März, 2010 Archives
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Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Wenn man in seinen Büchern wieder und wieder das gleiche Thema verhandelt, muß man schon sehr gut schreiben können, damit das noch gelesen wird, was man da produziert. Wenn man wieder und wieder um die Frage der Herkunft kreist und weiter über die Frage, warum man eigentlich darüber kreist und sich dann in Steigerung auch noch fragt, warum man eigentlich darüber schreibt, wird man entweder ziemlich langweilig oder ziemlich geistreich. Geistreich ist dann auch das erste Wort, was mir zu Hans-Ulrich Treichel einfällt. Immer wieder hochinteressant, besonders für Menschen, die auch auf die eine oder andere Art dem Schreiben verbunden sind: Hans-Ulrich Treichel – Der Felsen an dem ich hänge. Essays und andere Texte. Das Buch erschien zuerst 2005 und beginnt so:
„Als ich die Einladung zu dieser Poetikvorlesung erhielt, habe ich mich in zweierlei Hinsicht angesprochen und aufgefordert gefühlt: zum einen als Autor, der Gedichte, Romane, Essays, Libretti und anderes geschrieben hat. Und zum anderen als Hochschullehrer, der am Deutschen Literaturinstitut Leipzig seit dem Jahr 1995 Unterricht in einem Bereich erteilt, der im englischsprachigen Raum Creative Writing heißt, und den ich eher Literary Writing, Literarisches Schreiben zu nennen geneigt bin. Klingt doch der Begriff des Kreativen Schreibens zumindest im Deutschen noch immer nach Freizeitbeschäftigung, literarischer Bastelgruppe, schreibtherapeutischer Gesundheitsvorsorge und anderem mehr. Und schließlich, so ließe sich polemisch sagen, fängt die Literatur dort an, wo das Kreative Schreiben aufhört.“
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Wirtschaftsnachrichten
by Maximilian Buddenbohm in
Ich schiebe einem Apotheker drei Rezepte über den Tresen. Er sucht in seinem Lager und kommt dann wieder an die Kasse.
Apotheker: Zwei davon habe ich da.
Ich: Ah ja.
Apotheker: Das hier, das müßte ich aber bestellen.
Ich: Nein danke, dann frage ich gegenüber mal.
Apotheker: Ich kann es bestellen!
Ich: Nein danke. Ich frage gleich mal gegenüber.
Apotheker: Das können sie doch nicht machen!
Ich: Äh, doch. Kann ich.
Apotheker: Sie waren zuerst bei mir!
Ich: Ja. Und jetzt gehe ich in die andere Apotheke.
Apotheker: Wenn die es auch nicht haben, kommen sie dann wieder? Und bestellen hier?
Ich: Äh…
Apotheker: Hier waren sie zuerst!
Ich: Mal sehen.
Apotheker: Ich kann es ihnen natürlich auch sofort bestellen.
Ich: Nein, danke. Ich frage drüben mal.
Apotheker: Aber dann wiederkommen!
Ich: Mal sehen.
Apotheker: Ich würde sie anrufen, wenn es reinkommt!
Ich: Tschüß dann.
Apotheker: Warten sie, nehmen sie noch ein paar Bonbons mit.
Und damit reichte er mir zwei Handvoll Traubenzuckerbonbons. Habe ich eventuell irgendeine Gesundheitsreform verpaßt, die aus Apothekern über Nacht notleidende Normalverdiener gemacht hat?
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Perlen der Lebensweisheit
by Maximilian Buddenbohm in
Diese beiden, die Urgroßeltern unserer Söhne, feiern morgen ihre Diamantene Hochzeit, sind also 60 Jahre verheiratet. Wir sind deswegen im Heimatdorf und ich habe natürlich, das Wohl meiner Leser immer im Sinn, genau gefragt wie man es denn macht, solange zusammen zu bleiben. Immerhin schaffen es heute nicht mehr allzu viele Paare über solche Zeiträume – wer weiß, was es da zu lernen gibt.
Ich: Und, wie geht das nun, daß man sich solange nicht trennt? Was ist das Geheimnis?
Uropa Heinrich: Och. Dat steht man eben so durch.
Eine andere Antwort kann man in dieser Gegend hier auch nicht erwarten. Aber vielleicht ist es auch tatsächlich das Geheimnis.
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Blumen und so
by Maximilian Buddenbohm in
Schon klar, im Frühling die Krokusse, sehr nett. Schon wahr, Latte Macchiato auf dem Sandkastenrand, das hat was. Ohne Jacke herumzulaufen, Fenster weit zu öffnen, auf dem Balkon zu sitzen, Kinder im Sand spielen zu lassen, alles ganz nett. Aber das Beste am Frühling ist doch ganz klar – endlich wieder genug Licht für Fotos zu haben.
Im Bild die Herzdame mit Sohn II.
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Fissecken
by Maximilian Buddenbohm in
Ich fahre mit Sohn I durch die Stadt, denn er mag es sehr, wenn man ab und zu einfach so etwas S-Bahn fährt. Ein günstiges Kindervergnügen. Wir steigen am Dammtor aus, weil wir in den Bus wechseln wollen, als das Kind plötzlich mitten im Bahnhof wie angewurzelt stehenbleibt, sich umsieht und „Fissecken“ murmelt. Ich verstehe nicht, was er mir sagen will, ich will weiter. Ich ziehe am Sohn. Er steht starr, zeigt vage in eine Ecke der Bahnhofshalle und sagt: „Fissecken. Will ich gucken! Jetzt!“ Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was Fissecken sind, wir sind mitten in der Rush-Hour und stehen so was von im Weg, wie es in einer Millionenstadt zur Feierabendzeit nur möglich ist. Ich hocke mich mitten im Menschenstrom vor den Sohn, dessen Unterlippe bedenklich bebt und frage nach. „Fissecken“, antwortet er, mit einer steilen Falte auf der Stirn, weil der Vater ihn nicht verstehen will.
„Gut“, sage ich, „keine Ahnung, was du meinst, aber du kannst es ja einfach zeigen. Lauf los und zeig mal Fissecken.“ Er nimmt meine Hand und geht entschlossen aus dem Bahnhof hinaus, über eine Fußgängerbrücke und an einem Denkmal entlang. Dann sieht er sich gründlich und grübelnd um, irgend etwas scheint nicht zu stimmen. Er ändert die Richtung, wir gehen über eine riesige Kreuzung, er sieht links und rechts in die Straßen hinein, nichts. Es läuft irgendwie nicht nach Plan, soviel steht fest. „Fissecken“, sagt er unwillig, „gleich hier!“. Mich überkommt auf einmal eine Ahnung, daß er Fischbecken meinen könnte. Wenn man Kleinkinder hat, lernt man mit der Zeit, sinnlose Worttrümmer solange in Gedanken mit Konsonanten aufzufüllen, bis etwas Passendes herauskommt, aber manchmal braucht man etwas länger. Fischbecken nennt er Aquarien und er liebt Fische sehr. Ich frage nach, er ist begeistert, Fischbecken, ja, Fischbecken, endlich hört Papa mal zu. „OK“, sage ich, „habe ich jetzt kapiert, Fischbecken. Aber leider sind die hier gar nicht, kein Hagenbeck weit und breit, der Zoo ist doch ganz woanders.“ Der Sohn sieht mich an und glaubt mir kein Wort, irgend etwas im Bahnhof vorhin muß ihn baulich an das große Aquarium bei Hagenbeck erinnert haben, er ist sich ganz sicher, daß es hier irgendwo sein muß, vielleicht schon hinter der nächsten Ecke da vorne, oder hinter der übernächsten oder doch hinter der da links. Er zieht mich auf wirrer Route durch die halbe Innenstadt. Ich habe Zeit, ich lasse ihn machen, ich denke, es ist vielleicht auch richtig so, dann kommt er eben irgendwann von selbst drauf, daß er sich getäuscht hat. Ab und zu erwähne ich, daß er wirklich falsch liegt, es interessiert ihn nicht, er zieht weiter, auf der Spur der Fissecken. Verblüffend, wie weit ein Kleinkind gehen kann, wenn es ein attraktives Ziel in Reichweite vermutet. Als er schließlich doch resigniert und an einer Ampel mit den Schultern zuckt und ratlos stehenbleibt, schlage ich vor, mit dem Bus nach Hause zu fahren. Wir können ja demnächst mal wieder zu Hagenbeck ins Aquarium gehen, an einem Wochenende vielleicht. „Bald?“ fragt der Kleine. „Bald“, sage ich, „ganz bald.“ „Bus“, sagt er schließlich und läßt sich willig zur Bushaltestelle führen. Schön, denke ich, das war doch jetzt bestimmt besser, als sich einfach durchzusetzen und ein schreiendes Kind durch die Stadt zu schleifen. Was bin ich wieder verständnisvoll.
Wir gehen zur Bushaltestelle. An dem Haus hinter der Station hängt ein riesiges Werbeposter. .Der Sohn bleibt abrupt stehen, zeigt mit dem Finger und klappt den Mund auf, aus dem aber vor Überraschung keine Töne kommen. Auf dem Werbeposter sieht man große Fischbecken, wollte sagen Aquarien, es ist Werbung für Hagenbecks Tierpark, mit Bildern von Haien und bunten Zierfischen, Seepferdchen und Quallen. Es sieht auf den ersten Blick ganz so aus, als wäre das Aquarium in dem Gebäude, an dem die Werbung hängt, kein Wunder, daß der Sohn so entgeistert ist. Er sieht das Bild an, er sieht mich an. „Nein, nein“, sage ich schnell und nachdrücklich, „da ist nicht Hagenbeck, das ist nur Werbung dafür.“ Er sieht das Bild an, er sagt „Fisse“, er guckt jetzt, wie man nicht übersehen kann, schwer verärgert. Das Bild hängt an einem öffentlichen Gebäude, da sind nur Beamte drin, die im weitesten Sinne vielleicht unter Schwarmfisch fallen, aber sie sind definitiv nicht das, was der Sohn erwartet. Die Tür ist aber leider zu, ich kann ihm nicht beweisen, daß da gar keine Fische drin sind. Der Sohn guckt mich an, dann guckt er wieder das Poster an, er guckt sehr, sehr skeptisch, sein Kinn schiebt sich Millimeter für Millimeter nach vorne. Ich sehe den Bus kommen. Wir können jetzt nach Hause fahren oder noch stundenlang eine vollkommen sinnlose Diskussion führen. Zeit, eine Entscheidung zu treffen.
Wenn Sie sich fragen, warum Kleinkinder manchmal im Bus wütend herumheulen – die Gründe sind eventuell komplexer als man denkt.
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Realismus für Anfänger
by Maximilian Buddenbohm in
Wir sitzen am Sonntagnachmittag in der Küche und trinken Kaffee. Sohn I langweilt sich etwas und beginnt, die Schränke auszuräumen. Schüsseln, Schalen, Töpfe, alles wird auf dem Fußboden neu arrangiert. Dann füllt er die herumliegenden Bauklötze seines kleinen Bruder in einen Topf. Schön, denke ich, diese angenehme Phase der Phantasiespiele, ganz einfache Haushaltsgegenstände reichen aus, um sich stundenlang zu beschäftigen, aus der Backform wird ein Herd, aus den Bauklötzen Gemüse – und man muß als Vater nichts dabei tun. „Na, mein Sohn“, sage ich, „kochst du uns ein leckeres Abendessen?“
Er guckt mich irritiert an und sagt dann: „Nein. Stapel ich nur Bauklötze in einen Topf.“
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Mit Charme durch die Stadt
by Maximilian Buddenbohm in
Sohn I trifft den Pastor unserer Gemeinde auf der Straße und fragt ihn grußlos, warum er draußen herumläuft. Dann weist er ihn streng darauf hin, daß er in die Kirche gehört. Er zeigt eifrig auf die Kirche, für den Fall, daß der Pastor seinen korrekten Aufenthaltsort plötzlich vergessen haben sollte: „Da rein!“. Noch während der Pastor verblüfft guckt, denkt der Kleine mit einem kritischen Blick auf die Begleitung des Pastors laut nach und möchte dann von mir wissen: „Ist das Frau von Pastor? Oder seine Mama?“
Wir gehen zum Bäcker und stellen uns an, die Schlange vor uns ist ziemlich lang. Als wir endlich dran sind, hebe ich den Sohn hoch, damit er selber bestellen kann, denn normalerweise weiß er, was er will. Heute erklärt er allerdings der Verkäuferin, daß er jetzt doch lieber in den benachbarten Bioladen möchte, weil da nämlich alles besser schmeckt. Alles. Vor allem aber die Franzbrötchen. Sicherheitshalber dreht er sich auch noch zur hinter uns wartenden Kundschaft um und stellt gut hörbar für jedermann klar: „Franzbrötchen hier nicht gut. Drüben besser.“
Wir gehen zum Bioladen, wo eine freundliche Frau gerade winzige Schnittchen verteilt, damit man einen neuen Frischkäse probieren kann. Der Sohn freut sich, weil er genau wie die Erwachsenen etwas gereicht bekommt. Als guter Tester teilt er der Dame auch gleich mit, wie es schmeckt: „Ekelig. Ganz ekelig! Kann man das nicht essen.“
Es gibt Tage, da braucht man für sein Kind einen Waffenschein.
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Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
So großartig ich Wolf Haas auch finde, er hat doch einen gewaltigen Nachteil. Wenn man nämlich selbst schreibt, ist es fast unmöglich, Haas zu lesen ohne hinterher in seinen Stil zu fallen, quasi schwere Haasifizierung. Dummerweise würde jeder sofort merken, daß man gerade Haas nachmacht, so etwas kann also nicht stehenbleiben, von dem Trip muß man irgendwie wieder runterkommen. Da braucht man etwas zum Nachspülen, eine stilistische Geradeaus-Einheit, einen literarischen Aquavit. Georges Simenon, was sonst.
„Die Ferien des Monsieur Mahé“, deutsch von Günter Seib, erschien zuerst 1946 und beginnt so:
„Er zog die Brauen zusammen. Klemmte er womöglich auch wie ein Erstkläßler die Zungenspitze zwischen die Lippen? Mit einem Flunsch und mürrischen Blicks beobachtete er verstohlen Gène und war bemüht, es ihm so exakt wie möglich nachztutun.
Umsonst. Irgendwas klappte nicht, denn das Ergebnis war dasselbe. Er war ehrlich genug, sich das einzugestehen, und hartnäckig genug, seine Ungeduld zu bezähmen. Er ließ die Hand genau wie Gène über den Bootsrand hängen, nicht höher, nicht tiefer, ganz unverkrampft; er hatte sofort begriffen, daß Anspannung schlecht war. Nur mit dem Zeigefinger lupfte er sacht die Hanfschnur der Handangel, die die Leute hier boulantine nannten.
An der Schnur lag es auch nicht. Gène hatte genau die gleiche.“
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Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß damit.
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Bitte vormerken!
by Maximilian Buddenbohm in
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Damals – heute
by Maximilian Buddenbohm in
Man tut sich immer etwas schwer, sich an Zeiten zu erinnern, als man noch ein sehr, sehr kleines Kind war. Aber ich glaube doch, es war ungefähr so: Wenn ich hingefallen bin und mir etwa ein Knie aufgeschlagen habe, habe ich solange herumgebrüllt, bis die nächstbeste zuständige Erwachsenenperson das Knie bepustet oder sonst irgendwie versorgt und mich getröstet hat. Je länger ich darüber nachdenke, desto sicherer bin ich, daß es so war.
Heute ist anscheinend irgend etwas grundsätzlich anders, ich weiß nicht einmal, woran es liegt. Ich kann an einem Beispiel veranschaulichen, was ich meine. Sohn I, noch keine drei Jahre alt, rammt im Herumtoben ein Möbelstück und hat einen blutigen Kratzer auf der Wange. Er hält an, geht zum Spiegel und stellt fest: „Hab ich Kratzer.“ Dann geht er ins Bad, zieht sich einen Hocker ans Regal, steigt rauf, holt den Medizinkorb runter, wühlt etwas herum, nimmt die Heilsalbe, schraubt sie auf, schmiert sich etwas davon auf den Finger und dann auf die Wange. Betrachtet angewidert seinen Finger und schiebt den Hocker zum Waschbecken, um sich die Hände zu waschen. Schiebt ihn wieder zurück, um die Salbe ordnungsgemäß wegzulegen. Geht zum Spiegel, begutachtet die versorgte Wunde und stellt zufrieden fest: „Hab ich Kratzer becremt.“ Dann geht er weiter toben. Meine freundliche Frage, ob ich mal pusten soll, nimmt er nicht einmal zur Kenntnis.
Ziehen die Kinder heutzutage eigentlich schon mit etwa sechs Jahren zuhause aus? Bis dahin dürften sie wohl alles können, was man dazu braucht.
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Alles neu
by Maximilian Buddenbohm in
Ich habe nach zehn Jahren eine neue Brille. Wenn ich mich im Spiegel sehe, steht da ein neuer Mensch. Trüge ich plötzlich rosafarbene Sakkos mit Straß-Applikationen und angenähten Flügelchen, ich könnte kaum fremder aussehen. Es ist, als hätte man mich ausgetauscht. Finde ich zumindest. Als ich vom Optiker nach Hause kam, sah mich die die Herzdame und sagte nichts. „Ich habe eine neue Brille“, sagte ich nach einer Weile. „Ach?“ fragte sie, ohne reges Interesse zu zeigen. Dann sah sie mich für den Bruchteil einer Sekunde an und sagte: „ja.“ Das war alles. Wir trafen befreundete Eltern, Menschen, die ich fast jeden Tag sehe. Sie bemerkten auch nichts. Ich traf die schöne Nachbarin, sie sah nichts. Die Patentante von Sohn I kam vorbei, meine Trauzeugin, mit der ich seit einer Ewigkeit befreundet bin, ihr fiel nichts auf. Der einzige Mensch in meinem privaten Umfeld, der überhaupt etwas zu der neuen Brille sagte, war Sohn I, der mich kritisch ansah und dann fragte: „Wo ist die andere Brille? Ist besser.“ Kinder haben es ja noch nicht so mit dem Geschmack, sie sind bekanntermaßen kaum in der Lage, Schönheit zu erkennen. Außer bei Baggern.
Als ich mit der neuen Brille zur Arbeit ging und am Büro des ersten Kollegen vorüberging, sah er mich aus dem Augenwinkel und rief mir nach: „Hey, neue Brille! Schick!“ Kurz darauf traf ich einen weiteren Kollegen beim Kaffeeautomaten, er gratulierte mir zum neuen Look und sagte, das wäre ja auch mal Zeit gewesen. Ich ging weiter durch die Abteilung. Schnell war klar: Jeder merkt es. Alle fanden den neuen Look toll.
Ich habe eine neue Brille, die nur Finanzbuchhaltern und grummeligen Kleinkindern auffällt. Vielleicht sollte ich mit dem Optiker noch einmal reden.
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Klassifikation
by Maximilian Buddenbohm in
Es gibt laut frischer Erkenntnis von Sohn I Zahnbürsten für Kinder und Zahnbürsten für Verwachsene. Denken Sie mal drüber nach.
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Die verrückten Italiener
by Maximilian Buddenbohm in
Wenn man eine ganze Weile darüber nachdenkt, wie man denn bitte darauf kommen kann, ganz im Ernst „eine Handvoll Karpfen“ als Zutat in einem italienischen Kochbuch für Pasta-Rezepte aufzuführen und erst nach langem Nachdenken darauf kommt, daß da womöglich Kapern und nicht Karpfen steht, dann sollte man das Konzept Lesebrille womöglich noch einmal mit dem Augenarzt besprechen.
Wobei man natürlich eventuell interessante Erfahrungen am Herd verpaßt.









