April, 2010 Archives

30
Apr

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Landungsbruecken

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß damit.

27
Apr

Junge Liebe

by Maximilian Buddenbohm in

Es hätte meinetwegen gerne so weitergehen können, es ließ sich auch so gut an. Diese zaghaften ersten Küsse, dieses liebevolle Haarestrubbeln, das zunächst flüchtige Umarmen, das ganz langsame Steigern zum stürmischen Knutschen, über Wochen ausgedehnt. Man hat ja Zeit, wenn man so jung und jeder Kuß eine spektakuläre Erfahrung ist. Wir haben das gerne gesehen, wie er sie zum ersten mal auf den Schoß nahm, wie seine Augen leuchteten, wenn sie den Raum betrat, wie sie in seine Arme lief und wie die beiden sich zur Wahrung der Intimsphäre in eine versteckte Ecke des Raumes zurückzogen. Das war schon alles sehr vielversprechend und ich zog daher schon einmal Erkundigungen ein, als Vater ist man ja mitverantwortlich. „Sohn“, sagte ich, „das ist eine gute Wahl, ihre Eltern haben ein Restaurant. Jetzt dranbleiben.“ Er sah mich an und nickte lächelnd. Die Zukunft schien vielversprechend.

Es hätte so nett sein können – hätte, hätte. Seit seine Kita-Freundin aber gestern im fortgeschrittenen Liebeswahn alle brandneuen Piraten-Tattoos von seinen Armen geleckt hat, zweifelt Sohn I  plötzlich doch an der Tragfähigkeit der Beziehung. Er wirft ihr auch eine zu starke Fixierung auf körperliche Aspekte vor: „will sie immer nur küssen.“

Ich fürchte, wir müssen mit einer Trennung rechnen.

26
Apr

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an Gerbrand Bakker, dessen „Oben ist es still“ aus gutem Grund ein internationaler Erfolg geworden ist. Von diesem Autor nun ein neues Werk: „Juni“. Fängt genauso schnörkellos gelungen an wie das vorige Buch, spielt auch in ähnlicher Gegend – und ich mag ja sowas, wenn man auf etwas Ähnliches hofft, und es dann auch bekommt. Viele Autoren geben sich Mühe, von Buch zu Buch ganz andere Menschen mit ganz anderem Stil zu werden, das habe ich nie recht einsehen können und meistens auch nicht gemocht. Das Buch erschien gerade erst, wurde von Andreas Ecke übersetzt und beginnt so:

„Gleich kommt Slootdorp“, sagte der Chauffeur. „Dort übernimmt sie ein neuer Bürgermeister“.

Sie schaut hinaus. Rechts und links breite Streifen Weide- und Ackerland, deren Ende nicht zu sehen ist. Hier und da ein klobiger Bauernhof mit rotem Ziegeldach. Zum Glück regnet es nicht. Rechts wird die Sicht teilweise von C.E.B. Roell versperrt, die in ihren Papieren liest; bestimmt irgend etwas über das Dorf, zu dem sie unterwegs sind. Sie zieht die Handschuhe aus, legt sie auf den Schoß und klappt den Aschenbecher auf. Roell seufzt. Einfach ignorieren.“

Es ist die holländische Königin, die hier über Land fährt und schon der Einstieg in die Geschichte, ein Besuchstag der Königin in der Provinz, ist das ganze Geld wert. Dringende Empfehlung.

26
Apr

… aber dann legte sie ihre Brüste auf den Tresen

by Maximilian Buddenbohm in

Formulierungen, die man schon immer mal in einer Überschrift verwenden wollte, frisch gefunden in dem Text, den meine geschätzte Mitveranstalterin Isa über die Lesung gestern geschrieben hat – gucken Sie mal hier. Da können Sie das Feuilleton Ihres Provinzblattes glatt für wegwerfen.Was soll man da noch groß ergänzen?

Die Links zu den Tonmitschnitten der Lesung (Dank an Lars!):

Friederike von Criegern

Isabel Bogdan

Bov Bjerg

und ich.

25
Apr

Heute

by Maximilian Buddenbohm in

Tirili.

23
Apr

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Alster

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

23
Apr

Isa in Bewegung (3)

by Maximilian Buddenbohm in

Die Reihe wird fortgesetzt, und zwar mit allen Mitteln, die Frau traut sich ja was. Für die neueste Folge habe ich ihr eines meiner Lieblingssportgeräte geliehen – gucken Sie mal hier.

21
Apr

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Peter Rühmkorf, den habe ich schon als Kind gelesen, weil sein großartiges Buch „Über das Volksvermögen” zuhause  im Regal stand und ich es sehr unterhaltsam fand. Wenn Sie das nicht kennen sollten, das ist eine erstaunliche Sammlung von Abzählreimen, Kinderversen, Schlagerparodien und anderem, eine wilde Mischung aus Straßenlyrik, die kein Dichter je so gemeint hat, aber die das Volk so geprägt hat. Nicht lyrisch vergoldet, nicht unbedingt jugendfrei, nicht zensiert. Ein schönes Buch, auch heute noch lesbar und interessant.

Aber jetzt auf dem Nachttisch: Haltbar bis Ende 1999 – Gedichte. Am Abend ein zwei Gedichte, das geht schon, da wird man nicht gleich irre von und grübelt am nächsten Tag über eigenen Sonetten. Zwei Gedichte, das kann man verkraften, wenn man sonst seelisch gesund ist. Aber wer ist das schon.

Ich zitiere den Anfang des Gedichtes „Der getreue Don Juan“:

Keinen Grund gefunden habend,

kein Warum? und kein Voran!

Aber so und heute abend

Kommen wir und sehen uns an.

In den letzten Kunstlachsröten

Dreimal ums Karree gelatscht;

Keinen Lebensbund zu löten,

nichts! Das Lied ist ausgebratscht.

20
Apr

Post

by Maximilian Buddenbohm in

Ab und zu erhält man als Blogger seltsame Post, weil irgendwelche fehlgeleiteten PR- oder Werbeagenturen meinen, es wäre ein Spitzenidee, Produkte an Menschen wie mich zu verschicken – vielleicht machen wir ja dann vor lauter Dankbarkeit kostenlose Werbung.  Gestern machte ich einen Brief auf, in dem ein Kondom der Geschmacksrichtung Schokolade war. Wäre ich ein geeigneter Empfänger für so etwas, würde ich jetzt wohl die Seite verlinken, die dahinter steht.  Ich stand aber eher irritiert als begeistert am Briefkasten.

Ich:  „Heute zufällig Lust auf Schokoschniedel?“

Herzdame: „Willst du mich auf den Arm nehmen?“

Ich: „Nein, da war ein Schokoladenkondom in der Post. Guck mal.“

Herzdame: „Danke, kannste alles selbst  essen. Aber mach erst die Windeln bei dem Lütten neu.“

Es gibt so Lebensphasen, da fällt man einfach nicht in die Zielgruppe für Schokoladenkondome.

19
Apr

Theorie und Praxis (2)

by Maximilian Buddenbohm in

„Der Sinn der Aufsichtspflicht besteht – ganz vereinfacht gesagt – darin, dass der anvertraute Minderjährige nicht zu Schaden kommt und keinen Schaden anrichtet.“

Ich sitze zuhause am Schreibtisch und arbeite. Damit mich dabei weder Telefon noch Lärm von draußen ablenken, höre ich Musik über Kopfhörer. Die Herzdame ist mit den Söhnen auf dem Spielplatz, eine gute Gelegenheit, um wirklich etwas zu schaffen. Ich tippe konzentriert, die Zeit ist knapp. Plötzlich höre ich in der Musik einen durchdringenden falschen Ton, wieder und wieder. Ich nehme die Kopfhörer ab und merke, daß jemand Sturm klingelt. Ich mache die Tür auf. Davor steht die sechsjährige Tochter der schönen Nachbarin und sagt anklagend: „Du gehst nicht ans Telefon.“

„Nein“, sage ich, „ich hatte Kopfhörer auf. Hab nichts gehört. Was kann ich für dich tun?“ „Du gehst nicht ans Telefon“, sagt sie wieder und guckt streng, „aber du bist zuhause. Hab ich gesehen. Die Balkontür ist auf.“ „Ja“, sage ich, „stimmt.“ Die Kleine geht durch die Wohnung und sieht sich um. „Ich dachte, ich sehe mal nach, ob alles in Ordnung ist“ sagt sie, während sie vom Wohnzimmer zur Küche geht. „Alles in Ordnung hier“, sage ich, „möchtest du etwas trinken? Möchtest du auf den Rest der Familie warten?“ „Nein“, sagte sie, „ich gehe gleich wieder. Ist alles gut. Glaube ich. Aber kann man ja sonst nicht wissen.“ Sie besieht sich nachdenklich den Herd und den Kühlschrank, dann macht sie noch einen Abstecher ins Schlafzimmer und ins Bad und nickt, da anscheinend alles zu ihrer Zufriedenheit aussieht. „Gut“, sagt sie und rückt im Vorbeigehen mit ordnender Hand meinen Bürostuhl gerade, „ich gehe jetzt mal wieder.“

Und ich dachte immer, ich könnte ihr in vielen Jahren einmal erzählen, daß ich früher, als sie noch ganz klein war, des öfteren auf sie aufgepaßt habe.

18
Apr

Isa in Bewegung (2)

by Maximilian Buddenbohm in

In der hier bereits vorgestellten Reihe Fit & Well von Isa kann man jetzt einen neuen Beitrag lesen, wie ihn so nur  junge Hüpfer schreiben können. Echt. Gucken Sie mal  hier.

16
Apr

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

An der Elbe

Da kann man sich ja hinter dem nächstbesten Container im Hafen ein wenig ausruhen. Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

14
Apr

Theorie und Praxis

by Maximilian Buddenbohm in

„Mit zweieinhalb Jahren kann das Kind allmählich zusammenhängender erzählen. Es ist nun zunehmend in der Lage, Ereignisse des Tages zu berichten und besondere Vorkommnisse zu benennen.“

Ich: „Na, was habt ihr in der Kita gemacht?“
Sohn I: „Gegeßt.“
Ich: Ah, gegessen. Was gab es denn?“
Sohn I: „Essen.“
Ich: „Sag bloß. Und was genau? Suppe?“
Sohn I: „Nein.“
Ich: „Fleisch?“
Sohn I: „Nein.“
Ich: „Gemüse?“
Sohn I: „Nein.“
Ich: „Reis?“
Sohn I: „Nein.“
Ich: „Was gab es denn anderes?“
Sohn I: „Anderes Essen.“
Ich: „OK, lassen wir das. Was war danach?“
Sohn I: „Nachtisch.“
Ich: „Und außer Essen habt ihr nichts gemacht?“
Sohn I: „Doch.“
Ich: „Ah – und was?“
Sohn I: „Getrinkt.“

Ich habe keine Ahnung, was er in der Kita so macht, aber anscheinend ist die Verpflegung in Ordnung.

14
Apr

Nicht vergessen

by Maximilian Buddenbohm in

Tirili.

12
Apr

Das Kleinkind und die Kultur

by Maximilian Buddenbohm in

Sohn I sitzt im Bett, es ist schon spät und er soll schlafen. Er lauscht angestrengt und sieht aus dem Fenster, dann denkt er lange nach und fragt mich schließlich: „Papa, singt die Amsel für mich?“

Das klingt vielleicht zunächst einmal nur ganz niedlich, das ist aber viel mehr. Das schließt immerhin die unfaßbare Option ein, daß die Amsel tatsächlich nicht für ihn singt und er also gar nicht der Mittelpunkt des Universums ist. Das ist eine ernsthafte Grundsatzfrage nach Bedeutung und Zusammenhang, das ist auch eine sehr abstrakte Frage und das ist ein vorhergehendes Grübeln, wie es wohl nur dem Menschen eigen ist. In Alltagsdingen kann es angeblich jeder dreijährige Gorilla leicht mit einem gleichaltrigen Menschen aufnehmen, bei solchen Fragen aber trennen sich vermutlich doch die Geister. „Singt die Amsel für mich“, als Frage eines Menschenkindes, das ist wohl tatsächlich der Anfang aller Geisteswissenschaften. Würde unsere gesamte Kultur morgen über den Jordan gehen, die Menschheit würde wieder und wieder eine neue entwickeln – ich finde, man hört es an dieser einen Frage.

Wie dem Ich hier eine schwankende Bedeutung verliehen wird, die zu diskutieren ist, die man bejahen oder verneinen kann, wie der Bezug zu allem, was Nichtmensch ist, in Frage gestellt wird – ist das nicht herrlich? Noch bevor er zählen kann, bevor er eine Geschichte erzählen kann, bevor er auch nur die Sprache halbwegs richtig beherrscht, bevor er einen Begriff von der Welt hat, vor all diesem ist der Mensch schon ein Philosoph. Wunderbar. Wie gut man sich den Weg des denkenden Menschen vorstellen kann, von dieser einen beispielhaften Frage bis hin zu einem ausgewogenen Weltbild, über Jahrzehnte des Lernens und der Erkenntnis, über Fragen, Zweifel und Ideen, über Gott und Nihilismus hin zu der mühsam errungenen persönlichen Wahrheit des älteren Menschen.

Ich fand die Frage wirklich beeindruckend. Natürlich habe ich seine Frage bejaht, das versteht sich bestimmt von selbst, das wird sich jeder gedacht haben, wer würde einem Kind von noch nicht einmal drei Jahren hier ein Nein zumuten wollen. Ein resignatives, kaltes, erwachsenes Nein, das typische Nein des Menschen, der alle Illusionen verloren hat, der keinen Zauber mehr in der Welt vermutet – wer würde so etwas an ein Kind weitergeben. Ich mußte die Frage selbstverständlich bejahen. Obwohl die Amsel doch eigentlich für mich singt.