Und eines hat gestern alle gleichermaßen umgehauen, weil wir es alle so gar nicht mehr kennen. Wenn man auf Helgoland nachts aus einer Kneipe kommt, sich in der Nachtluft ein wenig streckt und die paar Schritte zum Hotel geht – dann bleibt man nach ein paar Metern unwillkürlich stehen und lauscht. Dreht den Kopf und lauscht noch ein wenig angestrengter – denn da ist nichts. Gar nichts. Die Nacht ist ruhig und sie ist so verdammt ruhig, wie eine Nacht nur ruhig sein kann. Der nächste Motor fährt sechzig Kilometer entfernt durch Cuxhaven, hier ist ringsum nichts, nichts, nichts. Kilometerlang im Umkreis nur Wellen, die heute besonders sacht ausfallen und nur äußerst diskret heranplätschern.  Und Wellen nimmt man in einer Nacht am Meer ja eher nicht als Geräusch war, Wellen sind eher Teil der Stille. Man möchte auf Zehenspitzen weiter gehen, um bloß nicht zu stören.

Es gibt natürlich keine Ruhe in Hamburg, ich kenne Ruhe gar nicht mehr. Bei uns ist Ruhe, wenn der Verkehr zwischen zwei und fünf kurz nachlässt und etwas weniger wird. Dafür schreien in der Zeit die Besoffenen auf der Straße herum, die von der Alster zurück zu den Hotels torkeln. Das ist unsere Ruhe in Hamburg Mitte. Auf Helgoland ist Nachtruhe: Ruhe.  Und Ruhe ist dann auch einmal eine interessante Erfahrung.

 

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