem Blogleser etwas ein?

Es geht um die Sprache der Kinder. Die Söhne werden beide zu einem nicht unerheblichen Teil der Kindergartenzeit von Erzieherinnen betreut, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen sind. Polnisch, Portugiesisch, Ungarisch und auch Werweißwoher sind am manchmal deutlichen Akzent zu erkennen. Das wirkt sich natürlich auch auf den Spracherwerb der Kinder aus, und zwar in einer Weise, die von den meisten sicherlich nicht erwartet wird. Sie sprechen nämlich ein deutlich gepflegteres Deutsch, als es für die Altersklasse typisch ist. Sie sagen zum Beispiel nicht „Guck mal da“ – sie sagen „Sieh einmal dort“. Sie sagen nicht „Hammer, issas geil“, sie sagen „Schau, wie schön.“

Diese seltsam spießig anmutende Wortwahl hat mich eine Weile erheblich gewundert, bis ich darauf kam, dass die Edelsprache einfach daran liegt, dass die Erzieherinnen, durchweg sehr um gutes Deutsch bemüht, mit den Kindern schönstes Schulbuchdeutsch sprechen. In gewissen Formulierungen also korrekter, als es eine deutsche Kollegin auf Dauer wäre, und auch etwa beim Vorlesen dem Text Buchstabe für Buchstabe treuer, als es mir jemals einfallen würde.

Natürlich gibt es aber auch Kinder aus aller Herren Länder im Kindergarten, und natürlich streuen die hier und da Vokabeln und Formulierungen in den gemeinsamen Wortschatz ein. Sohn I singt manchmal verblüffend kenntnisreich portugiesische Schlager, Sohn II kann auf Englisch ordinärer sein, als es seine deutsche Vokabeln überhaupt zuließen. Das kann man wohl auch alles so erwarten und ich finde es toll. Die Welt ist bunt und unser kleines Bahnhofsviertel ist sogar ganz besonders bunt, das soll auch ruhig im Kindergarten so stattfinden.

Das Rätsel, das mich nun umtreibt, liegt aber in einer Formulierung, die allen Kindergartenkindern gemein zu sein scheint, und die mir bisher niemand erklären konnte. Wenn etwas verboten ist, und jemand das dennoch macht, dann sagen die Kinder: „Apulic!“ Gesprochen wie Apulidsch, betont auf der zweiten Silbe, der Zischlaut am Ende etwas unklar, mal schärfer, mal weicher, mal hört man ein d, mal ein t vor dem s oder sch, es bleibt unerfindlich. Stehen sie an der Ampel und ein Erwachsener geht bei Rot, ertönt ein scharfes, missbilligendes „Apulic!“ aus mehreren Kindermündern. Klettert ein Kind über den Zaun des Spielplatzes, wird ihm von hinten warnend „Apulic!“ nachgerufen. Über die Bedeutung des Begriffs gibt es kollektive Einigkeit im Kindergarten.

Keine Erzieherin hat eine Idee dazu, keine Polin kennt das Wort, keine Portugiesen scheinen es jemals gehört zu haben. Sämtliche Eltern sind ratlos. Aber für ein ganzes Kinderrudel, das gar nicht einmal so klein ist, scheint es eine ganz gewöhnliche Vokabel zu sein. Zur Herkunft macht allerdings niemand eine sinnige Angabe, und wenn man die Kinder nach der Sprache fragt, dann gibt es dazu sehr viele Meinungen, fast so viele, wie es Nationalitäten im Kindergarten gibt.

Es lässt mir keine Ruhe. Hat jemand eine Idee? Türkisch und Indonesisch wären noch naheliegende Optionen, ebenfalls Rumänisch, Russisch, Spanisch und Persisch. Und bestimmt auch noch Sprachen, auf die ich gar nicht komme.

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