August, 2011 Archives

28
Aug

Klare Antworten

by Maximilian Buddenbohm in

Sohn II war mit der Herzdame im Zoo, und das wurde auch Zeit. Immerhin ist er gerade in der spannenden Phase der Sprachexplosion, sein Wortschatz wird jeden Tag sprunghaft größer und größer, da muss man das Tier zum Wort auch einmal live und in Farbe vorführen, damit er den Tiger nicht nur mit einer zahnlosen Plüschvariante in Verbindung bringt. In diesem Alter müssen Kinder sehr viel sehen, viel wahrnehmen, viel vorgelesen bekommen und viel zuhören. „Brauche Input“, wie Nummer 5 gesagt hätte, der eine oder andere wird sich vielleicht noch an den Film erinnern. Wenn man nach einem erlebnisreichen Tag mit etwa zweijährigen Kleinen spricht, ahnt man jetzt die Anfänge von ganzen Sätzen, die Morgenröte der Grammatik. Von der simplen Reihung zur geschickten Verkettung, es ist immer wieder ein Wunder. Durch verständnisvolles Fragen kann man natürlich ein wenig nachhelfen, man kann dem Kind auf die Sprünge helfen und die Erfahrungen des Tages am Abend in übenden Gesprächen wiederholen, damit sich das Neue verfestigt. Man nimmt sich also dafür den Sohn auf Augenhöhe und fragt ihn zum Beispiel, welche Tiere er im Zoo denn so gesehen habe. Dann perlt es in der Regel nur so aus dem Kind heraus, ein heiteres Bruchstückwort nach dem anderen, Krodil und Gifaffe, Tiga und Fant. Fant groß und laut! Da war schon ein halber Satz. Man hört zu, man spricht leise die korrekten Bezeichnungen, das Kind staunt, hört zu und lernt. Überaus beeindruckend. Zumindest in der Theorie.

„Welche Tiere hast du denn heute im Zoo gesehen?“ frage ich Sohn II, der vor dem Schlafengehen auf meinem Schoß sitzt. Er sieht mich an und schüttelt energisch den Kopf, anscheinend sind ihm in Hagenbecks Tierpark gar keine Tiere aufgefallen. Die stehen ja auch sehr diskret in den Gehegen herum. „Na sag schon, was für Tiere gab es da? Du hast doch welche gesehen? Erzähl mir mal. Gab es Löwen?“ In dem Alter darf man noch vorsagen, man will ja niemanden überfordern. Der Sohn denkt einen Augenblick nach, dann springt er kurzentschlossen von meinem Schoß und geht in sein Zimmer. Ich höre ihn eifrig in Kisten kramen, seine Lust auf ein abendliches Gespräch scheint sich in Grenzen zu halten, er will wohl doch lieber spielen. Aber er kommt nach einer Weile wieder heraus, er hat beide Hände voll und schwer zu tragen. Er legt seine Fracht ab, holt aus und wirft mir wortlos, aber bemerkenswert gezielt, alle Hartgummitiere aus seiner großen Sammlung an den Kopf, die er im Zoo gesehen hat. Bis hin zum fetten Stegosaurus, der im Hamburger Zoo tatsächlich als Skulptur herumsteht. Faszinierend. Dann nickt er nach dem letzten Wurf abschließend, dreht sich um und geht schweigend wieder ins Kinderzimmer.

Erinnern Sie sich noch an diese unsägliche Grafik vom Sender-Empfängermodell, mit der wahrscheinlich mittlerweile die meisten Menschen im Laufe ihrer Karriere von Trainern, Coaches, Psychologen oder Consultants mehrfach verfolgt und gequält worden sind? An die gestrichelte Linie zwischen Sender und Empfänger? Wenn Sie wieder einmal im beruflichen Umfeld auf diese Grafik treffen, es dauert ja in der Regel nur bis zum einem Wechsel der Managementmode, deuten Sie die gestrichelte Linie einfach als Wurfbahn. Sie haben bestimmt ein interessantes Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten vor sich.


 

26
Aug

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

25
Aug

Zitat des Tages

by Maximilian Buddenbohm in

23
Aug

Woanders

by Maximilian Buddenbohm in

Gucken Sie mal hier – ein ganz besonderer Beschwerdebrief. Äußerst lesenswert.

21
Aug

Klar zum Entern

by Maximilian Buddenbohm in

Die Söhne haben bald Geburtstag, die Söhne werden zwei und vier Jahre alt. Zwischen den Geburtstagen der Söhne liegen nur zwei Tage, also dachten wir uns, die feiern wir am besten gleich zusammen. Wer mag schon so kurz aufeinanderfolgend Kindergeburtstag spielen, das hält ja keiner aus. Dann lieber einmal in etwas größer und fertig. Mittlerweile wissen wir, dass wir ein wahnwitziges Monster-Event planen. Die Freundinnen und Freunde der Söhne haben alle kleine oder große Geschwister, die wie Pattex an ihnen kleben und daher auch mitkommen, es werden Heerscharen von Kindern kommen, von deren Eltern ganz zu schweigen. Allein die Gästeliste zusammenzustellen erforderte bereits mehr Verhandlungen als die Gründung der vereinten Nationen, aber nun sind die Söhne mit uns einer Meinung. Zumindest jetzt gerade, in dieser Minute. Für mehr kann ich nicht garantieren, es kann in Sekunden wieder Tränen geben. Es wird eine Piratenparty, in diesem Jahr sind alle Kindergeburtstage Piratenpartys, auch da gibt es Moden. Die kleinen Helden werden sämtlich schwer bewaffnet kommen, ihre Gespielinnen alle als schmuckbehangene Prinzessinnen, um etwas Glamour und schrille Hysterie in die dumpfe Räuberhöhle der rauen, raufsüchtigen Kerle zu bringen. Bereits im Vorwege wurde uns mitgeteilt, wer wen bei der Party womit verhauen wird, welche Prinzessin von wem entführt werden wird und nach welchen obskuren Gesichtspunkten der obligatorische Schatz und auch die Sitzplätze und der Kuchen verteilt werden. Es wird nicht einfach werden, aber wir werden es schaffen. Wir sind Eltern, wir können das.

Hat man eigentlich je versucht, komplexe Krisen wie etwa den Nahostkonflikt durch ein Team aus Eltern und Kindergärtnerinnen zu lösen? Einen Versuch wäre es allemal wert.

 

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.


 

 

19
Aug

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Rainy day  in Hamburg

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

16
Aug

Frühkindliche Förderung

by Maximilian Buddenbohm in

Ich: „Und, wie war es denn heute in der Musikschule?“
Sohn I: „Ganz gut. Wir haben Schläge bekommen, und dann haben wir sehr gut Musik gemacht.“

Manchmal lohnt es sich doch, genau nachzufragen. Dann kommt man darauf, dass sie Schlegel bekommen haben, keine Schläge.

16
Aug

Kurze Frage

by Maximilian Buddenbohm in

Die dreizehnjährige Tochter einer Freundin bekam gestern an einem Hamburger Gymnasium von einem Vertretungslehrer im Fach Deutsch drei Blätter, darauf ein abgeschriebener Bericht aus der Tagesschau zu den Massenmorden auf der Insel vor Oslo. Hausaufgabe dazu: Schreibe a) einen sachlichen Bericht über die Vorkommnisse, schreibe b) einen emotionalen Bericht aus der Sicht eines Beteiligten / eines Augenzeugen.

Möchte man dem Lehrer nicht dringend raten, sich a) einen neuen Job zu suchen und b) das Gebiet der Pädagogik dabei weiträumig dabei zu umfahren? Doch, das möchte man wohl. Vielleicht kenne ich mich aber auch einfach nicht aus. Die Söhne sind von der Schule noch ziemlich weit entfernt und seit den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen ich meine ersten Erfahrungen mit Pädagogen gemacht habe, soll sich ja einiges geändert haben. Lehrer sind heute viel besser geschult, sagt man.

15
Aug

i

by Maximilian Buddenbohm in

Kleinkinder spielen mit der Sprache, das ist normal und zu erwarten. Sie verdoppelnpopoppeln Silben, sie verdrehen Begriffe und verwirbeln Satzgefüge, dass man nicht mehr weiß hinten und vorne wo ist. Die Grammatik wird gebeugt, gebogen und gebiegt, vielleicht sogar zerbrecht, Kinder spielen mit allem, also machen sie auch alles kaputt, warum sollte die Sprache eine Ausnahme sein. Auch das sind nur Phasen, auch das geht vorbei und schon nächste Woche gibt es eine neue Sprachmacke, vielleicht wird dann alles nur noch singend vorgetragen, womöglich zur Melodie von O Tannebaum, vielleicht werden aber auch alle Vokale ausgewuchselt, vielleicht wird alles sehr laut gesprochen oder im Gegenteil kaum hörbar geflüstert, dass man ein Fledermausgehör benötigen würde, um das Kind zu verstehen, man weiß es nicht. Aber eines weiß ich: Diese verdammte i-Phase im Sprachgebrauch von Sohn I muss dringend wieder aufhören. Immer, wenn er morgens aus dem Betti aufsteht, eine gute Nachti gehabt hat, seine Puschis anzieht und zum Tischi geht, weil er nach dem Schlafi so großen Hungi hat, kriege ich schlimme Aggressioni.


13
Aug

Backflash

by Maximilian Buddenbohm in

Ich habe das wirklich selten. Ich sehne mich nicht nach der Kindheit zurück, ich bin ganz gerne erwachsen. Ich bin kein Spieltyp, ich möchte nicht Stunden sinnlos mit Albernheiten zubringen, auch nicht mit Fußbällen oder Legosteinen, auch nicht mit Brettspielen oder Zeichentrickfilmen, das fehlt mir alles nicht, das ist nicht mehr meine Welt. Mir reicht der Spaß, den ein normales Erwachsenenleben hergibt, vollkommen aus.

Aber wenn ich Sohn I im Baumhaus im Heimatdorf sehe, wie er grinsend hoch oben zwischen den Ästen sitzt, seinen Eimer mit Obst und Schätzen am Seil hochzieht und dann seine Schuhe auszieht und runterwirft, weil ein Kind auf einem Baum nun einmal keine Schuhe braucht – dann möchte ich sofort wieder Kind sein und über die Äste turnen und mitbauen und weiterbauen und höher klettern und oben bleiben und erst wieder runterkommen, wenn es dunkel wird und der Wind von den Feldern her aufkommt und das Laub dumpf und kräftig nach Abend riecht und hinten im Haus die Lichter angehen und jemand von drinnen ruft, dass es Essen gibt.


 

13
Aug

August

by Maximilian Buddenbohm in

12
Aug

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

7
Aug

Vielen Dank für die Blumen

by Maximilian Buddenbohm in

Sohn I ist alt genug, um immer öfter selbständig etwas zu kaufen. Er ist fast vier, also kann er im Laden sagen, was er haben will, er kann Geld geben, Wechselgeld annehmen und Ware einstecken.  Es dauert natürlich wegen seiner geringen Größe manchmal eine Weile, bis er sich bemerkbar machen kann, aber für ein Kind, das sonst oft eher schüchtern ist, kommt er in Geschäften bemerkenswert gut zurecht. Heute hat er im Bahnhof Blumen gekauft. Selbst draußen ausgesucht, selbst in den Laden getragen, selbst der Verkäuferin hingehalten und mit Geld gewedelt. Auf Nachfrage der entzückten Dame sagte er wahrheitsgemäß: „Für Mama“. Für wen auch sonst. Die Verkäuferin schenkte ihm aus lauter Begeisterung über den superniedlichen Kunden zwei große Rosen extra. Da alle Blumen zusammen nun etwas zu viel waren, um sie noch gut tragen zu können, schenkte Sohn I eine der Extrarosen großmütig seinem kleinen Bruder, der ihm dafür wiederum ein Buch schenkte, dass er selbst gerade erst geschenkt bekommen hatte. Ich habe dem Sohn dann ein Eis ausgegeben, denn er hatte den Einkauf wirklich gut gemacht, so etwas muss auch einmal gewürdigt werden.  Und er hat tatsächlich nichts für sich gekauft, nur für die Mutter. Wirklich beachtlich. Sohn I wollte dann plötzlich zum Portugiesen, bei dem ich sehr oft Kaffee trinke. Dort schenkte er zielstrebig der attraktivsten der Kellnerinnen seine verbleibende Extrarose. Schob die Blume mit einem denkwürdigen Augenaufschlag wortlos aber in eindeutiger Absicht über den Tresen, wofür ihm die Kellnerin, kurz bevor sie vor Rührung zerfloss, zwei Lollis schenkte. Einen der Lollis schenkte er wieder seinem Bruder, der ihm dafür eine Feder aus seinem Hut gab, er trägt ungerne Hut, ohne eine Feder daran zu haben, insofern hat er immer Tauschware dabei. Sohn I hatte jetzt ein Eis, ein Buch, einen Lolli und eine lange Elsterfeder, alles nur, weil er zwei Frauen Blumen geschenkt hat. „Wir wollen jetzt öfter Blumen kaufen“, sagte er zu mir, während er sorgsam seine Schätze sortierte.

Falls Sie zu den Frauen gehören, deren Männer noch Blumen mitbringen: Vielleicht haben die Gatten in der Kindheit einfach nur die richtigen Erfahrungen gemacht?



 

7
Aug

Zwei Teile – für immer?

by Maximilian Buddenbohm in

Der Fall der Mauer ist so lange her, dass man gar nicht mehr weiß, wie viele Jahre es eigentlich sind. Mehr als zwanzig, hätten Sie das gedacht? Im Büro arbeiten neben mir Menschen aus Mecklenburg, wir haben nie über die Herkunft gesprochen, das ist gar nicht mehr so interessant. Die deutsche Teilung ist längst kein Alltagsthema mehr für die Menschen meiner Generation. Aber wie mag es den Jüngeren gehen? Den Menschen, die keine innerdeutsche Grenze mitbekommen haben? Welches Deutschlandbild haben die eigentlich im Kopf? Praktischerweise kann ich Sohn I fragen, der ist fast 4 Jahre alt und sehr, sehr auskunftsfreudig. Ich habe ihn also nach Deutschland gefragt, und er hat sofort zurückgefragt: „Welches?“ Oh, habe ich gedacht, jetzt wird es aber sehr erstaunlich. Dann haben wir lange geredet. Jetzt weiß ich, dass er tatsächlich zwei deutsche Länder im Kopf hat. Eines entspricht etwa der Gegend um Lübeck und Hamburg, es ist das Land, in dem er aufwächst. Das zweite deutsche Land ist ganz anders, schon baulich. Die Leute reden dort anders, die Landschaft sieht anders aus, es ist begrenzter und viel kleiner. Er findet dieses andere Deutschland aber ganz sympathisch, er war auch schon ein paar Mal da. Das eine, Sie werden es gleich ganz logisch finden, ist Festlanddeutschland, das andere ist Helgoland. Beide sind deutsch, aber doch getrennt und irgendwie ganz anders. Man kann nur mit Schwierigkeiten von dem einen in den anderen Teil reisen und schon wegen der Robben auf der Insel wäre es wirklich schön, wenn endlich zusammen finden würde, was doch zusammen gehört, und Helgoland wieder mit dem Festland verbunden wäre, so dass man schneller da wäre.

Die Überwindung dieser Teilung könnte zwar baulich etwas herausfordernd werden, aber egal – jede Generation braucht ihre Aufgabe! Wir haben unseren Teil erfüllt, jetzt sind die Nächsten dran. Sollen sie mal machen.

 

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.

 

5
Aug

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Rainy evening

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.