April, 2011 Archives

29
Apr

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

29
Apr

Eilmeldung

by Maximilian Buddenbohm in

Ich habe es heute morgen geschafft, Sohn II einfach so zum Kindergarten zu bringen, ohne dass er auch nur einen einzigen Wutanfall dabei bekam. In wenigen Minuten werde ich versuchen, ob ich jetzt auch über Wasser gehen kann.

27
Apr

Terminerinnerung

by Maximilian Buddenbohm in

Tirili 2011

24
Apr

Das Duell

by Maximilian Buddenbohm in

Ich hole die Söhne vom Kindergarten ab und bin etwas zu früh, die Kinder essen noch. Ich setze mich auf die Treppe vor dem Haus und sehe den Passanten zu, die zwischen Mittagstisch und Büro hin und hereilen. Ein kleiner Junge setzt sich zu  mir, wahrscheinlich aus dem Vorschulbereich. Er sitzt zwei Stufen über mir, er ist noch klein, aber er versucht dennoch sehr bemüht, auf mich herabzusehen. Er wirft mir einen langen prüfenden Blick zu und sagt dann betont und langsam: „Mein Papa ist Zahnarzt.“ Er sagt es in selbstbewusstem Tonfall, er weiß natürlich, dass die Ansage kaum zu schlagen ist. Ich überlege kurz, welche zwei, drei Berufsbezeichnungen auf mich gerade zutreffen, dann verwerfe ich den Gedanken, auf gleicher Ebene zu antworten aber doch lieber wieder. Ich habe beruflich einfach nichts parat, was einen etwa Fünfjährigen beeindrucken würde. Ich reite keine Drachen zu und regiere keine Fürstentümer, ich bin nicht einmal Feuerwehrmann. Ich bleibe dennoch gelassen. Ruhig gönne ich ihm ein paar Sekunden das herablassende Grinsen, dann erst folgt das schwerste Geschütz aus meinem Repertoire der Supermannutensilien. Es ist ein wenig gemein, aber das Kind hat es nicht anders verdient. Schon dieser Blick! „Und ich“, sage ich und hebe meine Augenbrauen dezent an, „ich bin selber Papa.“ Der Junge guckt verblüfft. Dann denkt er nach. Er sieht auf seine Schuhspitzen, er sortiert emsig Steinchen. Dann gibt er endlich auf, zuckt mit den Schultern, wirft mit einen ganz kurzen, fast schon freundlichen Blick zu und sagt anerkennend: „Okay. Das ist auch sehr gut.“

Ich habe lange genug auf der Treppe gesessen, ich kann jetzt endlich reingehen und die Söhne holen. Ich gehe gerade und mit federndem Schritt, jeder Zentimeter ein Siegertyp.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.


22
Apr

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online.  In guter Tradition mit besonders wertvollen Hinweisen für den Tanz in den Mai.

20
Apr

Kulturgeschichtlicher Vergleich

by Maximilian Buddenbohm in

Irgendwann in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts:

Meine Mutter: „Deine Schuhe sind kaputt, ich kauf Dir in der Stadt mal  ein neues Paar.“

Ich: „Oh toll, Stadt, bringst du mir Schokolade mit?“

Gestern:

Sohn I: „Meine Schuhe sind kaputt.“

Ich: „ Hm? Wirklich?“

Sohn I: „Ja, meine Schuhe sind sehr kaputt. Bestellst du mir ein neues Paar?“

Ich: „Ja, mal sehen.“

Sohn I: „Jetzt gleich? Am Computer? Und kann ich dann was auf Youtube sehen?“

19
Apr

Terminerinnerung

by Maximilian Buddenbohm in

Ostern im Heimatdorf.  Natürlich mit der Osterfeuergeschichte.

15
Apr

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

13
Apr

Pädagogische Feinheiten

by Maximilian Buddenbohm in

Im Kindergarten der Söhne wurde ein neues pädagogisches Programm eingeführt, „Papilio“. Ich habe mich bisher kaum mit dem Inhalt beschäftigt, aber es geht darin jedenfalls um Sucht- und Gewaltprävention. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist der entscheidende Aspekt, dass den Kindern vermittelt wird, wie man über Gefühle reden kann. Zu diesem Zweck werden Figuren vorgestellt, kleine niedliche Kobolde, die für Gefühle stehen. Es gibt zum Beispiel den Freudibold, der also, wie man unschwer raten kann, ein glückliches Kind, bzw. dessen Stimmung darstellen soll. Weiter gibt es den Zornibold, der für eine aggressive Laune steht, den Heulibold für die traurige Stimmung und den Bibberbold für die Angst. Wir haben schon gemerkt, dass dieses Programm bei den Kindern bestens ankommt, denn wenn man einen der Kleinen jetzt spaßeshalber Zornibold nennt, wird er auf der Stelle richtig sauer, um nicht zu sagen gewaltbereit. Das mag nicht im Sinne der Erfinder sein, aber es funktioniert. Kinder sind pragmatisch. In der Gruppe müssen sie mit den Erzieherinnen lange diskutieren und rollenspielen, wie man dem armen Heulibold denn wieder friedlich zu einer besseren Stimmung verhelfen kann, aber sobald sie das Umfeld der Erzieherinnen verlassen, wird der Begriff einfach umgehend auf die Schmähung reduziert. Das Erheiternde an Pädagogen ist ja immer, dass sie glauben, den Kindern voraus zu sein.

Die Herzdame und ich brachten die Söhne ins Bett, in dem einen Fall gegen erheblichen Widerstand, in dem anderen Fall nicht. „So“, sagte ich, als alles erfolgreich vollendet war, „Zornibold und Freudibold sind im Bett, wir können wohl wieder an die Schreibtische.“ Die Herzdame lauschte noch an der Kinderzimmertür und fragte mich flüsternd, ob der Zornibold sich nicht gerade in einen Heulibold verwandelt hätte, aber es blieb dann nach einer Weile doch still im Kinderzimmer. Dann stellten wir beide fest, dass es wirklich furchtbar sei, wie sich solche Programme auf den sprachlichen Alltag auswirken können. „Das ist die Pest“, sagte die Herzdame, „wir müssen diese Begriffe schnellstens wieder loswerden, man macht sich sonst noch lächerlich, wenn man sie auf der Straße benutzt. Oder beim Bäcker.“ „Genau“, sagte ich, „das geht so nicht. Was hat dieser Pädagogenslang überhaupt in unserer Wohnung verloren? Der gehört in den Kindergarten und sonst nirgendwo hin!“ Und wir nahmen uns fest vor, diese unseligen Begriffe wieder aus unseren Gesprächen zu streichen. Die Herzdame nickte entschlossen, denn wo ein Wille ist, ist auch eine Wortvermeidung. Man schafft es zum Beispiel doch auch, explizit unanständige Formulierungen nicht vor den Kindern zu benutzen. Manchmal jedenfalls. Auch in der Sprache des Alltags treffen wir täglich Entscheidungen und es ist gut und empfehlenswert, ab und zu darüber nachzudenken, was man so von sich gibt, besonders natürlich, wenn man mit der Sprache arbeitet, so wie ich. Es heißt ja auch Sprachschatz und nicht Sprachhaufen. „Schön“, sagte ich und nahm sie in die Arme. „Jetzt, wo wir das geklärt haben, können wir das Thema ja abhaken, wieder wie Erwachsene reden und in Frieden arbeiten. „ Sie gab mir einen Kuss und ging an ihren Schreibtisch. „Und übrigens“, rief ich ihr nach, „wenn Du heute nicht zu lange am Schreibtisch sitzt, kannst du dich nachher im Bett noch mit Kraulibold treffen.“ Ich sah sie erwartungsfroh an.

Bei guter Führung, sagte sie heute, darf ich bald wieder im Ehebett schlafen.


11
Apr

Geschichtsphilosophischer Exkurs

by Maximilian Buddenbohm in

Sohn I: „Wer ist das da denn?“
Ich: „Das ist Bismarck. Also genaugenommen ein Bismarck-Denkmal.“
Sohn I: „Und wer ist Bismarck?“
Ich: „Der hat Deutschland vor ziemlich langer Zeit mal regiert.“
Sohn I: „Auch Hamburg?“
Ich: „Ja, sogar auch Hamburg.“
Sohn I: „Aber jetzt ist er schon tot, was?“
Ich: „Ja.“
Sohn I: „Dann hat es ihm ja auch nichts genützt.“

10
Apr

Mein Weg aus der Leistungsgesellschaft

by Maximilian Buddenbohm in

Draußen lockt der lichte Frühling, ich aber sitze drinnen am Schreibtisch und hangele mich von Projekt zu Projekt. Hier ein Meeting, da eine Präsentation, dann eine Schulung, eine Abgabe, eine Deadline, ein Termin. Immer alles zu mir, passt schon. Von draußen höre ich Vogelsang und Kinderlachen, drinnen klingelt das Telefon, es könnte wichtig sein – es ist wichtig. Ich rede über Zahlen, über Geschäfte, über Konzepte. Ich renne gestikulierend um den Schreibtisch, ich sage ein Timing zu, von dem ich weiß, dass es mich in den Bereich des Unmöglichen bringen wird. Von nichts kommt nichts, höre ich meine Vorfahren murmeln, irgendeinen Sinn muss die hanseatische Abstammung ja haben. Ich setze mich wieder an den PC, ich starre auf den Kalender und die To-do-Liste und schüttele dann den Kopf. Nein, so geht es nicht weiter, denke ich dann, etwas muss anders werden. Und zwar sofort. Jetzt. Ich gehe runter auf den Spielplatz, ich brauche eine Pause. Ich muss raus aus dem Leistungswahn, aus dem irren Streben nach mehr von allem, mehr Ergebnis, mehr Geschwindigkeit, mehr Arbeit. Zwei Babys sitzen im Sandkasten und mümmeln gelassen sandige Apfelteile. Sie gucken in den Himmel und machen schmatzende Geräusche, sonst nichts. Ich sehe ihnen zu, ich versuche, mich an Freizeit zu erinnern, an Entspannung, an Nichtstun, an Nichtswollen. Ich setze mich auf eine Schaukel und pfeife mir ein Liedchen, ich winke den Babys zu und grinse mit ihnen um die Wette. Ist doch ganz einfach, dem Leistungswahn kurz mal zu entsagen, und einfach nur da zu sein. Ganz ohne Anstrengung.

Ein kleines Mädchen stellt sich neben mich und sieht mir eine Weile zu. Dann sagt sie: „Das kannst du aber nicht so gut, das mit dem Schaukeln. Soll ich dir mal zeigen, wie das richtig geht? Weil nämlich, das kann man viel besser machen.“

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.

8
Apr

Man kann mich wieder kaufen

by Maximilian Buddenbohm in

Nämlich im nächstbesten Buchladen.  So etwa ab Montag dürfte das Buch überall erhältlich sein.  Geschichten über Mütter, Väter und Kinder – herausgegeben von Kerstin Gier, mit Beiträgen von Henrike Heiland, Hanna Dietz, Birgit Fuchs, Steffi von Wolff, Jana Voosen, Gabriella Engelmann, Dagmar Hansen, Eva Völler, Heide John, Ann Hertz, Andrea Koßmann, Britt Reißmann, Matthias Sachau – und von mir.  Die optimale Spielplatzlektüre!

8
Apr

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

5
Apr

Ein kleiner Moment

by Maximilian Buddenbohm in

Das Kinderturnen ist vorbei, das Licht in der Turnhalle geht aus. Die ersten Kleinen sind schon wieder umgezogen und entfliehen den entnervten Müttern, die noch fluchend in der Umkleidekabine sitzen und wirr durcheinanderfliegende Kleidungsstücke zu entwirren versuchen, ausgelaufene Saftflaschen wieder verschließen, Kekskrümel auflesen und Kinderwagen bepacken oder Babys wickeln.  Die angezogenen Kinder rennen ungeduldig zur Tür, sie wollen jetzt raus, sofort. Sie drücken mit vereinten Kräften dagegen, die Tür fliegt krachend auf, ein wilder Pulk stürmt kreischend und lachend die paar Stufen runter auf den Schulhof, ein Knäuel  wirbelnder Kleinkinder mit offenen Jacken, nicht gebundenen Schnürsenkeln und sehr schief aufgesetzten Mützen. Abrupt bleiben sie alle vor dem Kirschbaum stehen, der schlagartig  aufgeblüht ist und in voller Pracht da steht, eine unerwartete Frühlingsorgie in sattem Rosa. Die Kinder stehen für eine Sekunde mit offenem Mund, dann rennen sie zum Baum. Ohne jede erkennbare Absprache zerfällt der Kinderhaufen spontan in zwei Teile. Die Mädchen pflücken Blüten von den Zweigen, stecken sie sich ins Haar, bestaunen sich kichernd, drehen sich voreinander um und säuseln in den höchsten Tönen, man versteht Begriffe  wie etwa „Prinzessin“ „Zauberschmuck“ und „Schön“ und „Wunderwunderschön“.

Die Jungs haben den Baum gar nicht erreicht, sie sind vorher bei dem großen, eisernen Mülleimer stehengeblieben, der neben der Kirsche an das Schulhofgeländer gekettet ist. Sie treten den Eimer johlend um, rasseln mit der Kette, suchen im verstreuten Inhalt nach essbaren Resten, treten Verpackungen über den Hof und bewerfen sich schreiend mit angenagten Äpfeln. Man versteht Begriffe wie „Abschießen“, Beute“ und „Kanonen“ und „Piraten“.

3
Apr

Belehrung

by Maximilian Buddenbohm in

Sohn I: „Und dann haben wir Fußball gespielt und wir hatten zwei Töre und…“

Ich: „Tore. Das heißt Tore.“

Sohn I: „Nein, das heißt Töre, das sagen alle.“

Ich: „Ganz sicher nicht. Es heißt Tore.“

Sohn I: „Was weißt du denn von Fußball?“