Man sagt Hamburg nach, eine sehr verregnete Stadt zu sein. Dem ist schwer zu widersprechen, über das Ausmaß des Problems kann man aber natürlich streiten. Man kann Statistiken zu Rate ziehen, man kann sich an das Leben in anderen Städten erinnern, man kann mit Freunden diskutieren, die aus ganz anderen Gegenden kommen. Hamburg im Dauerregen – kann stimmen, kann auch nicht stimmen. Die eigene Wettererinnerung ist eine ausgesprochen problematische Angelegenheit

Man kann aber auch darauf achten, wie kleine Kinder das Wetter hier beurteilen, die haben keine Vergleichswerte, frisch wie sie sind, für die ist alles wahr und absolut, wie es jetzt ist. Zweijährige kommentieren allerdings das Wetter eher nicht, sie nehmen alles so hin, wie es kommt. Es wird früher dunkel, die Blätter fallen von den Bäumen, Nebel über der Alster – alles kein Problem, das ist eben so, das ist keine Bemerkung wert. Es muß schon etwas sehr Spezielles passieren, damit ein zweijähriges Kind etwas zum Wetter sagt – und diese Aussagen sprechen dann auch Bände. Heute morgen zum Beispiel ging ich mit Sohn I aus dem Haus, es war ein warmer, trockener Spätherbstmorgen mit vereinzelten netten Wölkchen vor dunkelblauem Morgenhimmel. Der Sohn stand vor der Tür, den Kopf weit in den Nacken gelegt, sah ratlos nach oben und fragte dann entgeistert: „Wo ist mein Regen?“

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