Veränderungen
Die Herzdame war mit den Söhnen übers Wochenende im Heimatdorf, ich bin in Hamburg geblieben und habe gearbeitet. Von Freitag bis Sonntag ist es eine lange Zeit ohne Kinder, wenn man das gar nicht mehr gewohnt ist. Es fällt mir tatsächlich schwer, mich längere Zeit zu konzentrieren, wenn ich mich dabei gegen gar nichts wehren muß, wenn da keine am Ärmel zerrende Kinderhand ist, keine schräge Xylophonmusik, kein schreiendes Baby.
Nichts als Ruhe. Ab und zu die Kirchenglocken, sonst nichts. Unheimlich. Ich habe irgendwann die CDs mit der Kindermusik aufgelegt, die Sohn I immer hört, dann ging es.
Sohn I nimmt natürlich bei den Besuchen im Heimatdorf immer mehr wahr, er versteht die Unterschiede zwischen der großen Stadt hier und dem kleinen Dorf da immer besser. Allmählich lernt er auch die sprachlichen Unterschiede, ein Schlafanzug zum Beispiel heißt nur in Hamburg so, in Nordostwestfalen sagt man Pölter dazu. „Bin ich im Pölter“, sagte er mir abends am Telefon, als wäre er zweisprachig aufgewachsen. Er hat sich verändert, in diesen drei Tagen, und das nicht nur, weil die Großmutter ihm die Haare geschnitten hat. Ich stelle kleine Unterschiede in der Art, in der er sich ausdrückt fest, in diesem Alter können drei Tage viel auslösen. Das Nordostwestfälische, jene schwer zu beschreibende, erdverbundene und direkte Lebensart färbt schnell auf ihn ab, wie mir an kleinen Beispielen auffällt.
Vor der kurzen Reise sagte er etwa, wenn er mal mußte und mich in Richtung Toilette zog: „Papa, muß ich Pipi, bitte.“
Heute abend sagte er: „Pinkeln, los jetzt.“





einfach schön
- ging es mir doch vorletzte Woche genau so.
Nur ein kleiner Unterschied: unser Sohn war nicht in Nordwestfalen, sondern im Sauerland, woll. Das “woll” hat er Gott sei Dank nicht übernommen, doch aß er mehrere Tage zum Abendbrot ein “Butter” und “ging nach der Oma”
Ansonsten kam er mit rosige, Wetter gegerbten Wangen zurück, dass ist doch auch schön.
Die Kindermusik habe ich mir dann doch nicht gegeben, auch wenn die Sehnsucht nach Kind und Mutter groß war.
Ich warte mit Besorgnis auf den Tag, an dem unser zweijähriger Randmittelhesse (Papa ist aus Norddeutschland und spricht selbstverständlich reinstes Hochdeutsch!) “bei die Oma gehen” will…
Oh, wie lange hab ich das nicht mehr gehört… ich komme aus dem Ruhrpott (also nicht weit weg von der Herzensdamenheimat) und meine Oma nannte ihr Nachthemd auch immer “Nachtpölterken”. *seufz*
Wenn euer Sohn I mit noch nicht einmal zweieinhalb Jahren angibt zur Toilette zu müssen, dann liegt er DEUTLICH unter dem heute üblichen Durchschnittsalter hierfür. Jetzt erklär bitte, Merlix, wie Euch dies gelungen ist! Ich kann Anregungen hierzu gut gebrauchen.
Merlix,
ich kann Kirsten nur beipflichten. Wir wüssten auch zu gerne, wie man einen 2 1/2 Jährigen zur Nutzung der Toilette kriegt.
Wir haben da gar nix gemacht, das ist Glückssache – er hat einfach beschlossen, keine Windel mehr zu brauchen und weigert sich größtenteils, mit einer herumzulaufen.
Och nee. Was ist denn das jetzt für eine enttäuschende Erklärung? Frag doch noch mal die Herzdame. Vielleicht ist dir da was entgangen. Hat das eventuell was damit zu tun, dass er früh in der Kita war?
Wenn ich Marie mal zwei-drei Tage nicht sehe, finde ich auch immer, dass sie sich verändert hat. Irgendwie komisch.
Viele Grüße, Andrea
Vergessen Sie nicht, nicht nur die Umgebung wird ihn prägen. Auch die Gene der Sippe schlummern in diesem Knaben! Sie kennen diesen Schlag Menschen, wie aus Ihren Blogeinträgen vielfach hervorgeht. Es ist nicht das Schlechteste, wenn ein Mensch sich unmissverständlich, klar und deutlich ausdrücken und zugleich einen besonderen Charme in sich trägt! Ihr Ostwestfalen-OSKAR!
@Kirsten
Die Kita kann nicht dafür herhalten. Unser Kleiner ist seit seinem Dritten Lebensmonat für 3 Tage in der Krippe ignoriert aber eindringlich alle Andeutungen, dass das Leben ohne Windeln noch schöner sei.
Oder hätten wir ihn täglich in die Krippe bringen müssen?
@Kirsten & Papi:
vermutlich hat es eher etwas damit zu tun, dass Kinder leicht trocken werden wenn man sie mit dem Thema in Ruhe lässt. Sie wollen doch sowieso und finden es enorm spannend bei Toilettengängen mit dabei zu sein, bis sie das Abenteuer selbst leisten können.
Das deutliche Gefühl die Eltern lauern auf windelfrei, wirkt da eher kontraproduktiv. Bisher hat es noch jedes Kind in normaler Zeit geschafft, wie wäre es mit einem Töpfchen voll Entspannung? ;-)
@Nachbardrache
Keine Sorge wir sind noch entspannt. Wir habe auch der Versuchung widerstanden kratzigere Windeln zu kaufen. Das war angeblich ja das Erfolgsrezept von DDR-Krippen :-)
Nein unser Kleiner darf seine Windel noch haben. Aber träumen dürfen die Eltern schon, oder? Und wenn der Kleine einem so interessiert zuschaut, darf Mann mal hier und da nachfragen. Dass bei dem Thema Druck nichts nützt, ist auch bei uns angekommen. :-)
Wobei ich mir die Übergangszeit mit alle 15 Minuten Pipimachen begleiten auch nicht rosig vorstelle.
@Kirsten & Papi:
Angefangen hat das Trockenwerden eigentlich schon im Sommer, als wir Sohn 1 auf dem Spielplatz ohne Windel haben laufen lassen. Nachdem er mehrfach verkrampft und unglücklich übern Platz lief, weil der nicht in den Sand pinkeln wollte, und ich das endlich geschnallt habe, habe ich ihm das “Baum-Pipi” vorgeschlagen. Das war der große Renner und seit dem ging es. Wir haben es dann nicht weiter gefördert, weil Sohn 2 und er Winter dazwischen kamen, aber jetzt will er von sich aus keine Windel mehr. Dafür schläft er bis heute noch nicht durch.
Aber vielleicht versucht Ihr es einfach mal mit “Baum-Pipi”…
@Herzdame
Also doch! Habe es mir doch gedacht, nicht “Wir haben da gar nix gemacht, das ist Glückssache”, sondern hinter dem Glück des Mannes steht oft eine Herzdame, manchmal mit einem “Baum-Pipi”. Funktioniert das auch bei Euch zu Hause? Bei uns hat meine Herzdame ein sinngemäß “Im Stehen Pieseln verboten-Schild” aufgehängt. Unser Kleiner hat es schon eingehend betrachtet. Vielleicht hält ihn das ja noch ab!?
Aber ehrlich, ich bin mir nicht sicher, ob das jetzt gerade die richtige Jahreszeit für “Baum-Pipi” ist. Das könnte doch Erfrierungen geben, oder?