Juni, 2011 Archives
Jun
Haushaltsvorstandsfragen
by Maximilian Buddenbohm in
Wir haben Besuch, ein befreundetes Paar ist da, sie ist gerade schwanger. Wir fragen nach dem Stand ihrer Vorbereitungen auf die Geburt und die erste Zeit danach, die Frau sagt strahlend, sie seien gerade dabei, das Kinderzimmer genau zu planen, das sei ja auch alles recht kompliziert. Ihr Mann sieht sie vollkommen verblüfft an und fragt: „Was, wir planen schon das Kinderzimmer? Wir? Davon weiß ich ja gar nichts?“ Nein, sagt sie, sie sei noch gar nicht dazu gekommen, alles mit ihm abzusprechen, aber sie würde eben schon einmal gedanklich etwas vorarbeiten. Ich nehme den Mann beiseite und weise ihn darauf hin, dass so ein Satz ein ganz schlechtes Zeichen für die Beziehung sei. Wenn die Frau wir sagt und nur sich meint, dann hat der Mann in der Regel schon aufgegeben irgendwo mitzubestimmen, dann sitzt er nur noch als Dekofigur auf dem Sofa und um ihn herum passiert der Familienalltag, den die Frau dann komplett alleine regelt. Als ob uns Männer solche Themen nicht auch interessieren würden! Als ob noch die alten Rollenmuster gelten würden! Wenn der Mann dann später wieder versucht, irgendwo doch noch mitregieren zu dürfen, kann er das in aller Regel vergessen, denn ist die Chance erst einmal vergeben, ist alles endgültig vorbei. Ich weise den Freund darauf hin, dass so etwas in meiner Ehe übrigens nicht passiert sei. Ich bin nämlich tatsächlich noch an allen Entscheidungsprozessen selbst beteiligt, auch wenn es etwa um so etwas wie Kinderzimmereinrichtung geht.
„Gerade gestern erst hat die Herzdame mir lang und breit ihre Vorstellungen vom demnächst anstehenden Umbau des Kinderzimmers berichtet“, sage ich stolz, „noch vor dem Besuch im Möbelhaus. So muss das laufen!“ „Und“, fragt mein Freund, „was plant ihr denn so?“ „Keine Ahnung“, sage ich wahrheitsgemäß, „ich habe nicht zugehört.“
Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.
Jun
Landeskunde
by Maximilian Buddenbohm in
Jun
Haushaltstipp von Sohn II
by Maximilian Buddenbohm in
Flecken durch nächtliches Nasenbluten auf weißen Bettlaken fallen viel weniger auf, wenn man am frühen Morgen ein Schokocroissant in der Küche stiehlt und dies dann im Bett so isst, dass die Schokolade auf das eingetrocknete Blut schmilzt.
Jun
Morgenimpression aus dem Heimatdorf
by Maximilian Buddenbohm in
Vor dem Fenster die Kirschen in den Bäumen, noch grün und steinhart. Daneben die Pflaumen, natürlich auch noch grün und viel weniger als noch im letzten Jahr. Dahinter die Weide, auf der das Gras blüht und golden im Sonnenschein wogt. Dann meilenweit Gerste, dazwischen ein paar sehr alte und sehr krumme Apfelbäumchen. Rechts die Stachelbeeren, die schon erstaunlich reif sind, dann Johannisbeeren, schon dunkelrot, die kommen früh, in diesem Jahr, die Beeren. Oben der Bussard, langsam höher und höher kreisend, etwas tiefer die Krähen, unruhig flatternd. Auf der Terrasse Opa, der seine Hosen sucht. Hosen, die er als letzter noch stehender Besucher eines Dorffestes anscheinend nicht mehr nach Hause gebracht hat. Er kann wenig sachdienliche Angaben zu den letzten Stunden des gestrigen Abends machen. Oma liegt auf einem Gartenstuhl, greift sich an den Kopf und stöhnt. Sie würde vielleicht mit ihrem Mann schimpfen, aber sie kann sich nicht erinnern, wo ihr Portemonnaie geblieben ist, so trifft man sich lieber friedlich im gemeinsamen Erinnern, das auch nach intensivem Bemühen verblüffend wenig zutage fördert. Außer, dass man irgendwann von Bier auf Wein überging und jetzt sehr viele Menschen aus dem örtlichen Sportverein kennt. Nicht, dass man die Namen noch wüsste, aber egal.
Die Herzdame, die Söhne und ich frühstücken mit gutem Appetit. Wir waren zeitig im Bett, natürlich waren wir das. Wir haben Kinder, wir kommen zu nichts, auch nicht zu Exzessen. Exzesse müssten wir einplanen, aber dann wären es ja keine mehr. Morgen stürzen wir mal ab, das kann man sich so nicht vornehmen, das muss über einen kommen wie ein Naturereignis, wenn man die Wahl hat, dann ist es ja schon verkehrt. Kinder scheinen als Naturereignis erst einmal genug zu sein, da ist nicht mehr sehr viel Raum für andere. Die Sonne fällt auf den Frühstückstisch. Opa hat eine grünliche Gesichtsfarbe und stöhnt vor sich hin. Oma zittert beim Eingießen des Kaffees und sie trägt eine ungewöhnlich große Sonnenbrille. Sie reden beide wenig, sie brummen nur ab und zu. Es scheint ihnen insgesamt eher nicht sehr gut zu gehen. Die Herzdame und ich, wir sehen sie ein wenig neidisch an.
Jun
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Im Bild: Getreide im Heimatdorf. Oder, wie wir Allergiker sagen: Saupillermannarschlochgrünzeug. Davon abgesehen ist drüben im Westen wieder ein neues Wochenhoroskop von mir erschienen. Viel Spaß!






