Es ist immer interessant, was Kinder tun, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Man wirft einen Blick auf das echte Wesen des Kindes, das sich gerade nicht irgendeiner erzieherischen Anforderung beugen muß oder jemanden gefallen will, das seine Handlungen nicht auf Aufmerksamkeit ausrichtet und nicht aus Trotz agiert. Es ist einfach so, wie es ist. Pur.

Es ist noch sehr früh am Morgen, Sohn I vermutet mich gerade im Badezimmer. Er stromert durch die Wohnung und betritt schließlich die Küche. Er ahnt nicht, daß ich im dunklen Flur stehe, von wo aus ich ihn gut sehen kann. Der Sohn geht zum Kühlschrank, öffnet die Kindersicherung und macht die Tür auf. Er nimmt eine Packung Jagdwurst und reißt sie mit den Zähnen auf, zerrt drei Scheiben Wurst aus der Packung und wirft sie auf den Küchentisch. Dann tritt er die Kühlschranktür zu und schließt sorgsam die Kindersicherung. Schiebt sich einen Stuhl an die Arbeitsplatte, klettert hinauf und steckt eine Scheibe Brot in den Toaster. Guck an, denke ich erfreut, ist die tausendfach gepredigte Botschaft „keine Wurst ohne Brot“ doch tatsächlich bei ihm angekommen, wer hätte das gedacht. Der Sohn klettert wieder runter, geht zum Küchentisch und stopft sich die drei Scheiben Wurst auf einmal in den Mund. Klettert dann noch einmal zum Toaster, der gerade das Brot ausspuckt, nimmt die Scheibe, steigt ab, geht zum Müll und wirft sie weg. Fegt mit dem Zeigefinger zwei Krümel vom Mülleimerrand und bleibt einen Augenblick stehen, denn das Kauen der Wurstmenge erfordert seine ganze Konzentration.

Dann geht er aus der Küche, um nachzusehen, was der Rest der Familie so treibt. Sieht mich im Flur, schluckt den letzten Wurstrest und sagt freudestrahlend: „Hab ich gefrühstückt. Mit Brot!“

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