Der Strand ist riesig und sandig, wie es bei Stränden nicht ganz unüblich ist. Hinten das Meer und weiße Segel, vorne eine Bude, an der Eis verkauft wird. Wenn man vom Meer zur Bude rennt, denn als Kind rennt man ja grundsätzlich, kommt man an Fußduschen vorbei, seltsamen kleinen Dingern, aus denen Wasser kommt. Die Erwachsenen lassen es, wenn sie den Strand verlassen, über die Füße laufen, bis der ganze Sand weg ist, dann steigen sie in ihre Sandalen und ziehen weiter.

Sohn I, der sich gerade in einer besonders lernwilligen Phase befindet und außerdem eine von der Herzdame vererbte Aversion gegen Sand am Körper hat, sieht den Menschen zu, die sich da abspülen. Dann geht er selbst zur Fußdusche, drückt probeweise auf den Knopf und besieht sich sinnend den Wasserstrahl. Er hält vorsichtig einen Fuß darunter und strahlt dann begeistert, als dieser ganz sauber ist. Er stellt den Fuß ab und hält den zweiten unter den Strahl. Sieht an sich herunter und stellt fest, daß am ersten Fuß nun wieder Sand haftet, denn er hat ihn ja auf den Boden gestellt, Sandalen hat er nicht dabei, Sandalen lehnt er ab. Also nimmt er den Fuß noch einmal hoch, spült wieder sorgfältig, auch mit verbissener Mühe und etwas seltsamen Verrenkungen zwischen den Zehen, stellt sich danach erleichtert aufrecht hin und sieht hoffnungsvoll zum Eisstand. Wackelt mit den Zehen und muß zur Kenntnis nehmen, daß diese wieder im Sand vergraben sind, also drückt er noch einmal auf den Knopf und spült, bis der ganze Sand verschwunden ist. Dann stellt er sich auf den Sand, dann spült er, dann stellt er sich auf den Sand, dann spült er, dann stellt er sich auf den Sand…

„Guck mal wie süß“, sagte ich zu der Herzdame als ich losging, um das Kind zu erlösen, „er bastelt sich seine erste Zwangshandlung.“ Die Herzdame sagte nein, das sei ja Unsinn, und wo er das denn wohl her haben könne. Dann sah sie zum zehnten Mal nach, ob auch wirklich kein Sandkörnchen mehr an ihren Füßen haftete und ging sehr vorsichtig auf Zehenspitzen weiter zum Eisstand.

Und hätte ich mir den Sohn nicht irgendwann kurz vor Sonnenuntergang einfach unter den Arm geklemmt und trotz vehementer Proteste – „bin ich da ganz sandig!“ – ins Hotel getragen, würde irgendwo an einem Strand von Mallorca ein kleiner Junge wohl immer noch an einer Fußdusche stehen und wie ein nimmermüdes Duracell-Häschen irrsinnig beschäftigt wirken.


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