März, 2011 Archives

11
Mrz

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Westerhever

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop online. Viel Spaß.

8
Mrz

Nachwuchserzähler

by Maximilian Buddenbohm in

Sohn I: „Papa, soll ich dir mal was vorlesen?“

Ich: „Ja, sehr gute Idee, mach mal.“

Sohn I: „Ich hab hier ein Buch ohne Text, nur mit Bilders.“

Ich: „Dann gibt es ja nicht viel vorzulesen.“

Sohn I: „Doch, das macht nichts, dass da kein Text ist. Weil nämlich, Text kann man ja auch selber machen. Hör zu. Hörst du zu? Also. Es war einmal ein kleiner Junge, der lebte in einem Bahnhof…“

Aus unerfindlichen Gründen fangen seine Geschichten immer mit einem kleinen Jungen an, der in einem Bahnhof lebt – vielleicht leben wir doch etwas zu dicht am Hamburger Hauptbahnhof. Der Sohn zeigt mit dem Finger auf die Bilder, blättert, gestikuliert und erzählt und erzählt. Seine Geschichten verwirren sich nach zwei, drei Sätzen ins Surreale oder auch Dadaistische und verlassen schon nach wenigen Sekunden die Zonen auch nur ansatzweise geregelter Grammatik, aber es sind doch Geschichten mit dramatischen Höhepunkten, wenn mir diese auch leider rätselhaft bleiben. Ich erkenne sie nur an der bebenden Begeisterung des Kindes bei bestimmt Passagen seiner wilden Wortfolge. Am Ende jedenfalls, das versteht man dann wieder sehr gut,  klappt er das Buch mit einem Knall zu und sagt strahlend: „Fertig.“ Erzählen macht Spaß, man sieht es ihm an.

Neulich hab ich ihm erzählt, dass ich mir auch gerne Text ausdenke und manchmal sogar Geld dafür bekomme, wenn ich das dann anderen vorlese. Er hat sich kaputtgelacht.

7
Mrz

Das Wetter der letzten Woche in Bremerhaven

by Maximilian Buddenbohm in

Wir waren übers Wochenende im Heimatdorf, denn ab und zu müssen die Söhne ja nachsehen, was die Kühe in dem Stall des Milchbauern hinten an der Landstraße machen und ob da nicht vielleicht neue Kälbchen sind. Wir standen bei den Großeltern auf dem Hof, die Sonne schien, es gab zum ersten Mal in diesem Jahr Kaffee draußen. Die Winterjacken noch bis zum Kinn geschlossen, die Mützen auf dem Kopf aber Sonne auf der Torte, da wird so ein Nachmittag gleich wieder interessanter. Blauer Himmel über Nordostwestfalen, Knospen an den Forsythien, zeternde Amseln auf dem Dach. Keine Baustelle nebenan, kein Presslufthammer, kein Abrissbagger.

Uroma erzählte mir, wie das Wetter der letzten Woche in Bremerhaven war, es dauerte eine Weile, bis ich verstand, worum es eigentlich ging. Sie hatte mit der weiteren Verwandtschaft in Bremerhaven telefoniert, dabei wurde mangels anderer Themen minutiös das Wetter der vergangenen Tage erörtert, das musste sie mir jetzt unbedingt erzählen, warum auch immer. Ich kenne keinen Menschen in Bremerhaven, genau genommen fällt mir zu Bremerhaven so ziemlich gar nichts ein und wie ich hörte, war das Wetter da auch nicht gerade spannend, eher grau und eintönig, kein Regen, aber auch keine Sonne, nicht sehr warm, aber auch nicht richtig kalt. Ich kann mir kaum ein langweiligeres Thema als das Wetter der letzten Woche in Bremerhaven vorstellen, dachte ich.

Oma schnitt weitere Stücke der selbstgebackenen Torte ab. Opa, Uropa und ich tranken ein Bier. Die Söhne fuhren mit Fahrrad und Bobbycar um den Kaffeetisch herum und angelten nach Proviant für die weiteren Erkundungsfahrten über den Hof und durch den noch kahlen Garten.

Ich kann mir kaum ein entspannenderes Thema als das Wetter der letzten Woche in Bremerhaven vorstellen, dachte ich, lehnte mich zurück und sah der alten Katze zu, die ihr Revier durchstreifte und dabei stoisch den jungen Hund ignorierte, der gerne mit ihr Fangen gespielt hätte.

Doch, ab und zu sollte man aufs Land fahren, keine Frage.

4
Mrz

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Sprinkenhof

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

1
Mrz

Lobpreisung

by Maximilian Buddenbohm in

Menschen ohne Kinder werden es kaum nachvollziehen können – aber es ist so eine ungeheuer wohltuende Erfahrung, wenn man nach Hunderten von schlecht bis idiotisch gereimten Bilderbüchern, deren Sprachrhythmus oft eine reine Kränkung, deren Versmaß eine Beleidigung für jeden Menschen mit Gehör und deren Wortwahl eine reine Verzweiflungstat gänzlich hilfloser Texter ist, die man nicht einmal Autoren nennen mag und denen man ein paar Tüten mit Scrabble-Steinchen hinschieben möchte, damit es beim nächsten Mal vielleicht besser gelingt, was sie sich erfrecht haben zu versuchen. es ist so eine ungeheuerliche, befreiende und berauschende Wohltat, wenn man nach all diesem erbärmlichen Sprachschrott, mit dem Kleinkinder bis etwa drei Jahre so gerne behelligt werden, als ob Dichtung für Kleine Dichtung für Arme wäre, wenn man also endlich, endlich in Frieden zu Wilhelm Busch übergehen kann und man förmlich sieht, wie es im Nachwuchs Klick macht und ein anständiger Reim schlagartig verstanden und grinsend wiederholt wird. Weil es Spaß macht. Himmel, ist das schön. Und da wundert man sich fast gar nicht mehr, dass Sohn I zum allerersten Mal überhaupt fragt, wer das Buch geschrieben hat und dann anerkennend wiederholt: „Wilhelm Busch. Gut. Das wollen wir immer und immer wieder lesen.“

Man möchte auf der Stelle an das Grab von Wilhelm Busch fahren und, den Sohn an der Hand, ein Blümchen ablegen und leise mit Blick auf den kleinen begeisterten Nachwuchsleser zum Meister sagen: „Gucken sie mal – noch eine Generation.“