Dezember, 2009 Archives

8
Dez

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Hans-Ulrich Treichel, ich erwähnte es bereits mehrfach, schätze ich sehr. Zum einen schreibt er auf eine äußerst angenehme und überhaupt nicht arrogante Art geistreich und sehr durchdacht, zum anderen schreibt er immer wieder über nur ein wiederkehrendes Thema. Noch ein Buch und noch ein Buch. Der Bruder, der auf der Flucht aus Ostpreußen verlorenging und die Folgen dieses Unglücks für die verbleibende, im ödesten Westfalen gelandete Familie. Klingt vielleicht langweilig, ist es aber überhaupt nicht. Klingt vielleicht auch sehr trostlos, ist es aber auch überhaupt nicht. Hier eine Erzählung, da ein Roman, dann eine Vorlesung, wahrscheinlich gibt es von ihm auch schon Gedichte darüber. Ich finde das ganz wundervoll, denn einerseits ist jedes seiner Bücher lesenswert und anders, zum anderen fällt mir in meinen Geschichten auch immer nur ein Thema ein, ich verstehe das.

Hans-Ulrich Treichel: Anatolin. Der Roman erschien zuerst 2008 und beginnt so:

“Abfahrt Berlin Hauptbahnhof 12.37 Uhr. Ankunft Kutno 17.07 Uhr. Der Berlin-Warszawa-Expreß war reservierungspflichtig. Ich hatte einen Platz an der Abteiltür reserviert, da ich sowohl im Flugzeug als auch in der Bahn zu Beklemmungen neige, wenn ich nicht am Gang beziehungsweise an der Abteiltür sitze. Neben mir war zudem frei, so daß ich mich auf eine entspannte Reise freuen konnte. Mir gegenüber saß eine ältere, ganz in Schwarz gekleidete Dame und daneben ein junges, unübersehbar verliebtes Pärchen.”

5
Dez

Tischgespräch vor zwei Tellern mit Nudeln

by Maximilian Buddenbohm in

A: Hmmm, Pesto.
B: Bäh, Pesto.
A: Ich mag Pesto
B: Ich mag kein Pesto.
A: Hm.
B: Hm.
A: Lecker, Pesto.
B: Mag ich nicht!
A: Magst du nicht. Aber ich.
B: Du magst Pesto. Bäh.
A: Mag ich.
B: Ja.
A: Pesto ist sehr gut.
B: Pesto ist nicht gut.
A: Doch.
B: Nein. Bäh.
A: Mag ich!
B: Nicht!
A: Doch!
B: Pesto!
A: Nein!
B: Doch!

(Das Gespräch wird kurz durch eine Schlägerei unterbrochen, die Nudeln landen an der Wand und auf dem Fußboden)

A: Pesto weg.
B: Nudeln auch weg
A: Schade.
B: Ja, schade.

Man sollte vielleicht dazu erwähnen, daß A und B etwas über zwei Jahre alt sind. Es handelt sich um Sohn I und seinen besten Kumpel, und Sie fangen gerade erst an, miteinander zu reden. Es ist eine sehr schwere Zeit für die Eltern, weil man dauernd vor Lachen vom Stuhl fällt und es nicht schafft, dabei überhaupt irgend etwas zu essen, weder mit noch ohne Pesto.

4
Dez

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß damit.

3
Dez

Empathie

by Maximilian Buddenbohm in

In guten Ehen können beide Partner mit tiefem Verständnis rechnen, auch dann, wenn es um persönliche Schwächen geht. Man fühlt mit, nimmt Rücksicht und geht liebevoll und hilfreich auf leichte Mängel am anderen ein. Ich zum Beispiel habe, nicht wenige werden es verstehen, panische Angst vor Zahnärzten.

Ein aktuelles Gespräch dazu:

Herzdame: Ich habe einen Zahnarzttermin für den großen Sohn gemacht.
Ich: Ah ja.
Herzdame: Muß ja mal sein. Kennt er noch nicht.
Ich: Der Glückliche.
Herzdame: Und weil er ein Vorbild braucht, gehst du mit und kommst zuerst dran. Er guckt dann zu. Was Papa macht, ist ja gerade so wichtig.
Ich: Äh…
Herzdame. Und laß dir bloß nichts anmerken, er muß denken, es macht Spaß.
Ich: Äh…
Herzdame: Und am besten verzichtest Du auf die Betäubung, Spritzen sehen immer so gruselig aus.
Ich: Bitte?
Herzdame: Und hör endlich auf mit dieser Anstellerei.

3
Dez

Auf der Straße

by Maximilian Buddenbohm in

Wenn ein Häuflein junger Menschen über eine gesperrte Straße marschiert und es dabei auf einer Länge von über einem Kilometer nicht schafft, sich auch nur halbwegs auf einen einheitlichen Sprechgesang zu einigen, statt dessen aber wild in Kleinstgrüppchen debattiert und dabei Transparente hochhält, die in sehr kleiner Schrift mit so viel Text beschrieben sind, daß garantiert kein Passant erkennen kann, worum es überhaupt geht, dann handelt es sich um eine handelsübliche Studentendemo 2009.

Gibt es denn nicht so etwas wie Demo-Coaches? Diesen trostlosen Anblick hält man als Brokdorf-Veteran gar nicht aus.  Opa erzählt vom Krieg, ja, ja.