Zur Kulturgeschichte der Umwelt und des Spielzeugs

Feb 18th, 2010 von Maximilian Buddenbohm

Als ich geboren wurde, 1966, da gab es noch gar keine Umwelt, da nannte man das noch „draußen im Garten“ oder, wenn es um mehr ging, „Gegend“. Als ich Kind war, konnte man draußen noch alles verplempern, versauen, verdrecken, das hat keinen interessiert, es war anscheinend von allem genug da. Genug Wasser, genug Luft, genug Sommer, genug Winter. Umwelt begann für mich als Begriff erst am Bauzaun von Brokdorf, um meine Lieblingsveteranenphrase wieder einmal anzubringen. Ihr dürft das googeln, liebe Kinder.

Als ich Kind war gab es ein Spiel, bei dem man mit einer kleinen Angel bunte Pappfische, Hummer und anderes aus einem Karton-Aquarium angeln konnte. Für die kleinen Fische gab es Punkte, für die großen Fische gab es natürlich mehr Punkte. Für alte Stiefel, die man auch angeln konnte, gab es nichts. Pech gehabt.

Sohn I hat auch so ein Angelspiel, manche Sachen bleiben ja gleich. Oder fast gleich. Ich hatte damals Haken an den Angeln, er hat Magneten. Das macht das Spiel nicht lebensechter, aber egal. Auch bei seinem Spiel kriegt man Punkte für die kleinen Fische und mehr Punkte für die großen Fische. Am meisten Punkte kriegt man heute aber für die alten Stiefel, denn die gehören nicht ins Meer und der kleine Umweltengel muß für sein Aufräumen belohnt werden.

Ich bin ja gespannt, wenn Sohn I bald in das Alter für „Mensch ärgere dich nicht“ kommt. Ob man die Spielfiguren noch einfach wie damals rauswerfen darf – oder muß man erst einen Sozialplan aufstellen?

12 Kommentare

  • Der Struwwelpeter ist noch unverändert.

  • Großartig. Schade, dass ich nicht twittere, würde ich gerne verbreiten :)

  • :-)

    Für die Spielfiguren einen Sozialplan und für den Gegner ein psychotherapeutisches Notfallprogramm.

  • Ui, böse in die Falle gegangen: Natürlich darf es nicht “Gegner” heißen, sondern “Mitbewerber um den Spielsieg” !

  • hm, also ich finds gut… schaden kanns ja wohl nicht und wenn die kleinen so vielleicht was lernen…

  • Und was passiert beim Malefiz? Wird dann “Die Mauer muss weg!” skandiert?

  • das angelspiel mit magnet hatte ich auch schon, aber stiefel gabs da nicht
    find ich aber echt witzig :)

  • ich kenn das Spiel auch nur noch mit den Magneten, aber mit Stiefeln, bin aber auch Jahrgang 72, die 6 Jahre machen scheinbar in den Spielen viel aus. Kann mich bloß nicht erinnern, ob und welche Punkte es gab … Ist dann doch zu weit weg in der Vergangenheit.

    Hier kommt der Standardsatz der Alten: Früher wars doch besser!

    Ja es stimmt, es war einfacher und wie du schon im Artikel sagst, es gab einfach alles und es gab kein Stress wegen ein bisschen dies oder das … heute ist das schon anders. Irgendwie traurig, gerade wegen meiner Tochter, so frei und sorglos wird ihre Kindheit wohl nicht werden. Vielleicht pflanzt sie dann ein Bäumchen anstelle von Rupf-die-Sonneblume-raus.

    Mensch Ärger Dich Nicht mochte ich gerne, aber jetzt als Erwachsene find ich das Spiel schon irgendwie zu hart, Mobbing mal anders! Ist genauso wie Reise nach Jerusalem, heulende Kinder und nicht nur, weil man kein Stuhl abbekommen hat, nein, man wurde gerade wie ein Kegel durch den Raum geschickt und landete fröhlich und unerwartet gegen die nächst beste Wand.

    Ich frag mich, ob es sich heute noch lohnt ne Barbie zu kaufen, oder doch lieber gleich die WII Anlage mit Germany’s Next Top Model oder dem Kochkurs für das andere Ding … komm gerade nicht auf den Namen.

    Tja, wie gesagt: Früher wars doch halt besser!

  • Ja ja, bei “Risiko” durfte man ja auch irgendwann nicht mehr erobern, sondern nur befreien, oder verteidigen … oder befrieden … Aufbauhilfe mit vorgeschaltetem Granatenaushub leisten? Ich weiss es nicht mehr.

    Beim “Mensch-ärgere-Dich-nicht” heisst es wohl auch nicht mehr “ab ins Haus”, wenn man rausgeschmissen wird, sondern “ab in den Hartz 4”.

    Schöner Artikel, habe ihn gebuzzt: http://www.google.com/buzz/jo.jmatic/FbVv6UZ4Qku/Ja-ja-bei-Risiko-durfte-man-ja-auch-irgendwann

  • Also in einem Anfall von “wir spielen ab sofort mehr klassisches” hab ich um Weihnachten rum eine altmodische Spielesammlung erstanden. Erstaunlicherweise sieht “Mensch ärger Dich nicht” noch genau so aus und auch die Regeln gelten auch noch. Vielleicht schnell zugreifen bevor sich das ändert :) Am erstaunlichsten ist jedoch wie sehr beide Kinder Spaß an dem Spiel haben und wie sie sich freuen wenn sie eine Figur rauswerden dürfen.

    LG

  • Ich hab 3 Kinder, “Mensch ärgere mich” und Memory sind die ersten Lieblingsspiele, später Rommé, UNO, Carcassonne, Scrabble, Monopoly und Schach. Und vorlesen von klein auf. Die Jüngste (3 1/2) gruselt sich sehr gern bei Rotkäppchen, “Hänsel und Gretel” und “Peter und der Wolf” als Film oder vorgelesen. Natürlich spielen die Großen auch Pokemon oder Nintendogs auf dem DS, aber ich habe passe auf, was meine Kinder fernsehen, oder spielen oder am Computer machen.

  • @Dentaku

    Denkste, gerade der Struwelpeter nicht:
    - Der Anti – Struwwelpeter oder listige Geschichten und knallige Bilder. * von Friedrich Karl Waechter ISBN-10:3-257-00717-5
    - Struwwelpeter: Die Rückkehr. Tokyopop Comedy * von David Füleki ISBN-10:3-86719-652-4
    - Struwelpeter für Manager. Eine Anleitung zum Ungehorsam * von Fritz Maywald, ISBN-10:3-932425-42-1
    - Der Struwwelpeter Dichtung und Deutung. Eine psychoanalytische Studie * von Anita Eckstaedt ISBN-10:3-518-42077-1
    - Der Struwwelpeter für Eltern. Mut zum Erziehen. Mit Liebe und Selbstvertrauen Eltern sein * von Karl L. Holtz * Christine Weiner ISBN-10:3-442-39131-8

    und nicht zu vergessen
    - Die Struwwelliese * von Cilly Schmitt-Teichmann ISBN-10:3-89600-917-6

    nichts bleibt, wie es ist… :-)