Der Mann vom NDR sagt, die Herzdame solle einmal böse gucken, das sei ja typisch für Familienszenen bei uns. „Genau“, sage ich, „super, so machen wir das. Ich spiel hier lustig mit den Kindern rum und sie guckt böse und schlecht gelaunt. Alles wie immer. Los geht’s.“

Ich wippe Sohn II auf und ab, Sohn I buddelt vor uns herum, die Herzdame steht etwas weiter weg und lächelt wie eine Madonna. „Böse gucken“, sagt der Mann vom NDR, „wie im Buch.“ Die Herzdame grinst wie ein Honigkuchenpferd. „Da stimmt etwas mit deinem Gesicht nicht“, sage ich. Die Herzdame strahlt mich an, als wäre ich Prince Charming in Person. „So hast du mich zuletzt bei der Hochzeit angesehen“, sage ich, „das wird mir hier gleich unheimlich.“ Die Herzdame dreht sich um und massiert ihre Wangen. „Ich krieg’s nicht weg“, sagt sie und grimassiert bedenklich, „ich kann nicht aufhören. Die Kamera. Das geht so alles nicht.“ Der Mann vom NDR sagt, wir könnten auch einfach etwas warten. Ich sage ja, zwei Minuten müßten reichen, länger als zwei Minuten freundlich zu gucken sei extrem wesensfremd für Nordostwestfalen. Die Herzdame strahlt wie auf Drogen.

„Schluß jetzt“, sage ich, „sonst kneife ich dieses Kind hier, dann hast du einen Grund für böse Blicke.“ Die Herzdame lacht. Sie legt den Kopf schief wie ein Wellensittich und guckt mich lächelnd an. „Vielleicht sollten wir eine andere Frau filmen“, schlage ich vor, „irgendeine schlecht gelaunte Dame wird hier ja leihweise zu finden sein.“

Die Herzdame macht die seltsamsten Gesichtsausdrücke, ein böser ist nicht dabei. „Was hat Mama denn?“ fragt Sohn I und guckt besorgt. „Mama versucht nur normal zu sein“, sage ich, „alles in Ordnung. Glaube ich.“ Die Herzdame sieht aus, als würde sie das Beißen in Zitronen pantomimisch nachspielen, nach einer Weile gehen ihre Mundwinkel wieder nach oben, wie an Fäden gezogen. „Nichts zu machen“, sagt sie, „wenn das mal bloß kein bleibender Schaden ist.“ Die Frau an der Kamera sieht genervt in den Himmel, der Mann vom NDR sieht sich nach anderen Motiven um. Dann gehen sie zur Schaukel und besprechen etwas.

Die Herzdame guckt entnervt und fragt, ob sie gehen kann. „Jetzt“, rufe ich, „jetzt ist der Blick da!“. Die Kamerafrau dreht sich um und schultert ihr Gerät, das Gesicht der Herzdame heitert sich sofort auf, als würde sie den Musikantenstadl moderieren. „Hoffnungslos“, sage ich. Die Herzdame sagt, sie könne sich das gar nicht erklären, das sei anscheinend ein bisher nicht bekannter Lächelzwang vor Kameras, sie könne leider absolut nichts dagegen machen. „Ja“, sage ich, „nicht zu übersehen. Interessante Sache. Könnten wir nicht vielleicht im Schlafzimmer eine Kamera an die Wand montieren?“

Und da hat sie dann endlich richtig finster geguckt. Aber da haben die vom NDR schon wieder über ihrem Drehplan gebrütet.


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