Christentum:

Wir wohnen direkt vor einer Kirche. Auf einem Platz neben der Kirche steht eine Kreuzigungsgruppe. Sohn I geht im Winter nie daran vorbei, ohne mißbilligend auf den dort hängenden Jesus zu zeigen und zu kommentieren: „Ist nackig. Nicht gut, zu kalt.“ Jesus ist ihm ferner natürlich als Baby in der Krippe zu Weihnachten geläufig, da ist er aber deutlich weniger spannend als die Tiere ringsum. Ochs und Esel direkt am Bett zu haben, das hat was. Aber sonst – ein Baby eben, na und. Außerdem hat er eine Kinderbibel, in der Jesus über Wasser geht, was Sohn I ein grummeliges „Geht gar nicht“ entlockt. Er ist selbst ein großer Badefreund, wenn man auf Wasser gehen könnte, hätte er längst herausgefunden, wie das geht. Interessant an der Bibel ist hauptsächlich David, denn der darf mit Steinen werfen, das ist doch mal aufregend. Aber unterm Strich hat das Christentum bei Sohn I ein kleines Marketingproblem.

Islam:

Ist ihm bisher gar nicht aufgefallen. Der Halbmond an den Moscheen hier ist einfach zu dezent.

Buddhismus:

Buddha, der lachend und mit dickem Bauch in den Schaufenstern der Asialäden sitzt, ist schon mal ein sympathischer Typ, Kinder mögen es, wenn man lacht. Vom Lachen abgesehen macht Buddha aber gar nichts, das ist natürlich schwach. Herumsitzen ist ja nun wirklich kein unterhaltsames Tagesprogramm. Außerdem heißt er, zumindest in norddeutscher Aussprache, genauso wie Butter, das ist unangemessen irritierend, denn wenn Papa bittet, Butter aus dem Kühlschrank zu holen, ist da gar keine Figur mit lachendem Mann drin. Es gibt die Butter und der Butter, wer soll das denn verstehen? Und Buddha auf Brot, das ist alles sehr seltsam.

Hinduismus:

Der Hinduismus liegt ziemlich weit vorne, dank Ganesha. Ein Elefantengott ist natürlich eine tolle Sache, Elefanten sind sowieso super. Leider hat Ganesha vier Arme, was Sohn I wiederum nicht paßt, denn so etwas gibt es gar nicht. Ein Elefantenkopf auf einem Menschenkörper,  das kann schon einmal vorkommen, aber vier Arme? Man kann einem Kind auch nicht alles erzählen. Da könnte man ja gleich über Wasser laufen. Der Hinduismus ist ganz interessant, neigt aber leider zu schlimmen Übertreibungen. Nichts für kleine Skeptiker.

Tibetischer Buddhismus:

In dem Tibetladen bei uns um die Ecke hängen geschnitzte Dämonenmasken an der Wand, fürchterliche Fratzen. Sohn I steht beglückt davor und sagt anerkennend: „Monster!“ Jeden Morgen bleibt er auf dem Weg zur Kita kurz bei dem Laden stehen und staunt verträumt lächelnd sein Lieblingsmonster an. Monster sind nicht zu schlagen, etwas Tolleres kann es gar nicht geben. Außerdem gibt es Rasseln in dem Laden, Rasseln mit sehr vielen Glöckchen dran, und auch kleine Steinfiguren, die richtige Elefanten darstellen, mit vier Beinen, wie es sich gehört. Und wenn der Laden geöffnet ist, dann stehen metallene Zierdrachen davor, auf denen man reiten kann, zumindest wenn der Inhaber gerade nicht guckt. Der Sohn liebt diesen Laden. Monster! Elefanten! Drachen! Mit anderen Worten, die anderen Religionen können einpacken.

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