Wir waren übers Wochenende im Heimatdorf, denn ab und zu müssen die Söhne ja nachsehen, was die Kühe in dem Stall des Milchbauern hinten an der Landstraße machen und ob da nicht vielleicht neue Kälbchen sind. Wir standen bei den Großeltern auf dem Hof, die Sonne schien, es gab zum ersten Mal in diesem Jahr Kaffee draußen. Die Winterjacken noch bis zum Kinn geschlossen, die Mützen auf dem Kopf aber Sonne auf der Torte, da wird so ein Nachmittag gleich wieder interessanter. Blauer Himmel über Nordostwestfalen, Knospen an den Forsythien, zeternde Amseln auf dem Dach. Keine Baustelle nebenan, kein Presslufthammer, kein Abrissbagger.

Uroma erzählte mir, wie das Wetter der letzten Woche in Bremerhaven war, es dauerte eine Weile, bis ich verstand, worum es eigentlich ging. Sie hatte mit der weiteren Verwandtschaft in Bremerhaven telefoniert, dabei wurde mangels anderer Themen minutiös das Wetter der vergangenen Tage erörtert, das musste sie mir jetzt unbedingt erzählen, warum auch immer. Ich kenne keinen Menschen in Bremerhaven, genau genommen fällt mir zu Bremerhaven so ziemlich gar nichts ein und wie ich hörte, war das Wetter da auch nicht gerade spannend, eher grau und eintönig, kein Regen, aber auch keine Sonne, nicht sehr warm, aber auch nicht richtig kalt. Ich kann mir kaum ein langweiligeres Thema als das Wetter der letzten Woche in Bremerhaven vorstellen, dachte ich.

Oma schnitt weitere Stücke der selbstgebackenen Torte ab. Opa, Uropa und ich tranken ein Bier. Die Söhne fuhren mit Fahrrad und Bobbycar um den Kaffeetisch herum und angelten nach Proviant für die weiteren Erkundungsfahrten über den Hof und durch den noch kahlen Garten.

Ich kann mir kaum ein entspannenderes Thema als das Wetter der letzten Woche in Bremerhaven vorstellen, dachte ich, lehnte mich zurück und sah der alten Katze zu, die ihr Revier durchstreifte und dabei stoisch den jungen Hund ignorierte, der gerne mit ihr Fangen gespielt hätte.

Doch, ab und zu sollte man aufs Land fahren, keine Frage.

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