März, 2011 Archives

31
Mrz

Ein wenig Zauberei

by Maximilian Buddenbohm in

Ich hätte es besser wissen können, aber man wird ja leider nicht immer aus Erfahrung klug. Manchmal weigert man sich trotzig, simple Zusammenhänge zu lernen und muss daher vom Leben immer wieder darauf hingewiesen zu werden, wie man sich zu benehmen hat. Man verhält sich im Grunde nicht anders als ein Kleinkind, nur auf etwas anderem Niveau. Ich hatte also schon gestern, als ich in diesem Eintrag hier den Satz „Ich erlebe ja nichts“ schrieb, ein seltsames Gefühl, dachte aber gar nicht daran, auf dieses Gefühl zu achten. Ich erinnerte mich nur dunkel einen Moment daran, dass ich diesen Satz vor Jahren schon einmal geschrieben hatte, das war an dem Tag, bevor ich in der Alster eine Wasserleiche fand. Aber egal, dachte ich, das war natürlich nur ein alberner Zufall damals, so etwas wiederholt sich ja nicht, das wäre nun wirklich an den Haaren herbeigezogen. Ich schrieb den Satz, ich veröffentlichte den Beitrag. Spielte mit den Kindern, machte Abendessen, diskutierte mit der Herzdame die Weltlage, brachte die Kleinen zu Bett, setzte mich an meinen Schreibtisch, machte das aktuelle Manuskript auf. Alles wie immer. Nur roch es etwas komisch in der Wohnung. Ich ging ein wenig herum, witterte in den Zimmern nach einer Erklärung, fand aber nichts. Setzte mich wieder hin, schrieb einen Satz. Dann fand ich, es roch doch irgendwie sehr verbrannt und ging noch einmal in die Küche, um nachzusehen, ob der Herd vielleicht noch an war.  Der Herd war aus, aber der Geruch schien bei genauer Prüfung vom Fenster her zu kommen. Ich machte das Fenster auf – und dann kam diese Nummer, die man aus Film und Fernsehen kennt: Die Feuerwehr anrufen, das Treppenhaus auf Rauch überprüfen, nebenbei schon einmal etwas mehr als den Schlafanzug anziehen, mit der Herzdame die beiden Kinder aus den Betten reißen, den mehr oder weniger schlafenden und ganz und gar nicht willigen Söhnen hektisch etwas Warmes anziehen – eine verblüffend schwierige Übung übrigens – , selbst nach einer Jacke greifen, ein, zwei  extrem wichtige Dinge einsammeln und schnell die Wohnung verlassen. Den Fahrstuhl ignorieren und nach unten hasten, die heranrasende Feuerwehr einweisen und gebannt nach oben sehen, wo aus der Wohnung unter unserer Rauch kommt. Ziemlich viel Rauch. Die Feuerwehr fährt Leitern aus, bricht die Wohnung auf, die Balkontür zerklirrt, Schläuche werden durch das Treppenhaus gelegt, Wasser kommt von oben, ich höre nebenbei die Rufe des Einsatzleiters mit – immerhin ist die Nachbarin nicht da, liegt also nicht mit Rauchvergiftung herum. Essen auf dem Herd gelassen, irgendetwas stand daneben, der Klassiker.  Das Feuer wird schnell gelöscht, die Fachleute sagen nach Prüfung zu unserer Erleichterung, dass wir sogar wieder in die Wohnung können. Sohn I ist kaum von der Feuerwehr zu lösen, er starrt mit offenem Mund und sichtlich angetan auf die Vorgänge, Sohn II sitzt entspannt in seinem Buggy und lächelt satt und müde vor sich hin. Die zwei einzigen extrem wichtigen Dinge, die wir spontan gerettet hatten, waren seine beiden Kuschelhasen, die er jetzt versonnen drückt, man muss eben wissen, was wirklich wichtig ist. Wir diskutieren noch etwas mit den herumstehenden Nachbarn, ich sage, das ist ja wirklich unglaublich hier, neulich der Wasserschaden, seit Wochen der Abriss nebenan, dann der Einbruch im Keller, jetzt ein Feuerchen, fehlen eigentlich nur noch Schädlinge, dann haben wir hier alles durch. Die Nachbarn lachen und schütteln den Kopf.

Heute nachmittag kam ich von der Arbeit, die Herzdame stand gerade auf dem Balkon. „Guck mal“, sagte sie, „wie süß. Ein Mäusenest. Vier Stück!“

30
Mrz

Woanders

by Maximilian Buddenbohm in

Ich erlebe ja nix, aber andere, andere haben ein aufregendes Leben. Herr Driesen zum Beispiel geht einkaufen, Nessy auch, Frau Frische Brise fährt nach Travemünde, und Isa verzockt sogar Hab und Gut. Lauter Actionhelden.

29
Mrz

Übrigens

by Maximilian Buddenbohm in

29
Mrz

Veranstaltungshinweis – mit Geschenk

by Maximilian Buddenbohm in

Noch einmal zur Erinnerung – ich lese nächste Woche – am 07.04. um 19 Uhr – im Rahmen der Hamburger Lesetage auf der Cap San Diego (Überseebrücke) aus „Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein“ . Eintritt 7 Euro, Karten kann man auch online kaufen, zum Beispiel hier.

Und wenn jemand da hin möchte, auch Zeit hat und an einer Freikarte interessiert sind – bitte kommentieren Sie jetzt, der erste Kommentar gewinnt. Näheres dann per Mail.

28
Mrz

Osterlesung im Heimatdorf

by Maximilian Buddenbohm in

Wenn Schwiegermutter einlädt, kann ich natürlich nicht nein sagen, das hätte womöglich entsetzliche Folgen, wer weiß, es könnte ein Spargelessen ausfallen oder noch Schlimmeres. Ich lese also im Heimatdorf Petershagen-Friedewalde, in Schwiegermutters Geschenkeladen (man kann natürlich auch Schnaps kaufen). Geschichten aus dem Heimatdorf, aus Travemünde und aus Hamburg. Quasi Multikulti! Ich freue mich sehr auf meine nordostwestfälischen Leser. Und lasse bei der Geschichte vom Osterfeuer vielleicht aus Sicherheitsgründen ein paar Schmähungen des Ortes weg, Sie wissen schon.

27
Mrz

Fastenzeit

by Maximilian Buddenbohm in

Sieben Wochen ohne, das habe ich immer für eine absurde Idee gehalten. Bis ich merkte, dass mir kein Anzug mehr passte und ich eine lange Konferenz mit eingezogenem Bauch überstehen musste. Den Abdruck der Gürtelschnalle konnte man lange sehen, ein rotes Mahnmal des allzu nahrhaften Alltags. Na gut, essen wir eben sieben Woche keine Schokolade. Alles andere schon, nur keine Schokolade, das kann man sicherlich schaffen. Der erste Tag ist gar kein Problem, der zweite geht ganz leicht, der dritte Tag ist ein Kinderspiel, wo ist denn eigentlich die Herausforderung?  Das kann jeder, das ist überhaupt nicht schwer. Am vierten Tag fahren wir nach Helgoland. Durchatmen in bester Luft, Spaziergänge auf dem Oberland, Sonne und Wind, man fühlt sich gleich gesünder und besser durchlüftet. Endlich den Rücken gerade machen und durchatmen. Plötzlich passt viel mehr Luft in mich hinein, ich spüre es bei jedem Atemzug.  Allerdings werde ich das seltsame Gefühl nicht los, dass auch mehr Essen in mich hineinpasst. Auf dem Weg zurück zum Hotel kommen wir an der zollfreien Einkaufsmeile vorbei und eine innere Stimme sagt ganz deutlich zu mir: „Los, kauf mir 500 Gramm Toblerone. Jetzt.“

Ich bleibe vor dem Laden stehen, in dem sich die Schokolade in großen Paketen im Schaufenster stapelt, und plötzlich weiß ich, dass ein Leben ohne Schokolade sinnlos ist. Wie aber erkläre ich das der Herzdame, die das Fasten sicher länger durchhält als ich? Ich sage ihr einfach die Wahrheit, beschließe ich, nämlich dass ich eine innere Stimme gehört hätte und kurz in den Laden müsse, um eine Kleinigkeit zu besorgen. Es sei quasi eine göttliche Eingebung. Soll sie mich für verrückt halten, das ist mir egal, das tut sie eh seit Jahren, darauf kommt es jetzt nicht mehr an. Ich kann jetzt nicht diskutieren, ich muss in den Laden, mein Leben hängt davon ab, ich spüre es deutlich. Ich lege mir die Worte zurecht und erkläre die Lage.

Die Herzdame fragt, wieso ich ihre klare Anweisung als meine innere Stimme bezeichnen würde, und ob ich bald mal starten könne, sie würde es sonst nicht mehr lange aushalten.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.

26
Mrz

Gute Nacht

by Maximilian Buddenbohm in

(Hamburg Sankt Georg, Hansaplatz. Ein paar Meter neben dem Straßenstrich, in letzter Zeit bekannt für Menschenhandel und Zwangsprostitution mit Frauen aus Südosteuropa .)

25
Mrz

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online.  Viel Spaß.

21
Mrz

Danke

by Maximilian Buddenbohm in

Und auf Helgoland waren wir dann mit einem Schwarm seltsamer Schnapsdrosseln mit der besten Blogger-Reisegruppe,die sich nur denken lässt, in einem absolut sehenswerten Hotel, dem für den Sonderpreis noch einmal ausdrücklich zu danken ist. Und ich danke Gruppe, Insel und Hotel einfach mit diesem Herz, gefunden auf dem noch geschlossenen Minigolfplatz der Insel, auf dem freundlicherweise ein herrenloser Ball im Gebüsch lag, so dass Sohn I mit seinem roten Kinderspaten als Schläger verblüffend ambitioniert ordentlich was einlochen konnte, nach dem Sohn II die Bahnen getrocknet hatte, in dem er ausdauernd durch die Pfützen robbte. Und das war dann auch noch super, wie eigentlich alles. Sagt Sohn I, der immer und immer wieder nach Helgoland möchte. Und das Kind hat Recht.

Mehr zu der Reise auch drüben bei Isa und bei Little Jamie und bei Sven und bei Extramittel..

21
Mrz

Reif für die Insel

by Maximilian Buddenbohm in

Ein Ausflug nach Helgoland, kurz mal raus, das soll ja gut tun. Theoretisch. Praktisch haben wir zwei Kinder und kein Auto dabei, auf Helgoland gibt es nämlich gar keine Autos. Das Gepäck für alle vier Buddenbohms muss also in zwei Rucksäcke passen, was in etwa so einfach ist, wie zehn Kästen Bier in eine Hotelminibar zu stapeln, um es einmal besonders nachvollziehbar auszudrücken. Die Herzdame türmt Berge von Kleidung vor sich aufs Bett, für alle Eventualitäten. Ich sage ihr, dass es nur um zwei Nächte geht, nicht um sieben Wochen, sie murmelt, was da alles passieren kann. Regen! Sturm! Frost! Sonnenbrand!  Monsterwellen! Verschüttetes Sonstwas! Kinder brauchen immer alles für alle Fälle. Ich stapel die Kleiderberge in einen Rucksack, drücke mit aller Kraft darauf herum und sage okay, aber wir, wir können dann ja umso weniger mit nehmen. Eine Jeans, ein dicker Pullover, Unterwäsche, Zahnbürste, fertig. Zack, ganz einfach. Sie sagt ja, aber wenn! Dann hebt sie eine Hand, wahrscheinlich möchte sie an den Fingern Unwägbarkeiten aufzählen. Ich hasse es, wenn Menschen mir an den Fingern etwas vorzählen wollen. Ich sage Schluss, in meinem Alter gibt es kein wenn mehr, ich springe nicht in Pfützen oder beklecker mich mit irgendwas. Ich reiße mir keine Hosen an Dornen kaputt, ich lasse keine Schokolade auf meinen Hemden schmelzen und ich reibe auch keine Bonbons in meine Jacken oder meine Haare. Und bei Regen stelle ich mich unter. Die Herzdame sieht mich skeptisch an. Gut, sagt sie dann, machen wir es also minimalistisch. Sie geht an ihren Schrank und holt für sich nur drei Hosen heraus, nur fünf Pullover, nur drei Paar Schuhe, dazu nur ein Paar Gummistiefel und nur ein paar ganz wenige Jacken, nur gerade so für alle denkbaren Temperaturszenarien auf der nördlichen Halbkugel. Zwischendurch fragt sie, ob ich denn eigentlich unterwegs immer den schwereren Rucksack tragen würde, so als Mann. Ich sage selbstverständlich, aber bei Überlastung müsse ich dann leider unterwegs gelegentlich Ballast abwerfen, wie ein Heißluftballon, ich käme ja sonst nicht vorwärts. Sie sagt, ich sei ein erlesen garstiger Mensch und andere Männer, richtige Männer  würden ihre Frau auf Händen durchs Leben  tragen. Ich frage sie, was ich denn noch alles tragen soll. Sie guckt pikiert.

Ich weiß nicht, wieso man sagt, Reisen seien Fluchten aus dem Alltag. Mich befördern sie nur immer tiefer hinein.

17
Mrz

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Das Wochenende bricht hier etwas ungewöhnlich früh aus, da ich morgen mal eben nach Helgoland rübermache, dabei werde ich dann wahrscheinlich keine Zeit für den üblichen Freitagseintrag haben. Das neue Wochenhoroskop von mir  finden Sie dennoch an gewohnter Stelle drüben im Westen, versteht sich.  Die Texte im Westen, ich selbst in Nordost – fast könnte man einen Mangel an Süd vermuten. Ich denke mal drüber nach.

17
Mrz

Terminhinweis

by Maximilian Buddenbohm in

Tirili 2011

In Hamburg, Sankt Pauli.

16
Mrz

Die Lindgren-Vererbung

by Maximilian Buddenbohm in

Sohn I: „Papa, weißt du wo Karlsson wohnt?“

Ich: „Ja klar, der wohnt auf dem Dach.“

Sohn I: „Und weißt du auch, was er auf dem Rücken hat?“

Ich: „Ja, das weiß ich auch, einen Propeller.“

Sohn I: „Genau, einen Propeller.“

Ich: „Und woher weißt du das eigentlich? Das Buch haben wir doch gar nicht. Hat dir das jemand im Kindergarten erzählt?“

Sohn I: „Nein, das hat mir keiner erzählt. Das wissen Kinder einfach so.“

14
Mrz

Dialog am Morgen

by Maximilian Buddenbohm in

Ich: „Ich hab geträumt, du hättest mich verlassen. Nicht sehr nett von dir.“

Herzdame: „Ach ja? Und warum hab ich das?“

Ich: „Es gab keinen Grund, einfach so.“

Herzdame: „Na, so ein Unsinn. Es gäbe doch genug Gründe.“

13
Mrz

Männerabend

by Maximilian Buddenbohm in

Die Herzdame möchte mit einer Freundin ausgehen, ich bleibe zuhause und bringe die Kinder ins Bett, wir wechseln uns hier selbstverständlich mit allem ab. Während die Kinder ihr Zimmer unter infernalischem Lärm  zerlegen, kratze ich die Reste des Abendessens von der Tapete und trage unfassbar eingesautes Geschirr in die Küche. Es ist nicht immer nur die reine Freude, zwei Kleinkinder zu haben. Die Freundin der Herzdame wartet in der Tür, die Herzdame wirft sich die Jacke über und will endlich gehen. „Der Geschirrspüler ist eben fertig geworden“ sagt sie ohne jeden ersichtlichen Grund. „Ja, ja“ sage ich, da ich nicht weiß, warum mich das jetzt interessieren sollte, ich bin beschäftigt. Die Freundin der Herzdame sieht meinen Blick, fasst mich an der Schulter und sagt in einem seltsam mütterlichen Tonfall: „Deine Frau meint, du sollst da jetzt nichts Dreckiges reinstellen. Das Saubere muss erst raus.“ Merkwürdig, denke ich,  wie oft Frauen meinen, ihre Betreuung auch auf andere Männer als den eigenen ausweiten zu können. Ich sehe sie pikiert an: „Das habe ich verstanden. Ich verstehe meine Frau überhaupt ganz gut. Aber danke für deinen Einsatz.“ Die Freundin und die Herzdame ziehen ab, ich stehe im Türrahmen und frage mich immer noch, wieso alle Frauen meinen, einen weltweit wirksamen Erziehungsauftrag zu haben. Eigentlich ungeheuerlich, diese Einmischung. Ich sage ihr ja auch nicht, wie sie ihr Leben zu führen hat. Die Frauen winken, ich höre gerade noch wie die Freundin leise sagt: „Ich glaube, er hat es verstanden.“ Ich schließe kopfschüttelnd die Tür und gehe in Deckung, weil die Söhne sich gerade mit Lego bewerfen und ich in der Kampfzone stehe.

„Männerabend“, sage ich den Jungs, die mich in einer Gefechtspause erwartungsvoll ansehen. „Aber erst räume ich das dreckiges Geschirr wieder aus der Maschine. Gibt sonst Ärger.“

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung.