Dezember, 2010 Archives

12
Dez

Jahreshoroskop 2011

by Maximilian Buddenbohm in

Meine Jahreshoroskope  sind mittlerweile alle veröffentlicht, wie bereits erwähnt im Rahmen der Werbekampagne für den Woody-Allen-Film “Ich sehe den Mann deiner Träume” . Hier die Links zu den Texten auf Facebook. Man muß keinen Facebook-Account haben, um sie lesen zu können. Viel Spaß!

Widder

Stier

Zwilling

Krebs

Löwe

Jungfrau

Waage

Skorpion

Schütze

Steinbock

Wassermann

Fische

10
Dez

Blues

by Maximilian Buddenbohm in

Sohn I: „Wenn man nur ein Bein hat, dann kann man nicht so gut laufen, was?“

Ich: „Das stimmt.“

Sohn I: „Und wenn man nur ein Auge hat, dann kann man nicht richtig gut sehen, was?“

Ich: „Ja, das stimmt auch.“

Sohn I: „Und wenn man kein Steuer hat, dann kann man nicht mit dem Auto fahren, oder?“

Ich: „Nein, das geht dann nicht.“

Sohn I: „Und wenn man im Fahrstuhl nicht an die Knöpfe kommt, dann kann man auch gar nicht Fahrstuhl fahren, hm?“

Ich: „Korrekt.“

Sohn I denkt eine Weile nach. Dann sagt er: „Das ist doch alles irre traurig.“

10
Dez

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Nachlesen, Helm aufsetzen – und die Woche kann kommen. Viel Spaß.

9
Dez

Das vorsichtige Mädchen

by Maximilian Buddenbohm in

In der S-Bahn steht ein Mädchen,  vielleicht ist es auch eine sehr junge Frau, sie telefoniert. Was sie spricht, ist nicht zu überhören, ihre Stimme ist nicht eben leise, außerdem ist sie wütend, sehr wütend. Die Hand mit dem Handy verschwindet zwischen mehreren Schals und einer riesigen Mütze, über der noch eine Kapuze liegt, aber sie schimpft wie ein Rohrspatz, man kann jedes Wort verstehen. Sie spricht gebrochen Deutsch, den Akzent kann ich nicht zuordnen, ihr Aussehen hilft auch nicht weiter, blond, blauäugig. Von irgendwo aus Europa, nach Skandinavien klingt es eher nicht. Sie sagt, daß sie immer sehr vorsichtig gewesen sei, auch schon als Kind, und das es deswegen nicht sein könne, daß man ihr jetzt so eine Rechnung zuschickt, für einen Vertrag, den sie angeblich vor sechs Jahren abgeschlossen haben soll. Hey, da war sie erst 14! Das müsse man sich mal vorstellen. Verträge mit 14, das ginge ja gar nicht, so doof sei sie nun auch wieder nicht und überhaupt, immer sehr vorsichtig, mit allem, aber extrem, weißt du, gerade aber auch mit Verträgen und so. Und auch sonst! Immer aufgepaßt. Voll das vorsichtige Mädchen. Wie Luchs oder was sagt man hier? Nie was unterschrieben, sie war ganz echt voll vorsichtig, praktisch ihr Leben lang, immer total die Angst gehabt, irgendwas könne Folgen haben. Weil, sie hatte immer Schiß davor, wegen irgendwas jahrelang Ärger zu haben, das ist schon so vielen Freunden passiert, das glaubst du nicht. Und mit 14, das wisse sie noch ganz genau, die Zeit, da sei sie ja gerade von Zuhause abgehauen und dann in die Wohngruppe, an das Jahr könne sie sich sehr gut erinnern, wie gestern, weißt du.  Und jetzt wollen die 600 Euro, für einen Dienstleistungsvertrag, was immer das auch sei, das müsse man sich mal vorstellen. Irgendwas mit Handy. Nach sechs Jahren! Und sie könnte schwören, sie habe in diesem Jahr nichts unterschrieben, weil erstens eh immer super vorsichtig gewesen – die anderen Passagiere drehen sich jetzt entnervt nach ihr um, diese Passage kann wirklich keiner mehr hören, es hat ja längst jeder verstanden, was für ein vorsichtiges Mädchen sich da durchs Leben schlägt – und zweitens, ey, mit 14, da gelten Verträge doch noch gar nicht, so blöd sei sie nun auch wieder nicht. Sie hat im Leben auch schon ein paar Sachen gecheckt, und drittens, an dem Datum, auf das der Vertrag angeblich ausgestellt sei, da hat sie bestimmt nichts unterschrieben, das Datum kenne sie ganz gut, haha, das sei nämlich voll exakt Geburtstag von ihre erste Sohn. Weißt du Bescheid.

8
Dez

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Malte Welding, vielen sicherlich bereits als Blogger bekannt, hat bei Piper ein Buch veröffentlicht: „Frauen und Männer passen nicht zusammen – auch nicht in der Mitte. Warum die Liebe trotzdem glücklich macht“. Ich habe vor ein paar Tagen einen Ausschnitt darauf gelesen und war so begeistert, daß ich mir das Buch sofort bestellt habe.  Nachdem ich eben gerade eine halbe Stunde im Fahrstuhl stand, weil das Buch im Briefkasten war und ich nur eben schnell einen Absatz lesen wollte, steht schon fest: das Buch ist äußerst unterhaltsam und intelligent, mit anderen Worten, dieses Buch möchten Sie wahrscheinlich auch haben.

Es erschien vor ein paar Tagen und beginnt so:

„ Vor drei Jahren habe ich mir ein Kaninchen gekauft. Im Laden saß es getrennt von den anderen in einem Käfig. Weil es seinen Bruder angegriffen hatte, saß es dort schon seit sechs Monaten, sagte mir die Verkäuferin. „Und was passiert mit ihm, wenn niemand es kauft?“, fragte ich sie. Die Verkäuferin machte eine „Dann-kommt-er-halt-zum-Schlachter-Geste“, die ich jetzt nicht nachmachen könnte, wahrscheinlich beherrschen nur Verkäuferinnen im Zoofachhandel diese Geste. Mir blieb nichts anderes übrig – ich rettete das schlappohrige Wesen vor dem Schlachtermesser und war von nun an Besitzer eines schlecht gelaunten Kaninchens. Es verfügte nur über einen Gesichtsausdruck, und der besagte: Mit mir könnt ihr’s ja machen.“

6
Dez

Veranstaltungshinweis

by Maximilian Buddenbohm in

Ich lese am Mittwoch, dem 08.12. um 22 Uhr 30 beim Literatur-Quickie im Feldstern, Sternstraße 2 in  Hamburg, aus meinem neuen Buch. Eintritt frei.

Menschen, die mich näher kennen, oder mir sogar auf Twitter folgen, wissen natürlich, daß ich um 22 Uhr 30 normalerweise längst schlafe.  Aber ich werde durchhalten.  Ich habe das schließlich schon geahnt, bevor ich Autor wurde, daß dieser Beruf seine besonderen Härten hat und manchmal brutalstmöglichen Einsatz verlangt. Das wird schon.

4
Dez

Frisch aus dem Briefkasten

by Maximilian Buddenbohm in

Und in ein bis zwei Wochen auch in Ihrer Buchhandlung.

3
Dez

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

fried cakes

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

2
Dez

Der Weihnachtsmann kommt aus Rußland und spielt Akkordeon

by Maximilian Buddenbohm in

Der alte Weihnachtsmann sitzt am Ausgang der S-Bahnstation Hammerbrook, in einem Stadtteil, in dem kein Mensch wohnt, hier gibt es nichts als Bürohäuser ringsum. Häßliche Neubauten, breite Straßen, ein paar Imbisse. In dieser S-Bahnstation sitzt er jedes Jahr, ab Anfang Dezember. Die Menschen, die schon länger in dieser Gegend arbeiten, die kennen ihn schon. Der alte Weihnachtsmann trägt eine rotblinkende Mütze, hat eine sehr dicke Brille, ist eher verhungert als dicklich, sitzt auf einem kleinen Klapphocker und spielt Akkordeon. Dazu singt er, mit dünner, brüchiger Stimme. Russisch.

Der alte Weihnachtsmann sitzt reglos auf seinem Hocker, er ist nicht besonders dick angezogen, aber er scheint nie zu frieren, vielleicht ist er aus Moskau oder woher auch immer viel schlimmere Temperaturen gewohnt als unsere lächerlichen minus vier Grad. Er guckt vor sich auf den Boden, auf die schmutzigen Kacheln, und wirkt etwas weggetreten. Neben ihm geht die Treppe hoch zum Bahnsteig, wo gerade eine S-Bahn ankommt, man hört die Türen aufgehen, “Zurückbleiben bitte“ und dann Schritte. Viele Schritte, eilige Schritte, das Heer der Sachbearbeiter drängt sich die Stufen hinunter. Eiliger Gang, Zeitung in der Hand, Zigarette im Mund, der deutsche Sachbearbeiter raucht immer noch. Hochgezogene Schultern, Pappbecher in der Hand, manche noch mit dem Finger im Buch, Die Säulen der Erde und was man so liest, in der S-Bahn zum Büro. Bestsellerlisten rauf und runter. Die Sachbearbeiter kommen die Treppe runter wie eine Invasionsarmee im Vormarsch, der Weihnachtsmann schultert schnell sein Akkordeon und fängt an zu spielen. Russische Weisen, Tanzlieder, heitere Stücke. Er singt mit seiner dünnen Stimme, sie kippt ab und zu weg, aber er gibt sich doch alle Mühe, sie fröhlich klingen zu lassen, geradezu jauchzend. Guckt die Passanten strahlend an, versucht, einen Blick zu erwischen, zwinkert, legt den Kopf schief. Er legt alles in ein kurzes Musikstück, was an lustigem Rußland nur hineinpaßt. Viel ist das nicht. Die Sachbearbeiter rennen vorbei, sie hören ihn vielleicht auf dreißig Schritten, dann verschwinden sie schon in der Bäckerei oder im Eingang der Versicherung oder in der Bank oder im Autoteilehandel. Der alte Weihnachtsmann muß aufpassen, daß die Sachbearbeiter seinen kleinen Klappstuhl nicht umrennen, der Ausgang der S-Bahnstation ist schmal, die Menschen drängeln und schieben und einige sehen ihn erst sehr spät. Weiße Kabel in den Ohren, die hören kein Akkordeon, da kann er noch so viel jauchzen und jubilieren. Irritiertes Ausweichen, Haken schlagen, Bremsmanöver. In einer Minute sind Hunderte von Menschen vorbei. Vor dem Weihnachtsmann steht ein kleines Körbchen für Kleingeld, ausgelegt mit einer papierenen Weihnachtsserviette, Engelchen an Engelchen, darauf liegt: nichts.

Der alte Weihnachtsmann läßt das Akkordeon sinken und starrt vor sich hin, er räuspert sich und bewegt die Finger über der Tastatur hin und her, ohne sie zu berühren. Dann rückt er seine Mütze zurecht. In fünf Minuten die nächste Bahn.

2
Dez

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Einer von denen, die in meiner Generation noch mit einigen Büchern bekannt sind, mit den damaligen Verkaufserfolgen, und die bei der jüngeren Generation aber leider schon gänzlich vergessen sind: Wolfdietrich Schnurre. Es scheint mir ein ganzes Rudel von Nachkriegsautoren zu geben, die fast gar keinen Nachruhm mehr haben, von wenigen Bestsellern einmal abgesehen. Bei Schnurre also zum Beispiel „Als Vaters Bart noch rot war“, das wird man noch kennen, vielleicht. Nun aber „Der„Schattenfotograf“ , das wollte ich schon seit Jahren lesen, jetzt endlich gekauft. Ein Journal, ein Notizbuch, ein Tagebuch, wer weiß, heutzutage wäre es wohl ein Blog geworden. Und was für eines.

Das Buch erschien zuerst 1978 und beginnt so:

„August 1975. In Kürze hat dieser restliche Körper, aufrecht gehalten von einem sentimentalen Gemüt, hinkend an seinen Erfahrungen, terrorisiert von einem sprunghaften Intellekt und jagdhundhaft von seiner unzuverlässigen Seele umkreist, aller Voraussicht nach den fünften Schritt in die zweite Hälfte des ihm möglicherweise zugebilligten knappen Jahrhunderts zu vollziehen. Die Schüsse trafen und trafen doch nicht. Die Liebe warf ihre Messer; das letzte vibriert noch im Holz. Das Licht alterte mit. Der Schatten gewann an Kontur. Schuld und Verrat haben ihre Position bezogen. Von den Zinnen herab wird jeder Schritt relativiert. Gleichmut und Egozentrik wühlen sich mit dem Hakenschnabel die Milben aus dem Gefieder. Das Unterholz versucht noch Wildnis zu spielen. Jedoch der Schädlingsfraß läßt keine Zweifel aufkommen. Und die Liste der ausgestorbenen Vögel ist lang. Es wird Zeit, Bestand aufzunehmen.
Täglich einen guten Prosasatz lesen, das brächte einen schon weiter. Nur: wo stehen so viele?“