Der Februar, ein vollkommen sinnloser Monat, eine Art Blinddarm des Kalenders. Er dient einer trüben Verlängerung des Winters, an der niemand interessiert ist. Die Jahreszeit macht einen gebrauchten, unsauberen Eindruck, so etwas will eigentlich keiner mehr um sich haben. Das Beste, was man im Februar machen kann, ist daher, sich einem grippalen Infekt hinzugeben, das ist bei dem Wetter auch nach aller Erfahrung recht einfach. Dann kann man irgendwo sinnlos herumliegen und leidend gucken, genau wie die Kalenderwochen 5 bis 8 es auch die ganze Zeit tun.

Nach zwei Tagen mit Schüttelfrost gebe ich den Kampf gegen die Erkältung auf und gehe zum Arzt. Was soll’s, wenn man krank ist, dann ist man krank, man muss den Tatsachen ins Gesicht sehen, selbst dann, wenn es sich um Viren handelt. Der Arzt sagt, ich solle zuhause bleiben und mich hinlegen, was soll er auch sonst sagen. Ich wanke aus seiner Praxis. Ich habe 39 Fieber, ich finde Hinlegen ist eine Spitzenidee. Die Herzdame fragt, was los sei. Ich sage Grippe, ich murmele mit klappernden Zähnen von hohem Fieber. Ich sage, ich bleibe den Rest der Woche besser einmal zuhause. Die Herzdame sagt, oh toll, das ist ja super, noch drei Tage, da kannst du einmal in aller Ruhe den Keller richtig gründlich aufräumen. Ich sage, mir sei nicht gut. Die Herzdame sagt, ich solle mich vielleicht tatsächlich lieber  eine halbe Stunde hinlegen und danach erst dann den Keller aufräumen. Sie bietet an, mich rechtzeitig zu wecken, sie steht zwischen mir und dem Bett. Ich wühle in meiner Hosentasche nach dem gelben Zettel vom Arzt. Auf dem einen Teil steht „Zur Vorlage beim Arbeitgeber“, auf dem anderen „Zur Vorlage bei der Krankenkasse“. Nirgendwo steht etwas von „Zur Vorlage bei der Herzdame“. Ich hatte es befürchtet.

Typisch Februar, taugt alles nichts.

Dieser Text erschien als Kolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung.

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