Helgoland III

Ein paar Anmerkungen zum Blau. Adjektive haben es ja nicht mehr so leicht heutzutage, Adjektive sind in der Prosa nicht mehr sehr beliebt. „Schmeiß alle Adjektive!“, raus, das ist immer noch ein Rat, der Autoren gerne gegeben wird, als wäre Hemingway erst gestern gewesen – und als hätte er überhaupt keine benutzt.

Die Düne ist eine kleine Strandinsel, die man von Helgoland aus mit einem Schiff erreicht, es sind nur ein paar Minuten Überfahrt. Auf der Düne ist nicht viel, außer sehr  viel Strand, sehr viel Steinen, etlichen Robben und einem rettenden Restaurant mit riesigen Eisbechern und Labskaus und Bier, das man auch dringend braucht, wenn man das Inselchen zu Fuß umrundet hat. In der Mitte noch ein Miniaturflughafen, auf dem alle paar Stunden mal etwas Kleines brummend startet oder landet. Ein kleiner Friedhof für angespülte Tote ohne Namen, ein wirklich großer Bagger, der zur Freude der Söhne am Strand den Sand von links nach rechts schiebt, fertig ist die Düne. Noch ein paar bunte Ferienhäuschen und etliche Büschel Strandhafer. Austernfischer begehen das Ganze emsig und lärmend, Möwen segeln ruhig darüber hin.

Man steht am Strand und hat nicht sehr viel hinter sich, aber ungeheuer viel über und vor sich. Eine Orgie in allen Variationen von Blau und der gesamte Wortschatz würde wohl nicht reichen, um genug Adjektiv aufzuzählen, die das korrekt wiedergeben, was man da vor sich hat, in dieser sehr farbigen Weite. Es sind alle normalen Blautöne dabei, die man schon immer im Tuschkasten oder als Buntstift hatte, Dunkelblau, Hellbau, Pastellblau, Taubenblau was man eben so kennt, der ganz normale Stoff. Azurblau, Wasserblau, Lichtblau, kennt man das Lichtblau? Strahlendblau, Türkisblau, Grünblau, Völligabsurdblau und auch Unglaublichblau, das vor allen Dingen, das ist sehr präsent, denn unglaublichblaue Streifen durchziehen hier den ganzen Himmel.  Am Horizont ein paar dekorative Wolken in feinem Reinweiß mit einem äußerst dezenten bläulichen Schimmer, perlenhaft am Rand, mit dicken Schatten wie auf Ölgemälden, wo es sich fetter bauscht und türmt.  Zur Sonne hin geht oben alles ins Weiße über, ohne dass auch nur ein winziger Ansatz von Gelb irgendwo zu sehen wäre, man ist ja auch nicht in der Südsee.

Unten, wo die Wellen an den Strand schlagen, verliert sich alles Blaue ganz behutsam bodennah im Blaugrau, das sachte, ganz sachte ins Graubraune übergeht, dann ins Braune, fast Schwarze – und wenn es sich bewegt, dann war es eine Robbe. Und guckt einen an und schüttelt den Kopf, denn Robben wissen: Man kann hier auch einfach nur herumliegen. Na gut.

 

7 comments

  1. NicolevonSTiL

    Kennen Sie das Sehnsuchtsblau? Es erfüllt mich zur Minute beim Durchwandern von Helgoland III. Klingt, als hätten Sie Genuss an diesen blauen Stunden. Mich bringt das Ganze auf eine wunderbare Idee: Ich nenne das hier vorherrschende Taubengrau da draussen ab sofort Silbermöwenblau, habe dadurch sofort eine viel bläulichere Laune und geniesse damit einen regelrechten Blaubeerkuchensonntag.

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  6. Lily

    Herr Buddenbohm, Herr Buddenbohm- da komme ich doch wieder ins Schwärmen. Nicht nur wegen Helgoland, sondern vor allem wegen Ihrer extrem lesenswerten Prosa. Hach.

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