Oktober, 2011 Archives
Okt
Noch eine Lesung in Hamburg
by Maximilian Buddenbohm in
Und was für eine. Eine Veranstaltung speziell für die Weihnachts-Anthologie bei Rowohlt. Mit Regula Venske, Dietmar Bittrich, Stevan Paul und mir. Alles dazu steht diesmal drüben, bei Stevan Paul. Durchlesen und Platz reservieren! Das wird super.
Okt
Noch ein Veranstaltungshinweis
by Maximilian Buddenbohm in
Isa und ich freuen uns, zur Herbstlesung “Bonjour Tristesse, du alte Hackfresse” einzuladen! Mit Mister Herbst persönlich, auch Kid37 genannt, mit Musik von Dragana, mit Friederike Moldenhauer als Moderatorin und der gewohnt großartigen Atmosphäre im Le Kaschemme. Wer würde das verpassen wollen!
Okt
Veranstaltungshinweis
by Maximilian Buddenbohm in
Noah Klieger, geb. 1926, ist Auschwitz-Überlebender. Er erzählt seit 60 Jahren von seinen Erlebnissen, auf Bühnen, in Schulen, bei Veranstaltungen. Er ist ein Mensch, und das beansprucht die Vorstellungskraft auf eine unheimliche, bedrohliche Art, der dem KZ-Arzt Mengele leibhaftig als Opfer gegenüberstand und doch überlebt hat. Noah Klieger tritt am 9. November bei einer Gedenkveranstaltung „War das gestern oder heute“ zur Erinnerung an die Reichspogromnacht mit dem Sänger und Liedermacher Jörg Erb im Logensaal der Hamburger Kammerspiele auf (19:30 bis 22:00). Moderiert wird der Abend von Christof Blume, Historiker und Rowohlt-Lektor. Ich empfehle die Veranstaltung sehr. Karten an den üblichen Vorverkaufsstellen.
Und hinterher kann man übrigens, nur ein paar hundert Meter von den Kammerspielen entfernt, fast möchte man sagen nur einen Steinwurf weit, über einen merkwürdig leeren Platz gehen, auf dessen Boden ein Grundriss eingezeichnet ist. Es ist der Grundriss der großen Hamburger Synagoge, die bis zum Dritten Reich dort stand.
Okt
Spielstunde
by Maximilian Buddenbohm in
Okt
Viertel vor November
by Maximilian Buddenbohm in
Man kann die Füße nach außen stellen, so dass man ein wenig an Charlie Chaplin erinnert, und dann einfach losgehen, dabei schiebt man dann besonders viel vor sich her. Man kann aber auch sehr schnell sein, fast rennen und dann mit den Füßen irrsinnige Schlenker machen, so dass es eher an Monthy Python’s Ministry of silly walks erinnert. Man kann beide Hände nehmen, die Arme weit ausbreiten und alles nach oben werfen, was man nur greifen kann, bei der richtigen Beleuchtung steht man dann in einem Regen goldenen Flitters. Man kann mit einer Harke alles von links nach rechts bewegen, von hinten nach vorne und zurück, man kann das so machen, dass es nach einem enormen, wenn auch vollkommen sinnlosen Anfall von Fleiß und Leistung aussieht. Man kann Berge auftürmen und sich dann, wenn sie nach langer Arbeit endlich hoch genug sind, hineinwerfen und darin versinken. Man kann kleine Kinder in einem wilden Wirbel verschwinden lassen, dass man nur noch ihr Lachen hört, aber nichts mehr von ihnen sieht. Man kann ein wenig warten, bis der Wind zum Tanz bittet und dann einfach zusehen, wie sich alles dreht und verweht. Man kann und soll die Kinder zwischendurch beruhigend darauf hinweisen, dass im nächsten Jahr neueBlätter nachwachsen, denn auch die ganz Kleinen merken schon, dass der Herbst eigentlich eine ernste Sache ist.
Ganz egal was man macht – immer führt es einen zu der Erkenntnis, dass die Laubberge im Herbst eigentlich Grund genug sind, irgendwann Kinder zu bekommen.
Okt
Sonntag
by Maximilian Buddenbohm in
Okt
Kleine Anpassungen
by Maximilian Buddenbohm in
Wenn man lange Zeit viel am Schreibtisch arbeitet und sich sehr wenig bewegt, seine Ernährung dabei aber nicht umstellt, kann dies zu einer Erhöhung des Körpergewichts führen. Ich kann diese These eindrucksvoll belegen. Und natürlich ist es mehr als zweifelhaft, ob ich in der Lage sein werde, die Kilos wieder loszuwerden, zumal es gerade Winter wird und jedes Gramm wärmt, da unterscheidet sich der Mensch nicht von Seelöwen. Das tut er übrigens auch figürlich nicht, sagt die Herzdame, sieht mich an und schüttelt den Kopf. Ich ignoriere das souverän, ich kam vom Schreibtisch eben nicht weg, das Geld muss nun einmal verdient werden. Ich nehme sozusagen im Auftrag der Familie zu, wenn ich es recht bedenke. Allerdings passen mir leider viele Sachen nicht mehr und ich beschließe daher, alles was knapp sitzt, klemmt und kneift endlich auszusortieren. Was soll ich mich noch weiter quälen, es ist doch eigentlich albern, dieses dauernde Baucheinziehen, Gerademachen und Durchstrecken, ich bin keine zwanzig mehr und muss noch Eindruck schinden. Bauch rein, Brust raus, das soll die Jugend machen, der steht es auch. Ich probiere reihenweise Hemden und Hosen an, Jacken und Mäntel, darunter Exemplare, die ich seit Jahren nicht in der Hand hatte. Den Schrank aufzuräumen hat etwas von Archäologie, man findet Dinge aus längst vergangenen Stilepochen und nicht alle würde man aus heutiger Sicht noch als Hochkultur bezeichnen. Ich sage nur Hawaihemd. Ich werfe alles auf einen Haufen, was nicht mehr passt. Ich mache kurzen Prozess. Ich habe es satt, mich noch zu verstellen, ich stehe ab sofort zu meiner, nun ja, Winterfigur. Ich bin gründlich bei der Auswahl. Alles, was auch nur ein wenig zwickt, fliegt raus, es fühlt sich sehr befreiend an. Ich trage ab sofort nur noch bequem.
Allerdings ist es jetzt ein ziemlich großer Schrank, nur für den einen Bademantel.
Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.
Okt
Flucht ins Märchenland
by Maximilian Buddenbohm in
Während ich meinen Staatsbürgerpflichten lustlos genüge und versuche, die Wirtschaftsnachrichten noch halbwegs zu verstehen, kommt Sohn I an meinem Schreibtisch vorbei und fragt, warum ich so stöhne. Ich sage ihm, dass irgendwelche Rating-Agenturen jetzt anscheinend Frankreich herabstufen wollen und dass mir die Nachrichten insgesamt auf den Wecker gehen. Der Sohn fragt nicht nach, ihm reicht noch die Erfahrung von gestern, als er seinen Vater gefragt hat, was eigentlich eine Bank ist und der ihn daraufhin des längeren eher wirr zugetextet hat und irgendwann plötzlich aufhörte, um hektisch etwas googeln zu gehen. Nein, Sohn I hält mir heute stattdessen ein Märchenbuch hin und ich greife dankbar zu. Ich kann beim besten Willen keine Wirtschaftsnachrichten mehr sehen, da tauche ich doch lieber ein in eine Welt, in der es noch um etwas geht, um gefräßige Wölfe etwa, um der Königin ihr Töchterlein oder auch um verbrannte Hexen, das ist doch etwas Reelles, zumindest im Vergleich zur Finanzkrise. Ich lese das Märchen vom Rumpelstilzchen. Sohn II kommt auch dazu, vier Kinderaugen sehen mich gebannt an. Das ist so wie es sein soll, das ist wie es immer war, ein Erzähler und verzauberte Zuhörer, für einen Moment genieße ich den alten Text und die Situation. Das hier, das ist die Wirklichkeit. Die Irrsinnssummen aber, die irgendwelche Staaten irgendwelchen anderen Staaten schulden, die sie wiederum Banken schulden, deren Bürgschaften dann die Staaten übernehmen, die sind doch eher Phantasiegebilde.
Ich lese also in Frieden von der Müllerstochter, die Stroh zu Gold spinnt, übrigens eine vergleichsweise anständige Möglichkeit zu Geld zu kommen, wie mir scheint. Anständiger als die Wetten gegen Währungen, sollte man meinen. Ich lese, bis ich zu der Stelle komme, wo die Tochter der Müllerin dem gierigen König in der zweiten Nacht schon wieder Gold produzieren soll, denn, so steht es da in dem Buch: „Sein Königreich war stark verschuldet und seine Schatzkammern waren leer.“ Ich stocke und lese den Satz dann noch einmal, die Söhne sehen mich irritiert an. Das gibt es doch nicht, denke ich, seit achtzehnhundertirgendwas kommen Wirtschaftsmeldungen in Märchen vor und die Staaten waren damals schon amtlich pleite? Kann es denn wirklich sein? Die Gebrüder Grimm als Vorläufer von Reuters? Ich rappel den Rest des Märchens hinunter bis sich das Rumpelstilzchen endlich mitten entzwei reißt und die anderen Figuren in Frieden weiterleben. Die Söhne sinken programmgemäß in die Kissen, ich gehe zurück zum Schreibtisch und lese den Grimmschen Originaltext in allen verfügbaren Quellen online und im Bücherregal nach. Kein Wort von Schulden, in keiner Ausgabe. Der König giert nach Gold, mehr steht da nirgendwo. Wir haben die anscheinend einzige Ausgabe der alten Märchen, in denen Staatsschulden vorkommen. Gedruckt in Jugoslawien, steht hinten drin, es hätte misstrauisch stimmen können.
Ich mache die Seite der FAZ im Browser wieder auf und lese tapfer im Wirtschaftsteil weiter. Es gibt für mich sowieso kein Entkommen.
Okt
Okt
Buchtipp
by Maximilian Buddenbohm in
Bodenfrost im Hamburger Umland, Sohn I fragt, wann wir endlich den Weihnachtskarton aus dem Keller holen. Sohn II kann neuerdings Halleluja sagen und macht davon auch üppigen Gebrauch, obwohl er eher als Gremlin denn als Engel überzeugen könnte. Meine Übergangsjacke hilft nicht mehr gegen die Kälte und bei den Frauen auf dem Spielplatz vor der Haustür geht der Trend unverkennbar zur Strickmütze. Das reicht mir als Zeichen, das ich legitimerweise anfangen kann, das Buch zu bewerben, das Sie hier oben rechts in der Randspalte sehen. Dann sind Sie nämlich gut vorbereitet, auf das, was da unweigerlich kommen wird. Eine Anthologie mit etwas anderen Weihnachtsgeschichten von Autoren wie etwa Stevan Paul, Zoë Beck, Regula Venske, Sibylle Berg, Bernhard Lassahn, Rainer Moritz, Alexander von Schönburg, Hans Zippert, Dietmar Bittrich und etlichen anderen – und auch einer Geschichte von mir. Geradezu ideal als Geschenk geeignet für Menschen, die mit Weihnachten Schwierigkeiten haben. Also für alle.
Erscheinungsdatum: 01. November. Viel Spaß bei der Lektüre.
Okt
Okt
Woanders
by Maximilian Buddenbohm in
Isa hat wieder Sachen gemacht und natürlich im Culturmag darüber geschrieben. Die Herzdame und ich haben dabei mitgemacht, deswegen muss ich nicht selbst darüber schreiben – bitte einfach hier entlang. (Aber erzählen Sie es nicht den Söhnen, was sie da lesen werden)
Peter Praschl schreibt einen lesenswerten Text mit dem denkwürdigen Titel „Meine Frau. Das Arschloch.“ Auch das kann ich sehr empfehlen. Bitte hier entlang.
Okt
Erfolgsmeldung
by Maximilian Buddenbohm in
Das Telefon klingelt, der jüngste Sohn ist dran. Er ist erst zwei, er übt noch mit dem Telefon. Er übt auch einiges andere noch und ruft mich neuerdings oft an, wenn etwas gelingt. „Papa, Pipi macht!“ kräht es fröhlich aus dem Hörer. Ich arbeite in einem Großraumbüro. Ich finde, es muss nicht jeder Kollege mitbekommen, dass ich mit einem Kind über Pipi rede, immerhin werden wir dort für Arbeit bezahlt, nicht für Pädagogik. „Ja“, sage ich in möglichst seriösem Tonfall, „das klingt wie ein gutes Geschäft.“ „Papa?“ fragt der Sohn irritiert. Er ist sich nicht sicher, ob ich ihn verstanden habe, die Reaktion war ihm nicht euphorisch genug. „Pipi macht“, wiederholt er sicherheitshalber zehnmal nacheinander und fügt dann feierlich „auf Toilette“ hinzu. Ich antworte, dass es immer schön sei, so etwas zum Abschluss zu bringen und gratuliere ihm zum erfolgreichen Deal. Ich höre, wie er der Mutter im Hintergrund besorgt mitteilt, dass Papa komisch sei. Dann brüllt er in voller Lautstärke noch einmal „Pipi macht“ in den Hörer, vielleicht höre ich ja schlecht. Dann wiederholt er seine Worte einfach immer weiter in Endlosschlaufe. Mir werden die Kollegen jetzt zusehends egal, dieses Telefonat muss aufhören, ich habe schließlich noch etwas zu tun. Das Kind muss zufrieden gestellt werden, ich brauche eine freie Leitung, und zwar dringend. Ich sage ihm also, das es toll sei, das mit dem Pipimachen, Pipi ist super, ja. Ich höre ihn begeistert jauchzen, dann fragt er, ob ich auch schon Pipi gemacht hätte? Auf Toilette? Ja, sage ich, ich habe heute auch schon Pipi gemacht, und ja, auf der Toilette, in der Tat. Nicht am Baum, nein, heute nicht. Ganz toll, ja, fand ich auch, das macht wirklich Spaß. Der Sohn legt zufrieden auf, er fühlt sich endlich von seinem Vater verstanden. Was könnte schöner sein?
Die Kollegen sehen bemüht aus dem Fenster. Mein Leben ist auch nicht immer das einfachste.
Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.
Okt
Ungenügend
by Maximilian Buddenbohm in
Kumpel von Sohn I: “Was machste da?”
Ich: “Ich schreibe gerade an einem Buch.”
Kumpel von Sohn I: “Ein Buch? Echt? Worüber denn?”
Ich: “Was ich so erlebt habe.”
Kumpel von Sohn I: “Mehr nicht?”
Okt
Drei Tage war das Volk so krank
by Maximilian Buddenbohm in
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