Mai, 2011 Archives
Mai
Wahre Größe
by Maximilian Buddenbohm in
Sohn I: „Papa, wie groß bist du?“
Ich: „Oh, ich weiß gar nicht genau…“
Sohn I: „Wieso, haben wir denn keine Waage?“
Ich: „Man nimmt doch keine Waage, wenn man wissen will, wie groß man ist.“
Sohn I: „Nein? Na, dann nimm doch ein Thermometer. Das haben wir.“
Mai
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß!
Mai
Vertrauen
by Maximilian Buddenbohm in
Sohn I isst Krautsalat zu Pellkartoffeln, er mümmelt gedankenverloren vor sich hin, sieht dabei aus dem Fenster und wechselt zwischen zwei Gabeln einen Satz mit seinem Kumpel, der neben ihm genau wie er selbst schmatzt und kleckert. Plötzlich hält er in seinem Mahl inne, als hätte er auf etwas gänzlich Unerwartetes gebissen, der Mund geht leicht auf, die Nase zieht sich kraus, der Blick wandert nach unten, als hätte er die ungeheuerliche Erwartung, dass gleich Käfer aus seinem Mund kämen, die Hand mit der Gabel sinkt auf den Tisch und mit vollem Mund fragt er in leicht panischem Tonfall: „Papa, mag ich eigentlich Krautsalat?“
Und nach meiner klaren Zustimmung isst er fröhlich weiter. Manchmal ist es wirklich sehr einfach.
Mai
An Sommerabenden zu lesen
by Maximilian Buddenbohm in
Früher hat man sich im Sommer draußen getroffen, und man hat gar nichts dabei gegessen. Oder man hat ein Picknick gemacht oder Käsebrote gegessen, das war in meiner Kindheit und Jugend ganz normal. Wenn man heute im Sommer draußen ist und ein zweiter Mensch kommt dazu, dann wird zwanghaft gegrillt. Immer. Schönes Wetter, zwei oder mehr Menschen – Holzkohle! Billigfleisch! Ein soziales Erlebnis unter freiem Himmel ohne schwarz verbranntes Fleisch ist praktisch nicht mehr denkbar. Fleisch minderster Qualität wird solange erhitzt, bis es eine finstere, krebserregende Kruste hat, dann wird es mit Unmengen von Saucen gegessen, Saucen aus Zutaten, die man lieber niemals lesen möchte. Das kann man gerne mal machen, es gibt aber überhaupt keinen Grund, das pausenlos zu machen, den ganzen Sommer lang, an jedem freien Abend. Grillen wird, man muss es endlich einmal laut sagen, geradezu dramatisch überschätzt und wenn man sieht, in welchem Ausmaß an Sommerabenden die Aluschalen der Einweggrills durch die Natur fliegen, dann möchte meinen, die ganze Nation habe einen veritablen Grillklaps. Man geht durch die rauchenden Reste der Fleischverbrennung, man möchte den Menschen zurufen, mehr Brote zu essen, denn das geht einfacher, schmeckt besser und ist billiger, aber egal. Die Welt wird nicht besser, wenn man älter wird, soviel steht fest, sie wird nur anders. Wenn es so weitergeht, werden wir uns in wenigen Jahren komplett von Grillfleisch ernähren, die Feuer werden durchgehend brennen und die Saucen wird man an Tankstellen zapfen können. Meine Enkel werden mich fragen, was ich früher abends ohne Grillfeuer gemacht habe. Ich werde in ein Museum gehen, auf alte Tupperdosen zeigen und ihnen sagen: „Guckt mal – da waren die Brote drin.“
Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostseee-Zeitung.
Mai
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Im Bild: Türkische Pferde. Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.
Mai
Türkei
by Maximilian Buddenbohm in
Nun kenne ich also die Türkei. Das ist natürlich Unsinn, schließlich kenne ich nur ein paar Quadratkilometer, aber das sagt man ja so, im touristischen Sprachgebrauch. Berlin? Kenne ich, da war ich vor zehn Jahren einmal. Europa? Kenne ich, da war ich auch schon. Ich kann jetzt mitreden, denn das kann man bekanntlich, wenn man irgendwo Urlaub gemacht hat, ich kann jetzt Türkei. Die Türkei ist ein eher kühles, verregnetes Land, in dem die Häuser nicht beheizt werden. Wenn die Sonne einmal herauskommt, gibt es ein zischendes Geräusch, das Land ist in zehn Sekunden knochentrocken und unfassbar heiß. Alle Menschen ziehen sofort fast alles aus und gehen baden, Touristen und auch Türken. Überhaupt Türken: In der Türkei kann man die Türken Türken nennen und muss nicht türkische Mitbürger sagen, das ist ungewohnt. Die Menschen gehen bei Sonnenschein baden, auch wenn das Wasser so kalt ist, das man nicht überrascht wäre, wenn einem Eiswürfel entgegentreiben würden. Nach drei Stunden Sonnenschein ist dann aber auch das Wasser warm, nach drei Tagen Sonne kocht es vermutlich, aber das haben wir nicht erleben können, es hat einfach zu oft geregnet. In der Türkei gibt es eine Menge alter Ruinen aus der griechisch-römischen Zeit, und wo es die dummerweise nicht gibt, stellt man eben welche aus Plastik auf. Ich war in einem Ort, in dem alles Alte falsch war, Täuschung, Plastik, Attrappe. Die historische Stadtmauer hätte man abends einfach wegtragen können, reiner Kulissenzauber. Die Moschee hatte einen Turm mit aufgemalten Rissen im Kunststoffmauerwerk, am Rand des Brunnens im der Stadtmitte saßen Plastikschildkröten, die Touristen haben sie begeistert fotografiert und sie haben schön stillgehalten. Praktisch. Verkehrsregeln gelten in der Türkei eher nicht, das macht aber auch nichts, denn auf den Straßen fahren nur Reisebusse, die Fahrer kennen sich alle und tun sich daher nichts. Sie bremsen für Hunde und Katzen, denn sonst würde es bestimmt Ärger mit den Touristen geben. Türken sprechen deutsch, englisch, russisch, französisch und türkisch. Ein kleiner Junge fragt an der Theke nach Britzelwasser, da versagen die ansonsten wirklich phänomenalen Sprachkenntnisse des Personals, zufällig kann ich dolmetschen, Wasser mit Kohlensäure, das britzelt eben. Der nächste Gast nach mir bestellt Wasser, der Kellner fragt lächelnd: „Mit Britzel oder ohne?“
Türken beherrschen die seltene Kunst, sich von alten, dicken, sehr rotgesichtigen deutschen Touristen mit dialektlastiger Aussprache anbrüllen zu lassen, ohne dabei zu lachen, etwa wenn ein Ausflugsbus sträfliche zehn Minuten Verspätung hat, weil es vielleicht irgendwo einen kleinen Stau gab. Der deutsche All-inclusive-Tourist scheint überhaupt sehr gerne zu brüllen, wenn ihm irgendetwas nicht passt, daran ist man aber gewohnt und lächelt einfach weiter, wer mit deutschen Touristen arbeitet, der kann vermutlich seelisch etwas ab, vielleicht gibt es spezielle Lehrgänge dafür, in den Seminarzentren im Hinterland.
Türken können sehr gut kochen und bieten eine umwerfende Auswahl an Speisen an, was bei dem All-inclusive-Tourist zu einer spontanen und dramatischen Charakterverschlechterung führt. Völlerei, Habsucht, Neid, Gier – man muss am Büffet nur ein paar Minuten zusehen und verliert dann endgültig den Glauben an die Menschheit. Auf einem Tablett inmitten der schier grenzenlosen Auswahl liegen etwa hoch gestapelte Hühnerteile, Beine, Flügel, Brust, was der Vogel eben so hergibt. Der Tourist nimmt gleich drei Beine, die liegen gerade oben, an den Keulen ist schließlich am meisten dran und sie liegen doch genau vor ihm, kosten ja auch nichts extra, der Typ nach ihm kann die Flügelchen nehmen. Packt die Keulen auf seinen ohnehin gefährlich überladenen Teller, geht zu seinem Tisch zurück. Probiert einen Bissen Huhn, oh, falsch gewürzt, schmeckt zu türkisch – weg damit. Drei ungegessene Hühnerbeine für den Müll. Macht ja nichts, ist im Preis mit drin. Man sieht sich um, das Restaurant fasst 450 Menschen, alle schaufeln, kauen, raffen, mampfen, fressen. Alle nehmen erst Fleisch, alle rangeln um die besten Stücke. Dann anderes Eiweiß, dann Zucker, Gemüse und Salat nur unter ferner liefen. Man sieht die Resteteller an, die ganze Dörfer mühelos ernähren könnten. Berge von Lebensmitteln wandern in den Müll, man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ungetrunkener Wein, ungetrunkenes Bier, kipp weg, ist egal, in zehn Minuten holen wir einfach neu. Zuhause bei Lidl kaufen und fünf Cent sparen, hier bei jeder Mahlzeit für fünf Euro Müll produzieren. Oder zuhause im Bioladen jede Möhre liebevoll einzeln befühlen, hier das Turbokalbsfleisch pfundweise inhalieren. Nach dem Essen an die Bar, noch ein Bier oder auch fünf, und wo stehen eigentlich die Snacks, im Prospekt stand doch etwas von Snacks, und wenn man die nicht findet, kann man sich ja auch einfach einmal beschweren, beschweren ist immer gut, dass die bloß nicht glauben, sie könnten alles mit einem machen! Der türkische Barkeeper beugt sich vor und sagt plötzlich in gefährlichem Tonfall: „Ey, was guckstu!“ um sich gleich darauf vor Lachen gar nicht mehr einzukriegen, war nur Spaß, haha. Der Tourist steht vor ihm und grinst verbissen. Dann wiederholt er seine Frage nach den Snacks.
All-inclusive ist der Königsweg zu der Erkenntnis, dass der Mensch dumm ist, gefräßig, ignorant und arrogant. In den Büschen um das Restaurant herum eine Schneckenplage, Tausende von Schnecken mit kleinen unschönen Häuschen, die unentwegt das Laubwerk benagen, eine einzige Orgie, bis nichts mehr geht. Man geht mit sehr vollem Bauch vorbei, in beiden Händen ein Bier. Ab und zu knirscht es unter den Füßen.
Mai
Was das Lesen im Urlaub lehrt
by Maximilian Buddenbohm in
Wenn man nach zwei Tagen lustloser Lektüre in Max Frischs bedeutungsblubbernden Werken endlich zu dem strikt klar und geradeaus erzählenden Joseph Conrad übergeht, dann ist das in etwa so, als würde man nach zwei Litern lauwarmen Weihwassers endlich ein eiskaltes Jever trinken.
Mai
Kleine Pause
by Maximilian Buddenbohm in
Ich bin ab morgen vermutlich ein paar Tage lang dort, wo ich sonst nie bin, nämlich offline. Das Wochenhoroskop wird am Freitag natürlich dennoch in gewohnter Weise weiter im Westen erscheinen, die Welt wird sich vermutlich gänzlich ungerührt weiter drehen und spätestens zur nächsten Sonntagskolumne in den Lübecker Nachrichten wird es mich wieder Richtung online drängen. So cirka Ende nächster Woche also.
Bis bald.
Oh, und ein kleiner Hinweis noch: Wie man oben rechts sieht, gibt es bald wieder (Juni) ein neues Buch von mir, denn die familienbezogenen Texte aus dem Blog erscheinen noch einmal im Remix for print. Also die Fortsetzung von “Zwei, Drei, Vier – wie ich eine Familie wurde”. Jetzt überall vorbestellbar, gerne auch direkt bei mir, wenn es ein Exemplar mit Widmung sein soll. Ich beantworte Mails allerdings erst in ein paar Tagen, siehe oben.
Mai
Buddenbohm versus Gesundheitssystem
by Maximilian Buddenbohm in
Kassengebühr beim Kieferchirurgen: 10 Euro.
Der Chirurg kauft vor der Behandlung zwei meiner Bücher: 17,98 Euro.
Hey, ich führe mit 7,98! Im nächsten Schritt finde ich dann heraus, ob das für die Implantate reicht.
Mai
Reisezeit
by Maximilian Buddenbohm in
Der Urlaub naht bedrohlich, die Laune der Herzdame sinkt ebenso bedrohlich ins Bodenlose, denn wenn man in den Urlaub fährt, dann muss man packen. Packen ist für sie der ultimative Horror, denn Packen heißt in der Regel, ein paar Sachen nicht einzupacken. Und im Falle einer Flugreise muss man sogar ziemlich viele Sachen nicht einpacken. Ich brauche etwa 5 Minuten, um ein paar Kleidungsstücke und Bücher auf einen Haufen zu werfen und „fertig“ zu rufen, die Herzdame braucht dafür etwa 48 Stunden und zehn Telefonate mit der besten Freundin – und sie würde sie auch dann brauchen, wenn wir keine Kinder hätten, für die sie mitpackt.
Die Herzdame nähert sich userem Kleiderschrank, mit jedem Schritt senken sich die Mundwinkel weiter nach unten, eine bedrohlich wirkende Falte bildet sich auf der Stirn, eine Hand hebt sich zögernd zur Tür des Schrankes, fast ist er geöffnet – da fällt mir ein, wie ich ihr helfen kann, wie ich alles erleichtern kann, wie ich auch heute wieder eine gute Tat tun kann. Und ich verlasse die Wohnung, setze mich draußen irgendwo in den Schatten, trinke einen Kaffee und lese ein gutes Buch. Denn auch ich habe im Grunde ein gutes Herz und kann es mit ein wenig Mühe schaffen, die Herzdame nicht den ganzen Tag zu verspotten, nur weil sie drei Stunden lang hochkonzentriert über zwei T-Shirts in unterschiedlichen Farbnuancen nachdenken muss.
Na gut, ich versuche es zumindest.
Mai
Ein Mann mit Mission
by Maximilian Buddenbohm in
Ein Mann muss sich gelegentlich Herausforderungen stellen. Nicht nur irgendwelchen Herausforderungen, nein, großen Herausforderungen. Auch solchen, für die Frauen kein Verständnis haben, vielleicht aber auch gerade solchen. Manche besteigen, einem dumpfen Drang folgend, hohe Berge, gehen zur Großwildjagd oder fahren mit einer Harley quer durch Asien, reiten wilde Pferde zu, üben Klettern an Hochhäusern oder segeln um Kap Hoorn, es ist egal, was man wählt, das Muster ist immer gleich. Eine einsame, große Aufgabe. Der Mann erkennt instinktiv, wenn er vor so einer Herausforderung steht. Er wacht morgens auf und weiß, was er tun muss. „Ja aber“ fängt die Frau dann an. Man ignoriert es und geht stur seinen Weg, gegen jeden Widerstand, einfach, weil man muss.
Ich zum Beispiel versuche seit Wochen, das Rhabarberkompott meiner Großmutter nachzukochen. Ganz alleine, nur ich, die Küche und meine Erinnerung. Die Frau und die Kinder stehen vor der Tür und jammern, sie mögen keinen Rhabarber, sie wollen spielen, sie wollen ins Bett, was weiß ich, ich kann mich nicht um alles kümmern, ich habe hier eine Mission. Ich köchele vor mich hin, mit Apfelsaft oder Wasser, mit Puddingpulver oder nicht, mit den absurdesten Zutaten. Alles zerfallen lassen oder nicht, mit Erdbeeren oder ohne. Es ist ein weiter, einsamer Weg bis zum einzig richtigen Ergebnis und es muss viel Rhabarber bis dahin gegessen werden, denn den mag hier außer mir wirklich keiner. Ich esse alle Fehlversuche auf, wer Erfolg haben will, der muss eben leiden. Wenn ich mit neuem Rhabarber nach Hause komme, sieht die Frau mich klagend an. So werden andere Männer angesehen, wenn sie jeden Tag mit Schnaps nach Hause kommen, vermute ich. Wir entfremden uns zusehends, aber ich werde am Ende gewinnen.
Ein Mann muss eben tun, was ein Mann tun muss.
Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.
Mai
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.
Mai
Die Mohn-Methode
by Maximilian Buddenbohm in
Viele Eltern von zwei Kleinkindern sind nervlich zerrüttet, aus nachvollziehbaren Gründen. Der Nachwuchs beansprucht einen nonstop, die Nächte sind kurz oder extrem kurz, die Wohnung sieht aus wie ein Affenhaus und das Spielzeug und die Lebensmittel fliegen tief. In unserem kleinen Bahnhofsviertel laufen etliche Menschen herum, die besonders fertig aussehen, hier gilt die einfache Regel: hat der Mensch ein Kind dabei, ist es wahrscheinlich ein Elternteil, hat er kein Kind dabei, ist es wahrscheinlich ein Junkie. Auch ich war bis vor kurzer Zeit eher unentspannt, übermüdet und gestresst. Bis ich auf die Sache mit dem Mohn kam.
Wenn ich die Söhne morgens in den Kindergarten bringe, nehme ich Sohn II auf die Schultern, denn dann kann Sohn I in den Buggy. Das ist pädagogisch unklug, denn Sohn I ist zu groß für den Buggy und soll gefälligst selbst laufen, aber ich habe es morgens eilig und keine Zeit für besondere Klugheit. In den Intelligenzmodus wechsele ich erst später am Tag. Ich trage und schiebe die Kinder die Straße entlang, ich halte beim Bäcker und kaufe ein Mohnbrötchen. Das Brötchen wird geteilt, beide Kinder fangen an zu weinen, weil sie die falsche Hälfte bekommen. Ich reiche die Brötchenhälften so lange hin und her, bis beide zufrieden sind, der eine mümmelt dann im Buggy, der andere auf meinen Schultern. Die Tränen trocknen. Ich gebe die beiden im Kindergarten ab und hetze zur Arbeit. Ich mache meinen Computer an, ich lehne mich zurück. Ich nehme einen Schluck grauenvollen Bürokaffees und betaste meine Kopfhaut. Das ist ein seltsames und faszinierendes Gefühl, denn wenn ein Kind Mohnbrötchen über einem isst, dann krümelt das – und wie. Ich fummele mir die kleinen schwarzen Krümelkugeln aus dem Haar, es rieselt auf die Schreibtischplatte. Ich stupse sie an und lasse sie durcheinander rollen, sie stoßen sich wie beim Miniaturbillard an und kugeln zwischen Tastatur und Maus hin und her. In den wenigen Momenten, in denen es im Büro ganz still ist, höre ich sogar das ganz feine Klickern der kleinen Kugeln. Wenn zu viele über Bord gehen hole ich mir einfach Nachschub vom Kopf, der Vorrat reicht stundenlang. Ich verstehe jetzt, warum Schimpansen sich stundenlang lausen, es beruhigt einfach ungemein. Alle paar Millimeter haben die Finger etwas zu tun, ich versenke mich in die Kunst des kontemplativen Kratzens. Ich habe vor etwa zehn Jahren mit dem Rauchen aufgehört, aber erst jetzt weiß ich, wie ich meine Hände den ganzen Tag sinnvoll beschäftigen kann, während ich Telefonkonferenzen lausche oder auf Fehlermeldungen in Programmen starre. Mohn beruhigt, das weiß man, da hätte ich längst drauf kommen können, aber ich musste erst heiraten und zwei Kinder kriegen, um so dermaßen tiefenentspannt durch einen Bürotag zu kommen.
Wenn Sie nervös und fahrig sind, wenn Sie an Ihrer inneren Unruhe zu scheitern drohen – legen Sie sich doch einfach Kinder zu. Es dauert ein paar Jahre, aber es wirkt.
Mai
Am Morgen vorgelesen
by Maximilian Buddenbohm in
Ich: „…und dann kommen die Clowns in die Manege. Die mit den roten Nasen machen nur Dummheiten und ärgern die anderen Clowns…“
Sohn I: „Wie bei Männern und Frauen?“
Mai
Dialog auf einer Gartenparty
by Maximilian Buddenbohm in
Herzdame: „Soll ich dir einen Kaffee von drinnen mitbringen?“
Ich: „Ja, sehr gerne.“
Herzdame: „Wie trinkst du ihn?“
Ich: „Äh, ich bin dein Mann. Man könnte meinen, dass du weißt, wie ich Kaffee trinke.“
Herzdame: „Ach ja.“







