Dezember, 2009 Archives
Dez
Dez
Sohn II macht auch mal was
by Maximilian Buddenbohm in
Er kommt ja bisher fast gar nicht vor, obwohl er jetzt schon über drei Monate alt ist, es dreht sich hier fast immer alles um Sohn I. Der macht einfach mehr. Sohn II macht tatsächlich noch nicht sehr viel, außer trinken, schlafen und lachen. Das hat zwar so mancher auch als Lebensziel, aber es ergibt doch zunächst nicht viele Geschichten, zumal wenn man all die Babypointen schon bei Sohn I verbraucht hat. Die Schwierigkeiten beim Wickeln, beim Schlafen, beim Herumtragen – über alles wurde schon bei Sohn I berichtet. Da muß man sich als zweites Kind schon etwas Mühe geben, wenn man auch einmal erwähnt werden möchte.
Wir waren auf besonderen Wunsch von Sohn I am Heiligen Abend in der Kirche, eine Erfahrung, die mir bisher gänzlich fremd war. Das ganze Heimatdorf schien den kleinen Bau der Friedewalder Kirche zu füllen, es gab sogar Gedrängel um die Stehplätze. Man schwitzte kollektiv in dem völlig überheizten Gotteshaus, während oben neben der Orgel der dörfliche Posaunenchor dröhnte. Sohn I war vollkommen hingerissen und sah sich beglückt in dem Kirchenschiff um, er scheint einen Sinn für Inszenierungen zu haben. Sohn II lachte fröhlich vor sich hin, das tut er aber in der Regel bei jeder Gelegenheit. Der Pastor begann zu predigen, Sohn I hörte beeindruckt zu, wobei er mir mehrmals nachdrücklich “Pastor!” und “gleich Lala!” zuflüsterte. Immer gut, jemanden dabeizuhaben, der einem alles erklärt. Der Pastor las aus dem Lukas-Evangelium und endlich, endlich sah auch Sohn II seine Stunde gekommen, um etwas zu machen, was ihm allgemeine Aufmerksamkeit schenken sollte. Er wartete bis der Pastor bei der Stelle “Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe” war, um dann genau bei diesen Worten, in verblüffender Lautstärke und für die ganze Gemeinde schön hörbar, seine eigenen Windeln unter langem Furzen reichlich zu füllen, begleitet von einem zufrieden glucksenden Lachen. Natürlich brachte dieses Geräusch jeden dazu, ganz unmittelbar zu verstehen, daß aus dem frisch geborenen Gott nun eine zunächst sehr irdische Angelegenheit geworden war. Und da die Herzdame mit dem Kind nicht mal eben aufstehen konnte, ohne gleich die ganze Gemeinde aufzuscheuchen, hat sie die Windeln neben sich auf der Kirchenbank gewechselt, so daß die frohe Botschaft auch allgemein über die Nasen wahrgenommen werden konnte. Ob darüber nun jubelnd der Engelein Chor schwebte oder nicht, unten ging es zunächst einmal um Kacke, am Ende ist das eben auch ein Aspekt der Weihnachtsgeschichte. Und daß die Heiligen Drei Könige Weihrauch und Myrrhe brachten, wer weiß, am Ende hatte es einen ganz praktischen Hintergrund.
Und ich bin ein wenig stolz, daß Sohn II schon so früh Sinn für Pointen hat.
Dez
Zwischen den Jahren
by Maximilian Buddenbohm in
Wie immer zu dieser Zeit gibt es drüben im Westen ein neues Jahreshoroskop von mir – viel Spaß!
Dez
Telefongespräch am Morgen danach
by Maximilian Buddenbohm in
A: Hallo?
B: Hallo!
A: Weinahmann?
B: Rentier!
A: Chriszimt!
B: Engel!
A: Kirche, Pastor, Jussuf!
B: Lala!
A: Gessenke?
B: Ja!
A: Was?
B: Werkzeugkoffer!
A: Monsterbuch!
B: Toll!
A: Toll!
B:: Weinahsmonster!
A: Werkzeugmann!
B: Toll!
A: Toll!
B: Tschüss!
A: Tschüss!
Wenn Sohn I mit seinem besten Kumpel telefoniert, kommen die beiden immer noch mit sehr wenig Text aus. Es ist aber doch das Wesentliche gesagt worden.
Dez
Zitat des Tages
by Maximilian Buddenbohm in
“Ohne Lametta is’ kein Weihnachten.”
(Der Vater der Herzdame. In manchen Geschmacksfragen ein sehr, sehr einsamer Mann.)
Dez
Frohe Weihnachten
by Maximilian Buddenbohm in
Dez
Kunst
by Maximilian Buddenbohm in
Der Spiegel. Eigentlich störte der. Da sah er immer ein erwachsenes Gesicht, wenn er mal nicht auf sein Meer im Waschbecken schaute. Das kam aber selten genug vor, es gab ja viel zu beaufsichtigen.
(Bei Gerd Brunzema kann man Druckgrafiken bestellen, indem man ihm einfach einen Satz zuwirft. Er setzt das dann künstlerisch um in Bild und Wort – gucken Sie mal auf seiner Seite, das ist ganz wundervoll.
Oben zum Beispiel Grafik und Text zum Gesamttitel meiner Travemünde-Texte, „Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein“. Ist das großartig? Ja, aber sicher doch. Und wie. Habe ich mir gleich selbst geschenkt.)
Dez
Weihnachtspersonal
by Maximilian Buddenbohm in
Nachdem ich wochenlang intensiv und ergebnislos versucht habe, Sohn I klarzumachen, daß die Mutter von Jesus nicht Mandarina sondern Maria heißt, ist er seit heute morgen plötzlich der Überzeugung, ihr korrekter Name sei Malaria. Malaria voll der Gnaden, am Ende hat es alles einen tieferen Sinn, wer weiß. Das Kind in der Krippe heißt nach seiner Meinung übrigens Jussuf, was für die christlich-islamische Versöhnung natürlich ganz neue Möglichkeiten erahnen läßt. Wir beobachten das gespannt weiter – und wenn sich seine Kenntnisse demnächst zu einer kompletten religiösen Botschaft neuerer Art zusammenfassen lassen, werden wir natürlich berichten. Die Überlieferungen können ja sicher alle paar Jahrtausende einmal neuen Input vertragen, denke ich.
Dez
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.
Dez
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Schnell noch eine Bildungslücke geschlossen, bevor das Jahr endet. Noch nie etwas von Ford Madox Ford gelesen, das wird dann ja einmal Zeit, könnte man denken, nachdem man den Namen tausendmal in Literaturgeschichten wahrgenommen hat. Mehr über Ford Madox Ford, wenn ihnen gar nichts dazu einfällt, gibt es z.B. hier. “Keine Paraden mehr”, ein Roman, der im ersten Weltkrieg spielt, erschien zuerst 1924. Die Übersetzung von Joachim Utz beginnt so:
“Wer hier eintrat, fand sich einem unaufgeräumten, rechteckigen Raum, feucht vom warmen Schwitzwasser einer Winternacht und erfüllt von dem braun-orangenen Staub des Lichts. Er hatte die Form eines von einem Kind gezeichneten Hauses. Drei Gruppen braun bekleideter, mit messinggelben Tupfern besprenkelter Körper wurden von Lichtstrahlen aus einem durchlöcherten, mit glühenden Kohlen gefüllten Eimer beleuchtet, der mit einem trichterförmigen Blech abgedeckt war. Zwei Männer kauerten auf dem Boden neben dem Bunkerofen, als hätten sie hierarchische Gründe kleiner zu sein; vier, zwei an jedem Ende der Hütte, waren in einer Haltung äußerster Gleichgültigkeit über dem Tisch zusammengesunken.”
Dez
Kekse
by Maximilian Buddenbohm in
Ich bin im Freundeskreis nicht wenig kritisiert worden, wegen dieses kleinen, harmlosen Artikels über die Keksbackkünste der Herzdame. Man hatte das vage Gefühl, ich würde ihr Unrecht tun. Ich tue, was ich tun kann, um dieser Kritik offen entgegenzutreten, ich schildere einfach, wie andere betroffene Personen auf diese Plätzchen reagierten.
Sohn I: Er ist natürlich nicht ganz unschuldig, er hat die Kekse immerhin mitgebacken, aber die Haupttäterschaft liegt doch fraglos bei der Herzdame. Weil das aber seine Mutter ist und er ein gutes Kind ist, hat er sich zunächst auf ihre freundliche Frage “Na, ein Keks für Dich?” immer einen Keks genommen, sie verbindlich angelächelt, einmal abgebissen und sich dann erst heimlich zum Mülleimer geschlichen, um die durchweichten Krümel dort leise würgend zu entsorgen. Nach einer Weile wurde ihm das aber zu umständlich, er nahm sich dann einfach hin und wieder einen Keks aus der Dose, wedelte ihn durch die Luft, rief “Mama, Keks”, damit sie auch merkte, das er an sie dachte – und dann brachte er den Keks direkt und unzerkaut in den Müll. Er wird jetzt wahrscheinlich denken, daß Weihnachten so gehört, seine Partnerinnen werden es ihm später wieder abgewöhnen müssen.
Der Vater der Herzdame: Er hat die Kekse tapfer probiert, gründlich gekaut und dann lange sinnend in die Luft gesehen. Dann sagte er, als würde es ihm zusammenhangslos einfallen, daß es in der Familie ja auch eine Tante gäbe, die anständig backen könne, mit richtig eßbarem Ergebnis.
Die Mutter der Herzdame: Hat nach dem ersten Keks noch mit gebotener Freundlichkeit gefragt, ob das Rezept aus “so einem Biobackbuch” stamme. Nach dem zweiten Keks hat sie die Reste allerdings kurzerhand an ihren Hund verfüttert, der gerade Durchfall hatte – und da sei Trockenfutter ja immer besser als das aus der Dose, sagte sie.
Ich bin immer wieder überrascht, wie gut ich in diese Familie passe.
Dez
Vorschau
by Maximilian Buddenbohm in
Dez
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß damit!
Dez
Irrealis
by Maximilian Buddenbohm in
Wenn der Kühlschrank einmal gänzlich leer wäre und wenn auch der Schokoladenschrank nichts mehr hergäbe und alle, wirklich alle Vorräte verbraucht wären, wenn die Läden ringsum alle geschlossen wären und kein Restaurant mehr geöffnet wäre, wenn die Kioske verriegelt wären und die Tankstellen im Dunkeln lägen, wenn ich schon seit Tagen nichts mehr gegessen hätte und auch keine Sägespäne irgendwo zu finden wären – dann zöge ich vielleicht in Erwägung, das zu essen, was die Herzdame gestern unter dem Titel “Weihnachtsplätzchen” gebacken hat.
Dez
Zitat des Tages
by Maximilian Buddenbohm in
„Mi geiht dat good! Dat Schlimmste is man, dat de Pastor kümmt!“
(Der Großvater der Herzdame kommentiert seinen 81. Geburtstag)









