Darf es noch etwas anderes sein?

Jan 1st, 2012 von Maximilian Buddenbohm

„Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich Ihnen!“ Die Bäckereifachverkäuferin begrüßt mich in jauchzend glücklicher Stimmlage. „Schön, dass Sie so früh schon zu uns gefunden haben!“ Sie legt den Kopf schief und versucht, meinen Blick einzufangen. Sie strahlt mich lieblich an und nickt auffordernd. „Na, was darf es denn sein?“ Sie beugt sich etwas vor, ihre rechte Hand weist wedelnd auf die übervoll mit Brötchen gefüllten Regale hinter ihr, während die andere Hand unauffällig in Hüfthöhe den brötchenbelegenden Verkäuferinnen neben ihr Zeichen gibt, damit sie mich auch alle einmal anstrahlen.

Die Bäckerei ist neu im Stadtteil, sie hat erst vor ein paar Tagen aufgemacht. In unserem heiteren kleinen Bahnhofsviertel gibt es grob geschätzt in jedem zweiten Haus einen Bäcker, aber ab und zu finden doch noch neue Ketten eine Lücke für eine ihrer Filialen. Ich bin ein großer Freund von Bäckereien, also teste ich selbstverständlich jeden neuen Laden, auch wenn es die gefühlte Nummer zwanzig in allernächster Nähe ist. Dieser Bäcker hier hat tatsächlich die wahrscheinlich besten Brötchen weit und breit, ich würde sie wirklich künftig gerne jeden Morgen kaufen, allerdings wird mir das sehr, sehr schwer fallen. Denn die Verkäuferinnen haben, das merkt man innerhalb von Sekunden nach Betreten des Geschäftes, ein intensives Verkaufstraining hinter sich. Sie haben alle dieses Talmigrinsen und die einstudierte Privatradiomoderatorentonlage, so ein gewisses heiterkeitsdurchsonntes Kieksen in der Stimme, bei dem sich mir die Nackenhaare aufstellen wie auch bei anderen Zeichen höchster Gefahr.

Ich muss das für die Leser aus dem süddeutschen Raum vielleicht näher erklären. Ich bin norddeutsch. Norddeutsche kommen, etwas vereinfacht ausgedrückt, in zwei Erscheinungsformen vor. Die einen sind die putzigen Friesen, bekannt aus Film und Fernsehen, die sind verschlossen, knurrig und maulfaul, bei näherem Kennenlernen aber sehr herzlich. Alle anderen Norddeutschen sind genau wie Friesen, nur sind sie auch bei näherem Kennenlernen nicht sehr herzlich. Ich komme aus Lübeck, das ist von Friesland ziemlich weit weg, jedenfalls kulturell betrachtet. Als ich Kind war, waren Verkäuferinnen noch vollkommen authentisch. Kein Mensch wäre damals auf den Gedanken gekommen, ihnen beizubringen, wie sie ein Verkaufsgespräch zu führen hatten. Aus meiner Jugend war ich es gewohnt, dass Einkaufen in etwa so ablief: Man betrat ein Geschäft und sah sich etwas um. Die Verkäuferin stand mit unergründlicher Miene  vor ihrer Ware und schwieg.  An Tagen mit exaltiert guter Laune murmelte man „Moin“, und wenn die Verkäuferin sehr, sehr gut drauf war, dann erwiderte sie sogar den Gruß.  Man sah sich weiter schweigend die Ware an. Die Verkäuferin sah sich schweigend den Kunden an. Wenn das zu lange dauerte, fragte die Verkäuferin irgendwann ohne weitere Höflichkeitsfloskeln, aber mit steiler Falte auf der Stirn: „JA WAS JETZT!“  Das war das Einkaufen in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Lübeck. So gehörte das und niemand fand das komisch.

Heute wird Verkäuferinnen genau beigebracht, welche Phrasen im Verkaufsgespräch zu benutzen sind. Es wird ihnen beigebracht, jeden Kunden zu fragen, ob er nicht vielleicht mehr möchte, noch etwas anderes, noch einen Kaffee dazu, noch ein Schokobrötchen vielleicht? Etwas Süßes für den Tag, hm? Nervennahrung, haha? Dem Kunden auch einmal vertraulich zuzwinkern! Nähe schaffen! Und hat er denn schon eine Kundenkarte oder möchte er nicht vielleicht eine haben? Es wird ihnen beigebracht, den Blick des Kunden einzufangen, sie verrenken sich den Hals dabei und flattern unruhig hinter der Verkaufstheke hin und her, wenn man wider Erwarten nicht mitspielt. Sie haben gelernt, jedem Kunden zum Abschied einen besonders schönen Tag zu wünschen und sie geben sich redlich Mühe, es so klingen zu lassen, als wäre er, nur er, ganz persönlich gemeint.  Der Freund des Hauses, ihr Lieblingskunde! Es ist furchtbar. Als würde ein abgerichteter Pudel vor einem herumtänzeln,  Kunststückchen aufführen und dann hinterher fiepend auf ein Wurststückchen warten. Nur warten die Bäckereifachverkäuferinnen nicht auf ein Wurststückchen, sondern auf eine Zusatzbestellung. Denn dann haben sie gewonnen, man sieht es an ihrem aufleuchtenden Strahlen, wenn man tatsächlich noch ein weiteres Brötchen bestellt, weil es heute im Angebot ist, nur heute, und natürlich nur für mich. Dann haben ihre Trainer recht gehabt, dann war alles richtig, dann macht der Arbeitgeber, der vielleicht, wer weiß,  als Kaffeegast getarnt hinten im Raum sitzt, zufrieden grinsend einen Pluspunkt in die Akte. „Möchten Sie noch ein Schokobrötchen? Das sind unsere leckeren Quarkbrötchen mit vielen Schokostückchen. Die sind heute im Angebot! Darf ich Ihnen eines mit einpacken?“ Ich bin ein höflicher Mensch, ich habe mich normalerweise halbwegs im Griff.  Aber die Versuchung, den nächsten gezirpten Verkaufssatz mit „Schnauze, Frollein“ zu beantworten, wird in solchen Augenblicken fast übermenschlich groß.

Vor vier Jahren gab es so ein Verkaufstraining beim Personal meiner Bank. Es hingen damals sogar Plakate in der Filiale, in denen angekündigt wurde, dass bald alles viel freundlicher werden würde. Als ich irgendwann Bargeld einzahlen ging, fragte mich der Mann an der Kasse ekstatisch grinsend, ob er mir nicht vielleicht auch einen Termin mit einem Berater machen solle, da wäre gerade einer frei, nein? Mal kurz über die Rente reden, hm? Und er erhob sich halb, als hätte ich bereits ja gesagt, und er bemühte sich sehr, meinen Blick dabei nicht zu verlieren. In dem Drogeriemarkt um die Ecke, in dem die Kassiererinnen jeden Kunden unerbittlich wieder und wieder nach der verdammten Kundenkarte fragen müssen, gibt es Kunden, die ruhig in der Kassenschlange stehen und dann, wenn sie endlich dran sind, unversehens tourettemässig laut „Nein!“ brüllen, sobald die Kassiererin sie nur ansieht, noch bevor sie überhaupt etwas sagen kann.  „Und sie wollen auch keine haben?“ fragen die Kassiererinnen dann vollkommen unbeeindruckt.

Ich habe die Bank jetzt seit vier Jahren nicht mehr betreten. Ich lasse die Herzdame Drogerieartikel kaufen. Und morgens reicht ja vielleicht auch ein Toastbrot.

 


49 Kommentare

  • Ich überlege noch, ob ich das mit dem ‘putzigen Friesen’ jetzt persönlich nehme oder nicht …

  • Bitte versprechen Sie mir, einen möglichen irgendwannigen Münchenbesuch bei mir anzukündigen: Ich nehme Sie dann für ein Stündchen auf den Viktualienmarkt mit und mache Sie mit all dem Verkaufspersonal bekannt, das ihre Kindheitserinnerungen an fehlende Freundlichkeit noch kuschlig wird erscheinen lassen. Bereiten Sie die Herzdame besser schon vorher auf anschließende Umzugswünsche vor.

  • Oh, wie Du mir aus der Seele sprichst!

    Wobei ich finde, das es zumindest in den Bäckereien schon wieder etwas nachgelassen hat mit diesem unerträglichen Gefrage. Folgende Belästigung findet nach meiner Beobachtung seit einiger Zeit nicht mehr statt:

    “Einen Kaffee.”
    “Wie möchten Sie ihn gerne? Groß, mittel oder klein? Cappucino, Espresso, Café Latte, Latte Macchiato, mit Caramelgeschmack…”
    “KAFFEE! Heiß, schwarz, stark!!”

    Stattdessen versuchen jetzt die Tankstellenkassiererinnen nach dem Tanken einem immer noch einen Schokoriegel oder eine Minisalami aufzuschwatzen.

  • Ich war neulich schon kurz davor die Damen zu fragen, wer sie denn geschult hat – es ist schon SEHR auffällig ;-)

  • J.a.w.o.h.l. So ist es. Das kann ich auch als Mitteldeutsche bestätigen. Am schlimmsten ist dieses Gewese in den Lush-Shops. Liegt sicher auch an dem stundenlangen Einatmen der müffelnden Duschknubbel.
    Und übrigens: Wie viele Bäckereien braucht es eigentlich noch?

  • Das spricht mir auch aus der Seele. Klassisches Gespräch bei meinem Bäcker: „Vier Knackfrische bitte“ – „Wir haben fünf im Angebot!“ – „Danke, ich brauche nur vier“ – „Aber fünf sind billiger?“ – „Mag sein, aber dann müsste ich eines wegwerfen, und das möchte ich nicht.“ – „Noch ein Franzbrötchen dabei?“ – „JA SIND WIR HIER IN FLORIDA!?“
    Sind wir natürlich nicht, aber wären wir es, dürfte ich wenigstens „vier Kackfrische, mutherfuckah!“ sagen und bei Bedarf die Wumme ziehen. So gehe ich auch schon zum Toastbrot über. Aber die Lübecker Verhältnisse sind kein norddeutsches Phänomen, die kenne ich auch noch aus meiner teils in einer hessischen Kleinstadt, teils in einem oberbayrischen Dorf verbrachten Kindheit. Hach, war das schön!

  • Ich bin auch aus Lübeck und erinnere mich eher an so eine Mischform zwischen den friesischen und geschulten Verkäufern. Mich hat es allerdings vor zehn Jahren nach Franken verschlagen und hier kann man sich ganz sicher sein, dass kein Verkäufer ein Verkaufstraining hinter sich hat. Man wird maximal angegrunzt. Und da wünsche ich mir dann manchmal doch einfach ein Lächeln :-)

  • Ich bin seit acht Jahren in Franken und die Verkaeuferinnen (Beck insb.) sind hier genauso. Und ich freue mich jedesmal, wenn ich in meine Hamburger Heimat zurueckkehre.
    Allerdings kaufe ich an den Wochenenden dort selten Broetchen …

  • Für dieses innige Einkaufserlebnis der Kindheit kann ich einen Ausflug nach Berlin oder ins tiefste Brandenburg (liegt gleich neben Berlin) empfehlen. Dahin haben sich die Verkaufsschulenden noch nicht gewagt.

  • Ich würde auch einen Umzug nach Berlin empfehlen.
    Ein Berliner Werbeplakat für ein Bier klärt die Touristen gleich unmissverständlich auf:
    Die Bedienung trägt ein Shirt auf dem steht:
    “Trinkgeld sonst Schnauze”. Das ist Berlin!
    Besonders wohl würde sich der Frise vermutlich in den Berliner Taxis fühlen:-) Meine Empfehlung!

  • Wie war das mit der so genannten “Servicewüste Deutschland”? Und jetzt ist es uns auch wieder nicht recht. (Davon ab bin ich auch für mehr Authenzität und weniger Schulung, auch wenn das Unfreundlichkeit bedeutet.)

  • Hm, die Vokabel “Talmi” war mir bisher noch nicht geläufig, danke dafür.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Talmi

    Hab jetzt auch endlich mal das Blog hier in den Feedreader geworfen, nachdem ich nun schon mehrfach drüber gestolpert bin und vor kurzem sogar ein ganzes Stück in die Vergangenheit gelesen habe. Ist bei mir immer der anstrengendste Teil nach Fund einer neuen Lesequelle :) Letztens ein Blog mit zehnjähriger Geschichte gefunden, das waren anstrengende Tage und ich habe nach glaub 4-5 Jahren zurück aufgegeben …

  • Komm in den Süden, da ist das Verkaufspersonal noch verlässlich missmutig :)

    Bernd

  • Also bei “Quarkbrötchen mit vielen Schokostückchen” könnt ich schon schwach werden…

  • Ich bin mal vor einem rheinischen (MG) Wohnwagenverkäufer geflohen, der mir jeden klaren Gedanken aus dem Kopf quatschen wollte.
    Wenig später war ich im Urlaub, mehr neugierig als kaufinteressiert, bei einem ostfriesischen Autohändler, und der Verkäufer hat nur das nötige gesagt. Das aber kompetent und freundlich.
    Als ich mich zum Ende bei ihm dafür bedankte, meinte er mit einem etwas bemühten Lächeln, “normalerweise rede ich auch mehr. Ich komme aber grad vom Zahnarzt.”

    Gekauft haben wir schließlich zehn Jahre später in Lothringen, und der Verkäufer war angenehm zurückhaltend.

  • @Kaltmamsell: Ich bin im Januar in München, werde mich aber auf in diesem Zusammenhang vergleichsweise unspannende Businesstermine beschränken nmüssen. Sehr schade. Nächstes Mal mehr Zeit einplanen.

  • Ich bin aus Süddeutschland. Jedes Mal, wenn bisher von einem Besuch von den “Schwiegereltern” aus Hamburg zurückkam, war mir, als hätten mich alle Verkäufer und Verkäuferinnen sämtlicher Bäckereien, Metzgereien, Drogeriemärkte, Reinigungen usw. schmerzlich vermisst.
    Und mir war nach einem Termin bei einer Psychotherapeutin um erneut zu klären und festzuhalten, dass die Norddeutschen per se nichts gegen mich persönlich haben, sondern einfach NUR SO SIND.
    Ich könnte Ihnen ein “Einkaufspraktikum” in unserer Gegend anbieten….

  • @Sandra: Jetzt hamse mir schon den Wind aus den Segeln genommen, denn ich wollte Folgendes schreiben:

    “Ich muss das für die Leser aus dem süddeutschen Raum vielleicht näher erklären.”
    Wieso das denn? Aus Sicht der Norddeutschen befinden wir uns hier in Franken auch schon im süddeutschen Raum, und ich kann versichern, dass wir Franken Freundlichkeit in der Dienstleistung auch etwas suspekt finden und mir spontan kaum ein Laden hier einfällt, in dem ich die Verkäufer/innen als verkaufsgeschult einstufen würde. Was will man sich denn bitte unnötig lange mit dem Kunden durch Zusatzfragen aufhalten?! Ich bin mir sicher, da denkt man sich eher: “Jetzt nemm dei vier Brötle un hau ab, aber dalli!”

  • Da lob ich mir Österreich (und vor allem Wien) gleich noch einmal mehr. Mir scheint überhaupt, dass solche Verkaufsschulungen hierzulande nicht sehr verbreitet sind, was an Selbstwertgefühl und damit verbundener Renitenz von Kunden und Personal gleichermaßen liegen könnte. “Guten Morgen ! Wos derfs denn sein ?” oder ein fragendes “bittschön” allein genügt. Das von Ihnen beschriebene Geschäft würde mich nie wiedersehen, denn wenn ich etwas hasse, dann ist es unterwürfige Kriecherei.

  • Sie sprechen auch mir aus der Seele.

    Aber es gibt auch andere Ausnahmen, nämlich diese, die freundlich sind und es auch so meinen. Passierte mir letztens bei ALDI Nord an der Kasse.
    Der Kassierer war freundlich und gelassen. Und als ich irgendwie mit dem Einpacken nicht zurecht kam, mein Rucksack, zum Glück leer, auch noch herunterfiel, sprang er auf und half mir mit weiteren freundlichen Worten. Und ließ die 4 Leute hinter mir eben warten.

    Etwas ähnliches wie Sie, bemängelt auch mein langjähriger Freund, das Verkaufsgebaren betreffend.

    Ich lasse mal einen Link zu seinem Blog hier, wer mag kann ja nachlesen. Viel Spaß!

    http://www.blog.altesekel-netz.de/

  • Da ist es einem aber schon lieber, wenn man beim Bäcker umme Ecke fragt: Woran erkenne ich denn die Pfannkuchen mit Ananas?
    Und als Antwort bekommt: Na
    ‘an der Ananas!.
    Als wenn man erst bei Mc Papaer beim Kauf von Briefpapier gefragt wird: Darf es auch noch ein Stift sein?Heute im Angebot? Dann bei tschibo beim Kauf von Regensachen für die Kinder(Was sonst?): Und noch ein Pfund Privatkaffe, heute im Angebot? Danach bei der Post, man möchte nur ein Paket abgegen? Und, schon über die Rente nachgedcht? Wenn man dann an dem Tag noch tanken fährt und bei shell beim Bezahlen, erst nach der paybackkarte und dann auch noch nach irgendwelchen Samelpunktenquatsch gefragt wird, dann möchte man nur noch SCHREIEN: ICH WILL NUR BEZAHLEN, SONST NIX !!!
    Da ist Süd-Nord-West-Ostdeutschland ganz egal …

  • > Die Bäckerei ist neu im Stadtteil, sie hat erst vor ein
    > paar Tagen aufgemacht.

    Welche wäre das denn – bin neugierig geworden.

  • Hm. Ich mag das. Aber ich komme auch aus dem tiefsten Brandenburg und dürste nach freundlicher Aufmerksamkeit… :P

  • bravo!
    Ich werde Kiki mit Buddenbohm mischen:
    Schnauze Frollein! Wir sind hier nicht in Florida! Im Wechsel.

  • @ Marion: Das ist nicht Berlin, das ist die Werbung für eine Boulevardzeitung (die so tut als wäre sie eine seriöse Tageszeitung).

  • @Feige: Mir fiel auch gleich McPaper ein, wo man bei jedem Einkauf an der Kasse noch gefragt wird, ob man einen Stift oder sonst etwas haben möchte. Inzwischen gehe ich genau aus diesem Grund nicht mehr zu McPaper.

    Anstregend ist auch ein Rewe-Einkauf: “Sammeln Sie Treuepunkte?” “Möchten Sie Tier-Sticker/Star-Aufkleber ect.?” “Wollen Sie Geld abheben?”
    Oder der Briefmarkenkauf bei der Post, wo man jedesmal versucht, mich von einem Postbankkonto zu überzeugen und ich am Ende unfreundlich das Gespräch abbrechen muss.

  • In Berlin ist es doch mittlerweile genauso. Überall muss man sich minutenlang Fragen stellen lassen, um ‘ne Schrippe zu kriegen, zumindest wenn man nicht wie ich eh in Pankow wohnt, wo Berlin noch Berlin ist.

  • maximilian ist buchautor -
    der text eben ein text -
    wahrscheinlich mit komik-gewollten übertreibungen…

    trotzdem hat er nicht ganz unrecht – manchmal wirken extrem-verkaufsgeschulte verkäufer nervig-aufdringlich ;-)

    doch nen alten muffelkopf möchte man auch nicht erwischen…

    aus dem herzen kommende freundlichkeit – das wär´s :-)

    (aber vergesst nicht, dass der erfolgsdruck hinter jedem steht und seid dankbar, wenn ihr nicht euren lebensunterhalt durch verkaufen bestreiten müsst…)

    liebe grüße aus dem mittleren norden ;-)))

  • Ja, die waren alle im selben Seminar und setzen das Gelernte um für 6,25 € die Stunde, Wochenend-, Sonn-, Feiertags- und Abendschichten ohne Zuschläge, glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede.

    Finden Sie die Tage heraus, an denen keiner durch hintergründige Anwesenheit dafür sorgt “dass die Zahlen stimmen”, denn “die anderen verkaufen auch gutes Brot und wir müssen uns unterscheiden”. An solchen Tage darf man wieder entspannt fühlen, wie sehr man als Kunde beim Reinigen der Schneidemaschine stört.

  • Bei aller sonstigen Zustimmung: Dem Pudel an sich tun Sie bitter Unrecht, Herr Buddenbohm! :-)

  • Früher waren wohl Comicläden die Hochburg unfreundlicher Verkäufer, aber auch das gilt nicht mehr immer.

    http://www.berliner-zeitung.de/kultur/comic-handel–die-nachbarn-kommen-jetzt-auch-rein,10809150,11375452.html

    Bei der Post hat der Drang nach Zusatzverkäufen wieder nachgelassen, aber die Verkäuferinnen bei McPaper sind meiner Frau zu Folge die Königinnen der Nachfasser.

    Dieter

  • Ich hielt mich schon für verschroben, weil ich das für beide Seiten entwürdigend finde. Es beruhigt zu lesen, andere mögen das auch nicht.

  • Scheint grenzenlos zu sein. Ich habe mal einer Kassendame nach der 99. Frage gesagt: Ich würde einfach nur gern zahlen + gehen. Heimgehen nämlich und ein Bad nehmen, weil ich mir die Schulter verrenkt hab + dieses Muskelbad, das da unbezahlt auf ihrem Fließband lag, dringend brauchte.

    Ähem. Dann war Schweigen.

  • Nun, da lobe ich mir doch meine Herkunftsheimat.
    Et jeiht doch nix üver en echte kölsche Köbes – und seine selbstbewusste (Un)höflichkeit. Leider sterben auch die immer mehr aus.

    @walküre
    Ein Österreicher hat das mir gegenüber einmal so zusammengefasst:
    “Ein Deutscher leidet, wenn er als Kellner schafft. Ein Österreicher ist stolz ein Ober zu sein.”

    Mit dem Selbstwertgefühl kommt vieles. Da spiel sicher auch Menatlität mit, hat aber auch was mit dem Gegenwert zu tun, den man für die Arbeit bekommt.
    In diesem Sinne kann mir ein selbstbewußt-freundlicher Verkäufer gerne noch etwas anbieten, der geschult-unbewußte hinterläßt aber die latente Aggression, die Herr Buddenbom so schön beschreibt.

  • selbst seit 1958 im dienstleistungssektor tätig und ab mitte der 60ziger jahre immer wieder zu seminaren der verbalen und nonverbalen-kommunikationstechniken fremd deligiert worden.
    2 erkenntnisse sind geblieben
    bedürfnisse zu wecken ist sinnlos wenn die primär bedürfnisse des kunden nicht vorher erkundet wurden; laß dich nicht verbiegen (erläuterung: seminarteilnehmer welche am beginn des s. eine natürliche umgangform hatten und auch menschlich ansprachen waren nach schulung “fremdbestimmt”)
    @kaltmamsells ansatz ist zielführend

  • Wir haben in der Arbeit leider nur einen Bäcker in der Nähe zu dem wir gehen können. Da drin arbeitet auch so ein Verkaufsroboterzombie. Die frägt immer und grundsätzlich jeden: “Darfs sonst noch was sein”. Es wird nie variiert sondern es sind exakt diese Worte in dieser Reihenfolge. Wenn also 3 Leute noch vor Dir stehen und 2 hinter Dir kann es passieren, wenn man viel Pech hat, dass man den Satz 6 mal hört. Mir steigen zwischenzeitlich schon die Bröckchen im Hals hoch wenn ich nur weiß, dass wir zum Bäcker gehen.

  • Da fällt mir noch so ein Spruch der Metzgereiverkäuferinnen aus meiner Kindheit ein:
    “darfs ein kleines bißchen mehr sein”
    Das kam bei allem und jedem. Pro Besuch hörte man das bestimmt zwanzig mal.

  • @Papi: das wird heute getoppt von “Was darfs noch sein?” – in der sicheren Annahme, der Kunde möchte ja sowieso noch den Laden zumindest leerkaufen.

  • Oh, da kann ich nur die Wurstverkäuferin bei Rewe in Bremen empfehlen. Mehr als “Sons’ noch?” kommt da nicht. Das einzige was da lacht, ist die Bärchenwurst…

  • Ja Lübeck. Bäckerei Junge. ? ;)
    Manno die sind immer so scheißfreundlich, echt zum Kotzen.

  • Wahrscheinlich steht’s schon irgendwo weiter oben: was mir fürchterlich auf den Zeiger geht, ist die deutschlandweite “Gerne!”-Verschwörung.

    Diese Seuche hat irgendwann in den “Nullerjahren” begonnen und seither rapide um sich gegriffen.

    Ausnahmslos jeder (!) plärrt einem das G-Wort euphorisch entgegen, sobald man versehentlich “danke” sagt. Die besonders Gelehrigen grinsen dabei noch leicht debil an einem vorbei.

    Was für eine abgeschmackte, widerliche, infame, verkackte, für jeden Blinden durchschaubare Heuchelei.

    Ich will das gute, alte “bitte” zurück. Ende der Durchsage. Sonst zieh’ ich eines Tages ein Messer…

  • Zusatzangebot

    Dieser Artikel spricht mir voll aus der Seele.
    Und McPaper setzt dem ganzen die Krönung auf, weil jeder Kunde mit dem gleichen Satz das Gleiche über Wochen angesprochen wird.

  • hach, ich wische mir die Lachtränen von den Wangen! Dieser Artikel und viele der Kommentare sprechen mir so von der Seele, obwohl ich mich auf der anderen Seite der “Kugel” befinde, in Canada, an der Westküste, wo ich seit vielen Jahren mein ZuHause habe.
    Hier, in Nordamerika – in den USA gleich wie hier – ist das sooo schrecklich mit diesem affektierten Gehabe.
    Es ist meistens MIR peinlich, wenn ich von Verkäufern in Geschäften total überschwenglich angesprochen werde.
    Absolut unnatürlich, mit schriller Stimme, irrem Grinsen und schief gehaltenem Kopf, fast umarmen sie einen. Anfangs bin ich sowas von erschrocken, inzwischen belustigt es mich nur mehr und ich grinse in mich hinein.
    Man wir pausenlos gefragt “how are you?”, obwohl es niemanden interessiert – auch am Telefon, Telemarketer sogar, niemand stellt sich vor mit Namen und sagt einfach, was sie wollen.
    Das Interessante ist, dass es üblich ist, auf “how ARE you?” mit “good, how are YOU?” zu antworten. Die andere Person sagt dann noch “good” und man geht über zu was immer man zu tun hat. Auch in den Läden und am Telefon. Es ist einfach so üblich und ich werde mich NIEMALS and diese Zeitverschwendung gewöhnen. Man sagte mir, das würde höflich sein.
    Ich finde, höflich ist, wenn man jemandem ein freundliches HALLO oder GUTEN MORGEN engegen”wirft” und ihm/ihr in die Augen sieht.
    In einer unserer Deutschen Bäckereien hatten sie eine ca. 25-jährige Canadische Verkäuferin, die anscheinend vorher in einer Bar tätig war. Sie titulierte manchmal Kunden mit “Honey”, “Sweetheart” usw… Auf die Art: “hier ist dein Brot, Honey, das macht soundsoviel”. Und sie war nicht die freundlichste Person, man hat ihr angesehen, dass der Job nicht etwas ist, das sie gerne tut. So habe ich spasseshalber mal gefragt, wie sie auf die Idee kommt, mich mit “Honey” anzusprechen, ob wir uns vielleicht näher kennen würden. Sie wurde etwas aggressiv und meinte “ach, vergiss es doch einfach”.
    Ich habe auch kurzzeitig in der Fast-Food-Industrie gearbeitet, als ich herüberkam.
    Man stelle sich vor: eine lange Schlage von mindestens 10 personen bei jeder der 3 Kassen. Mittagszeit. Die Leute haben jeder ein paar Minuten Zeit, um sich die Tafeln mit den abgebildeten Speisen und den Preisen anzusehen bis sie an der Reihe sind.
    Manstelle sich weiter vor: Man steht hinter der Kasse und begrüsst die nächste Person mit “Hi, what can I get you?” und der/die Armleuchte/r sieht einen mit grossen, fragenden Augen an und meint: “how are you?”. Nach ein paar Sekunden Wartezeit fragt man nochmal “was darf ich ihnen geben?” und die Person sagt wieder: “how are you?”. Es ist mir tatsächlich passiert .
    Ich werde auch nach Jahren und Jahrzehnten hier mich nicht daran gewöhnen können, dass, wenn ich z.B. in den Elektromarkt gehe, um mir eine Speicherkarte für die Kamera zu kaufen, ich binnen 1 Minute (keine Übertreibung!!) von 3 bis 4 Teenagern (manchmal mit Zahnspange oder/und dicken, violetten Akne-Pickeln) gejagt werde auf dem Weg zu dem Regal – mit zuckersüsser Stimme, nach Luft schnappend und debilen Grinsen – gefragt werde, ob “man mir helfen könne”.
    Je älter diese Jugendlichen werden, umso schlimmer wird das affektierte Gehabe. Das Problem ist, dass sie nicht wirklich Schulungen besuchen, die lernen das im täglichen Leben, weil jeder es so macht. Und sie denken, das ist normal….
    Passt nur auf, es wird auch “rüber” kommen. Gewöhnt euch schon mal lieber dran. Oberflächlichkeit und Desinteresse am Mitmenschen sind am Vormarsch, auch wenn es auf den ersten Blick anders erscheint.
    Ich persönlich habe mich mit den Gegebenheiten wie die gespielte Freundlichkeit abgefunden, man stumpft ab und traut den Menschen immer weniger. Es ware zu viel Aufwand, jedem überschwänglichen Menschen tief in die Augen zu blacken um zu sehen, ob er es auch wirklich aufrichtig meint.

    ach, ich wische mir die Lachtränen von den Wangen.
    Dieser Artikel ist so köstlich.
    Ich lebe seit vielen Jahren an der Westküste Canadas und das Leben, insbesondere der verbale Umgang “miteinander” unterscheidet sich in so vielem von ´drüben´.
    Das beschriebene “Talmigrinsen”, zusammen mit der “Privatradiomoderatorenstimme” und dem schiefgehaltenen Kopf mit lauerndem Blick gehören in Nordamerika zum täglichen Leben ….. es ist schrecklich.
    Niemals will und werde ich so werden und niemals werde ich mich dran gewöhnen. Wenn man dran gewöhnt ist, egal ob man zur Arbeit kommt oder ins Geschäft geht, dass man mit einem freundlichen “Morgääähn” oder “Grüss Gott, was darf´s denn sein?” (ich bin aus Österreich) und aufrichtigem Lächeln begrüsst wird bzw. grüsst, bereitet einem diese aufgesetzte Höflichkeit/Freundlichkeit fast körperliche Schmerzen. Mir jedenfalls, auch noch nach über 10 Jahren täglicher Gehirnwäsche.
    Ich denke, es hat etwas mit Oberflächlichkeit zu tun. Die Leute, die diese Verkaufsgespräch-Seminare halten, machen schnell ein wenig Geld mit dem “Ausbilden” von Verkäufern und verschwinden dann wieder für immer von der Bildfläche. Das Ausmass des Schadens ist meistens enorm, weil es wird angenommen, dass diese Variante von Freundlichkeit als “ehrlich” beim Kunden ankommt. Und die meisten Kunden machen sich nicht die Mühe, mit den Ladeninhabern darüber zu kommunizieren.
    Wenn ich z.B. in einen Elektromarkt gehe, um mir eine Speicherkarte für die Kamera zu kaufen und auf dem Weg durch den Laden innerhalb von 30 Sekunden von 4 (keine Übertreibung) zahnspangetragenden, aknepickelgesichtigen Teenager-Verkäufer/innen (natürlich hintereinander) gejagt, und nachdem mir der Weg abgeschnitten wurde, gefragt werde, ob man mir helfen könne, werde sogar ich etwas sauer. Ich nehme diese Dinge üblicherweise mit Humor, denn ich kann schon beim Reinkommen in den Elektromarkt sehen, wie die Verkäufer, die rumstehen, nach Beute Ausschau halten, dann immer ein Regal zwischen ihnen und dem Kunden bleiben, bis sie dann plötzlich und unerwartet vor einem stehen, mit einem Gesichtsausdruck, den ich still und heimlich, nur für mich, als Heath-Ledger-Joker-Grinsen bezeichne. Wenn ich Zeit und Musse habe, gepaart mit besonders guter Laune und Sinn für Unsinn, dann mache ich öfter auch “Spielchen” mit den Leutchens. Ich gehe ziemlich schnell und zielstrebig, und kurz, bevor ich ans Ende des Ganges/Regales komme, stoppe ich abrupt und geh wieder ganz langsam zurück. Auf der anderen Seite der Regale, die meistens 1,5 oder 1,6 Meter hoch sind, sieht man dann, wie einem die Haarbüschel folgen. Ist man dann doch irgendwann “gestellt” bzw. “erlegt”, und Verkäufer sagt (schon ahnend, dass er-sie besser vorsichtig sein sollte: “are you doin´ok?” fragt man am besten eine besonders schwierig zu beantwortende Frage, am besten aus dem Computerbereich, und am besten etwas, auf das “Otto Normal-Verkäufer” so gut wie niemals eine Antwort haben kann. Man kann sicher sein, dass man für den Rest des Ladenbesuches seine Ruhe hat.

    Da wäre da noch die Begrüssung, wenn sich zwei Leute treffen:
    1- how ARE you?
    2- I am good. How are YOU?
    Ende. Es interessiert niemanden, wie es dem anderen geht, besonders, wenn es sich um einen wildfremden Menschen handelt. Also: warum, um Himmels Willen sollte ich einen Fremden fragen, wenn ich ihn treffe, wie’s ihm/ihr geht?

    Ich kenne nichts, das mehr idiotisch ist als dieses Wortspiel, gehört aber hier zum täglichen Leben. Auch am Telefon. Es klingelt, man hebt ab und man hört – nicht jemanden, der sich mit Namen vorstellt, nein – man hört: “How are you?”
    und dann…Stille… bis man fragt: WHO is there? Denn ich weigere mich bis dato standhaft, Fremden, die mich anrufen – besonders wenn es Telemarketer sind mit unterdrückter Rufnummernanzeige – mitzuteilen, wie’s mir geht.

    Da fällt mir noch die ca. 25-jährige Verkäuferin in der deutschen Bäckerei (hier in Canada) ein, die anscheinend vorher in einer Bar garbeitet haben muss, und die die Kunden üblicherweise mit “Honey”, “Sweetie” und ähnlichen Namen ansprach. Mit ziemlich desinteressiertem Gesichtsausdruck allerdings. “Hier sind deine Brötchen, Honey/Sweetheart/Sweetie”.
    Das wär´ doch mal was anderes, wenn Sie, lieber Dippl-Bibbl, in der Bäckerei von der matronenhaften, talmigrinsenden Verkäuferin gefragt werden: “So, mein Süsser, kann ich dir noch was anderes anbieten als Brötchen?”, während sie ihre Lippen mit der Zunge anfeuchtet.
    Man nimmt´s mit Humor, wenn man´s nicht ändern kann. Ich jedenfalls. Im Falle der Verkäuferin in der deutschen Bäckerei habe ich mein Unbehagen der Geschäftsführung in humorvoller Weise mal bei passender Gelenheit persönlich mitgeteilt. Die “Barmaid” ist übrigens nicht mehr dort beschäftigt, da auch andere Kunden ihre Bedenken hatten.

    Weiter so, lieber Maximilian. Ich habe die “www.herzdamengeschichten.de” an deutsche Freunde/innen hier in Canada weiterempfohlen. Man kriegt fast Heimweh. “soifts”

  • es ist mir sehr peinlich, zu sehen, dass mir ein oopsie passiert ist, das werdet ihr ja sicher bemerken.
    Entschuldigung für das doppelte Geschwafel, copy and paste sollte man überprüfen, bevor man´s absendet

  • [...] Herr B. ist irritiert von der aufgesetzten Freundlichkeit norddeutscher Bäckereifachverkäuferinnen. [...]

  • [...] Buddenbohm führt friesische Verkaufsgespräche http://www.herzdamengeschichten.de/2012/01/01/darf-es-noch-etwas-anderes-sein/ …“Das sind unsere leckeren Quarkbrötchen mit vielen Schokostückchen. Die sind heute [...]

  • [...] Darf es noch etwas anderes sein? « Herz­damengeschichten. This entry was posted in Allgemein by Dogma Pillenknick. Bookmark the permalink. [...]

  • [...] “„Einen wunderschönen guten Morgen wünsche ich Ihnen!“ Die Bäckereifachverkäuferin begrüßt mich in jauchzend glücklicher Stimmlage. „Schön, dass Sie so früh schon zu uns gefunden haben!“ Sie legt den Kopf schief und versucht, meinen Blick einzufangen.” Herzdamengeschichten: Darf es noch etwas anderes sein? [...]

  • [...] studiert, jenes über den Umgang mit Hanseaten allerdings ausgelassen. Einen Auszug daraus gibts hier von Maximilian Buddenbohm kurzgefasst, wohlgemerkt. teil mich [...]