Ein Mann muss sich gelegentlich Herausforderungen stellen. Nicht nur irgendwelchen Herausforderungen, nein, großen Herausforderungen. Auch solchen, für die Frauen kein Verständnis haben, vielleicht aber auch gerade solchen. Manche besteigen, einem dumpfen Drang folgend,  hohe Berge, gehen zur Großwildjagd oder fahren mit einer Harley quer durch Asien, reiten wilde Pferde zu, üben Klettern an Hochhäusern oder segeln um Kap Hoorn, es ist egal, was man wählt, das Muster ist immer gleich. Eine einsame, große Aufgabe. Der Mann erkennt instinktiv, wenn er vor so einer Herausforderung steht. Er wacht morgens auf und weiß, was er tun muss. „Ja aber“ fängt die Frau dann an.  Man ignoriert es und geht stur seinen Weg, gegen jeden Widerstand, einfach, weil man muss.

Ich zum Beispiel versuche seit Wochen, das Rhabarberkompott meiner Großmutter nachzukochen. Ganz alleine, nur ich, die Küche und meine Erinnerung. Die Frau und die Kinder stehen vor der Tür und jammern, sie mögen keinen Rhabarber, sie wollen spielen, sie wollen ins Bett, was weiß ich, ich kann mich nicht um alles kümmern, ich habe hier eine Mission. Ich köchele vor mich hin, mit Apfelsaft oder Wasser, mit Puddingpulver oder nicht, mit den absurdesten Zutaten. Alles zerfallen lassen oder nicht, mit Erdbeeren oder ohne. Es ist ein weiter, einsamer Weg bis zum einzig richtigen Ergebnis und es muss viel Rhabarber bis dahin gegessen werden, denn den mag hier außer mir wirklich keiner. Ich esse alle Fehlversuche auf, wer Erfolg haben will, der muss eben leiden. Wenn ich mit neuem Rhabarber nach Hause komme, sieht die Frau mich klagend an. So werden andere Männer angesehen, wenn sie jeden Tag mit Schnaps nach Hause kommen, vermute ich. Wir entfremden uns zusehends, aber ich werde am Ende gewinnen.

Ein Mann muss eben tun, was ein Mann tun muss.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.


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