Prägende Erfahrungen

Nov 3rd, 2009 von Maximilian Buddenbohm

Ich nehme an, daß es sehr viele Möglichkeiten gibt, vom ersten bewußt erlebten Laternenumzug des Lebens beeindruckt zu sein. Man könnte zum Beispiel von der Musik fasziniert sein oder auch einfach davon, daß die Musik mitmarschiert, so etwas tut sie ja sonst nicht. Man könnte die neuen Lieder toll finden, diese eingängigen Melodien, die prägnanten Refrains, Rabimmel, Rabammel. Man könnte es toll finden, daß die Mütter und Väter alle mitsingen oder man könnte sich wundern, warum viele mitlaufende Großeltern so gerührt gucken. Man könnte das Herumlaufen im Dunkeln überhaupt toll finden, wann macht man so etwas schon, wenn man erst zwei Jahre alt ist. Man könnte ungeheuer beeindruckt davon sein, daß man selbst die Dunkelheit mit seiner Laterne erleuchten kann, oder doch wenigstens davon, daß es hundert andere Kinder mit einem zusammen tun. Man könnte es großartig finden, mitten im Spätherbst abends und draußen Würstchen zu essen, man könnte sich aber auch wundern, was denn wohl Glühwein ist und wieso man nichts davon abbekommt. Man könnte sich in seine Laterne verlieben oder in die eines anderen Kindes, wann sieht man schon einmal Laternen, Laternen sind doch wunderschön.

Das wäre alles vollkommen plausibel. Aber Sohn I, den wir nach dem Laternenumzug befragt haben, wie er es so fand, sagte sofort und mit leuchtenden Augen: “Toll! Kleine Mädchen im Dunkeln!”

20 Kommentare

  • :-D Einen Grund mehr hier öfter mal rein zuschauen. Bin sehr gespannt, was aus Sohn 1 mal wird, da ist auf jeden Fall Komiker potential. Ich hoffe Sie halten uns auf dem Laufenden.

  • Gut beobachtet. Schlaues Kind!

  • nicht schlecht :-)

  • Allmählich verstehe ich, warum ihn schon fünfjährige Mädchen anhimmeln.

    Aber als Erzieher bin ich über den Zeitpunkt des Laternenumzugs erstaunt: Begeht man den im Norden schon eine Woche vor dem 11.11.?

  • @Stadtneurotiker: Ja, das ist nicht recht vergleichbar. Die haben ja hier keinen religiösen Hintergrund (mehr) – ich nehme an, am 11.11. ist irgendwas Kirchliches?

  • Am 11.11. ist Sankt Martin (der heilige Martin, der seinen eigenen Mantel mit dem Schwert in zwei Teile schnitt, um einem armen Bettler die Hälfte schenken zu können).
    Im Rheinland ist beim Laternenumzug ein “Sankt Martin” zu Pferd und mit auffällig rotem Umhang dabei; und der Umzug endet immer mit der Ansprache St. Martins:
    “Liebe Kinder, bleibt schön fromm,
    bis nächstes Jahr ich wiederkomm’!”

    *hach* – Kindheitserinnerungen …!

  • @Merlix: Das solltest Du eigentlich besser wissen. Dein Kind ist in einer katholischen Kita. Tss tss tss.
    @Stadtneurotiker: Hier will jeder seinen eigenen Laternenumzug, deshalb fangen die ersten schon früh an. Der unserer Kita ist selbstverständlich erst am 11.11. und natürlich mit allem was dazu gehört – Gottesdienst, Ponyreiten und Weckmänner teilen (oder wie die Katholiken das nennen).

  • @Herzdame: Weckmänner? Woher kennst Du sowas? Du hast vor der Ehe gesagt, Du wärest norddeutsch!

  • Ähnlich wie bei der Spracherziehung kann man auch hier sagen: “Mission complete”!

  • Vor unserem Balkon zog vorgestern ein Laternenumzug vorbei, das hat mit St. Martin nichts zu tun, sie nennen es “Laternelaufen”. Kein Pferd, kein Martin, keine Weckmänner (die nennen sie hier Stutenkerle, pft), kein Feuer, bei uns gab es immer ein großes Feuer, aber sie hatten eine Marschkapelle dabei, die spielte ungelogen und ganz im Ernst “Marmor, Stein und Eisen bricht”. Kulturloses Protestantenvolk.

  • Bei uns Protestanten gibt es mitunter auch das Martinssingen: Dann auf Martin Luther bezogen, der hatte ja auch am 10.11. Geburtstag – und gesungen wird auch: Ein feste Burg ist unser Gott! – Von wegen kulturlos!

    Kulturlos ist es, wenn Katholiken deartigen Partikularinteressen frönen und jeder seinen eigenen Umzug macht statt sich im Geiste der Mutter Kirche gemeinsam, zeitgleich auf den Weg zu machen! Nächstens wird noch Weihnachten den ganzen Dezember über gefeiert! ;-)

    Es grüßt schmunzelnd: OSKAR.

  • bei uns werden martinshörnchen geteilt. deswegen heissen die sirenen auf polizei und rettungswagen wohl auch martinshorn.
    ansonsten bin ich gespannt, was unseren sohn nächste woche wohl beeindrucken wird.

  • Die Sirenen heißen so, weil Sie die teilen? Na…

  • Beim ersten Laternenlaufen mit unserer Tochter fand diese es spannender, einen Regenschirm hinter sich her zu ziehen und ich durfte die Laterne tragen. Schirme fand sich faszinierend, keine Ahnung, warum…. :-)

  • Niedlich, bei uns war ein Laternenumzug gelungen, wenn mindestens
    eine Laterne komplett in Flammen aufgegangen ist.
    War das gestern der Umzug, der uns in der Faehrhausstrasse beim
    Laufen ausgebremst hat?

  • Ganz wie der Opa. So ist das bei uns in OWL

  • @opawilli: Ihr müßt es ja auch im Dunkeln toll finden, viel Licht ist da ja nicht.

  • Ohne Pferd ist das nichts.

    (Mädchen im Dunkeln sind natürlich eine andere Geschichte. Auf “wo man nicht Sehen kann, ist Fühlen keine Schande” sollte er dann auch irgendwann von alleine kommen.)

  • @Herzdame und Merlix: Herzlichen Dank für Eure Auskünfte!
    Obwohl ich Heidenkind bin, kann ich ich ein gewisse bayerisch-katholische Sozialisation nicht verleugnen. Deswegen ist ein Laternumzug, der nicht am 11.11. stattfindet, kein änständiges Martinsfest.

    Sind in Hamburg eigentlich schon Nikoläuse auf der Straße zu sehen?