Vor einem Dönerladen am Hauptbahnhof steht eine Gruppe von Jugendlichen im schwer bestimmbaren Pubertätsalter, die Jüngsten sehen aus wie 12, die Ältesten wie 18, die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen. Außer Form geratene Hormonbomben, die Jungs breitschultrig und verpickelt, die Mädchen aufgedonnert wie bei einer Miß-Feuerwehr-Wahl in irgendeinem unschönen Vorort.

Man streitet sich um Pommes, die einer von ihnen eben aus dem Dönerladen geholt hat, es wird ein wenig geschubst und gestoßen, lautes Lachen, Kreischen, ein paar Pommes landen im Schnee. Sie keifen sich jetzt etwas lauter an, die größeren Jungs stoßen die Kleinsten herum, einer tritt dem Mädchen, das die Pommesschale hält,  schließlich in den Hintern, schwer zu erkennen, ob es noch Spaß ist oder schon nicht mehr. Passanten bleiben stehen und gucken. Das getretene Mädchen weiß nicht recht, wer sie da gerade angegriffen hat, sie fragt ihre Freundinnen und sortiert deren widersprüchliche Aussagen. Dann schlägt sie ohne weitere Verhandlung dem Schuldigen mit einem verblüffend nach Preisboxer aussehenden Schlag so kräftig ins Gesicht, daß der mit Schwung auf dem Boden landet, sich die Nase hält und einen Augenblick stöhnend liegenbleibt. Die Freundinnen lachen beifällig und klatschen, die anderen Jungs gucken irritiert. Der Junge auf dem Boden, der sich langsam wieder aufrappelt, spricht aus, was sie wahrscheinlich alle denken: „Ey Scheiße, bist du verrückt, du bist ein Mädchen! Das kannste doch nicht machen!“

Das Mädchen geht zu dem jetzt Knienden hin, nimmt ihn am Kragen und stellt sehr laut klar: „Ich bin eine Dame, du Wichser!“

Und in dem unschönen Vorort sitzen wahrscheinlich die Eltern und fragen sich, ob es wirklich richtig war, die Kleine am Abend nach Hamburg zu lassen. Man hört ja so viel von aggressiven Jugendlichen, in letzter Zeit.

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