Männerabend

Die Herzdame möchte mit einer Freundin ausgehen, ich bleibe zuhause und bringe die Kinder ins Bett, wir wechseln uns hier selbstverständlich mit allem ab. Während die Kinder ihr Zimmer unter infernalischem Lärm  zerlegen, kratze ich die Reste des Abendessens von der Tapete und trage unfassbar eingesautes Geschirr in die Küche. Es ist nicht immer nur die reine Freude, zwei Kleinkinder zu haben. Die Freundin der Herzdame wartet in der Tür, die Herzdame wirft sich die Jacke über und will endlich gehen. „Der Geschirrspüler ist eben fertig geworden“ sagt sie ohne jeden ersichtlichen Grund. „Ja, ja“ sage ich, da ich nicht weiß, warum mich das jetzt interessieren sollte, ich bin beschäftigt. Die Freundin der Herzdame sieht meinen Blick, fasst mich an der Schulter und sagt in einem seltsam mütterlichen Tonfall: „Deine Frau meint, du sollst da jetzt nichts Dreckiges reinstellen. Das Saubere muss erst raus.“ Merkwürdig, denke ich,  wie oft Frauen meinen, ihre Betreuung auch auf andere Männer als den eigenen ausweiten zu können. Ich sehe sie pikiert an: „Das habe ich verstanden. Ich verstehe meine Frau überhaupt ganz gut. Aber danke für deinen Einsatz.“ Die Freundin und die Herzdame ziehen ab, ich stehe im Türrahmen und frage mich immer noch, wieso alle Frauen meinen, einen weltweit wirksamen Erziehungsauftrag zu haben. Eigentlich ungeheuerlich, diese Einmischung. Ich sage ihr ja auch nicht, wie sie ihr Leben zu führen hat. Die Frauen winken, ich höre gerade noch wie die Freundin leise sagt: „Ich glaube, er hat es verstanden.“ Ich schließe kopfschüttelnd die Tür und gehe in Deckung, weil die Söhne sich gerade mit Lego bewerfen und ich in der Kampfzone stehe.

„Männerabend“, sage ich den Jungs, die mich in einer Gefechtspause erwartungsvoll ansehen. „Aber erst räume ich das dreckiges Geschirr wieder aus der Maschine. Gibt sonst Ärger.“

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.

5 comments

  1. Steffi

    Bei einem Freund von mir hatte sich zwischen ihm und seinem Sohn bei „Heute machen wir Männerabend und laden uns ein paar heiße Miezen ein!“ eingebürgert. Als der Kleine das im Kindergarten kundtat, griff die volle Frauensolidarität und die Erzieherinnen setzten die Kindesmutter ins Bilde. Also: Obacht ist geboten!

  2. Hagen Bauer

    womit auch mal wieder bewiesen wäre das nur Männer eine Spülmaschine richtig voll kriegen. Wie sonst hätte man in eine gerade fertige Spülmaschine noch mit weiterem dreckigen Geschirr füllen können. 😉

  3. Papi

    Ich kann mich Hagen Bauer nur anschließen.
    Frauen schaffen das gelegentlich auch – nur kommt dann anschließend die Bitte:
    Kannst Du mal nach der Spülmaschine sehen, die hat wieder nur die Hälfte sauber gespült….

  4. Kate

    Köstlich! Kommt mir sehr bekannt vor, ich meine damit das dreckige Geschirr was ER gerade ins saubere einräumt! :)

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