November, 2009 Archives
Nov
Advent
by Maximilian Buddenbohm in
“Das ist ein ganz normales Baby, nur heißt es eben Jesus. Wir müssen jetzt weiter.”
Das sagte eine sehr angestrengt wirkende junge Mutter beim offensichtlichen Versuch, ihren noch sehr kleinen Sohn religionsneutral an der Krippe auf einem Hamburger Weihnachtsmarkt vorbeizuschleifen, während wir dort gerade Sohn I beruhigten, der sich wiederum aufregte, weil das Baby im Stroh unbekleidet war – “nackig nicht gut, zu kalt!”
So ein Weihnachtsmarkt hat ja auch seine ganz eigenen Komplikationen, die man ohne Kinder gar nicht erahnt.
Nov
Body & Soul
by Maximilian Buddenbohm in
Ich stand auf dem Platz vor dem Strandbahnhof, von dem die Doppeldeckerbusse nach Lübeck abfuhren, und wartete. Es war kalt, und es fiel ein hauchfeiner Schnee, der die Straßen hellgrau einfärbte. Ich wartete allein, im Lichtkreis der Bogenlampen an der Haltestelle war niemand zu sehen, auch der Kiosk war schon geschlossen. Nur etwas weiter, am Rand des Platzes, bei einem Lebensmittelgeschäft, räumte jemand Obstkisten von der Auslage zurück in den Laden, es war Feierabend. Mir war kalt, und ich hüpfte etwas auf und ab, ich hatte nasse, eisige Füße in meinen durchgelaufenen Turnschuhen, und warum so ein dünner Bundeswehrparka wintertauglich sein sollte, hatte ich nie verstanden. Der Bus, auf den ich wartete, stand nur ein paar Meter entfernt auf seinem Pausenplatz, einem mit weißer Farbe auf den Asphalt gepinselten Rechteck. Der Busfahrer saß bei laufendem Motor rauchend am Steuer und las die Lübecker Nachrichten im Licht der kleinen Lampe über dem Armaturenbrett, seine Hemdsärmel waren hochgekrempelt, die graue Dienstjacke hing hinter ihm an einem Haken. Sein Platz war offensichtlich warm, und der Busfahrer sah gelegentlich mit einem Ausdruck der Belustigung auf mein frierendes Hopsen, die ganze Seelenlosigkeit seines Berufsstandes im Blick.
Nov
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Im dritten Lebensjahr wächst unverkennbar das Interesse am Weihnachtsmann. Oder am Mikolaus. Ja, mit M. Oder am Ka-Ruppech. Und sogar am Chriszimt. Das ist natürlich alles schwer zu erklären, schwer auseinanderzuhalten und fast unmöglich zu behalten. Sohn I kann die verwirrende Lage des Weihnachtspersonals nach einigem Nachdenken trotzdem souverän und knapp zusammenfassen: „Geschenke bringt“.
Ob er damit richtig liegt, wird sich schon in der nächsten Woche zeigen, wenn der Mikolaus am Sonntag kommt. Dazu übrigens auch weitere Infomationen im neuen Wochenhoroskop von mir drüben im Westen. Viel Spaß damit.
Nov
Zwei Zitate
by Maximilian Buddenbohm in
„Hamburg zu einer attraktiven Stadt für Familien mit Kindern zu machen, ist […] ein zentrales Anliegen des Hamburger Senats und der Wirtschaft.“
(Zititert nach hamburg.de, „Allianz für Familien“)
“Ihre Akte faß ich nicht an, die ist mir zu dick.“
(Behördenmitarbeiterin beim ungefähr zwanzigsten Versuch, unseren Elterngeldantrag endgültig zu regeln)
Nov
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Man kann lesen und lesen und lesen, seinen Bildungslücken entkommt man dennoch nicht. Man kann sich lesend durch Jahrhunderte fräsen, durch Gesamtwerke, Epochen und Gegenden – chancenlos. Pierre Loti, zum Beispiel, in Frankreich gegen Ende des 19. Jahrhunderts bekannt wie ein Superstar – mir bis gestern vollkommen unbekannt, nie gehört. Obwohl er sogar in meinem eigenen Regal steht, wo sich allerdings aus meiner Antiquariatszeit noch so manches findet, was es irgendwann zu entdecken gilt. Beim Umräumen von Bücherstapeln zufällig die erste Seite eines seiner Werke aufgeschlagen, reingelesen, festgelesen, so soll es sein. Pierre Loti: Islandfischer – Roman. Aus dem Französischen von Dirk Hemjeoltmanns und Otfried Schulze. Der Roman erschien zuerst 1886 und beginnt so:
“Fünf mit gewaltigen Schultern saßen, die Ellbogen aufgestützt, trinkend in einem dunklen Logis, das nach Salzlake und Meer roch. Der für ihre Statur zu niedrige Raum spitze sich am Ende zu wie eine ausgeweidete Möwe und schwankte leicht und schläfrig unter eintönigem Ächzen. Draußen mußten das Meer und die Nacht sein, aber man spürte es kaum: die einzige Öffnung in der Decke war mit einem Holzdeckel verschlossen, und nur eine alte Hängelampe verbreitete flackerndes Licht.”
Nov
Nachlese
by Maximilian Buddenbohm in
Tonaufnahmen (mit Dank an Lars!) von der Lesung gestern von:
Erste Bilder vom Hamburger Jung hier. Ein Bericht hier. Noch ein Bericht.
Und noch ein Bericht – mit Bildern.
Danke an Kid37 für die Moderation, an das Team von Le Kaschemme und an Axel fürs Kassieren. Der Laden war bumsvoll und ich fand, es war ein durch und durch wunderbarer Abend.
Nov
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Umd drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online – viel Spaß. Im Bild übrigens ein Ausschnitt aus “Benny passt auf”, von Barbro Lindgren (Text) und Olaf Landström (Bilder), eine freundliche Gabe von hier. Ein wunderbares Buch über große und kleine Brüder und über das Aufpassen – Sohn I ist begeistert. Ich auch.
Nov
Zum Wetter
by Maximilian Buddenbohm in
Man sagt Hamburg nach, eine sehr verregnete Stadt zu sein. Dem ist schwer zu widersprechen, über das Ausmaß des Problems kann man aber natürlich streiten. Man kann Statistiken zu Rate ziehen, man kann sich an das Leben in anderen Städten erinnern, man kann mit Freunden diskutieren, die aus ganz anderen Gegenden kommen. Hamburg im Dauerregen – kann stimmen, kann auch nicht stimmen. Die eigene Wettererinnerung ist eine ausgesprochen problematische Angelegenheit
Man kann aber auch darauf achten, wie kleine Kinder das Wetter hier beurteilen, die haben keine Vergleichswerte, frisch wie sie sind, für die ist alles wahr und absolut, wie es jetzt ist. Zweijährige kommentieren allerdings das Wetter eher nicht, sie nehmen alles so hin, wie es kommt. Es wird früher dunkel, die Blätter fallen von den Bäumen, Nebel über der Alster – alles kein Problem, das ist eben so, das ist keine Bemerkung wert. Es muß schon etwas sehr Spezielles passieren, damit ein zweijähriges Kind etwas zum Wetter sagt – und diese Aussagen sprechen dann auch Bände. Heute morgen zum Beispiel ging ich mit Sohn I aus dem Haus, es war ein warmer, trockener Spätherbstmorgen mit vereinzelten netten Wölkchen vor dunkelblauem Morgenhimmel. Der Sohn stand vor der Tür, den Kopf weit in den Nacken gelegt, sah ratlos nach oben und fragte dann entgeistert: “Wo ist mein Regen?”
Nov
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Und zwischendurch, nach dem mich auch Jakob Hein eher ratlos zurückgelassen hat, etwas zur Belebung: James Krüss. Der Leuchtturm auf den Hummerklippen. Mit kleinen Illustrationen von Jutta Bauer, die Sohn I ganz großartig findet. Wie ich das Buch finde, bleibt mir etwas unklar, da schwingt noch so viel Erinnerung vom ersten Lesen als Kind mit, da ist dann immer alles großartig. Das Buch erschien zuerst 1956 und beginnt so:
“Alle Möwen heißen Emma. Das ist allgemein bekannt. Es gibt nur eine Ausnahme, nämlich die Möwe, die in dieser Geschichte vorkommt. Sie trägt einen anderen Namen. Sie heißt Alexandra. Diese Möwe wohnt zusammen mit drei Freundinnen auf einer kleinen Sandbank in der Nordsee, die so winzig ist, daß nicht einmal ein Haus darauf stehen kann. Niemals kommt ein Mensch hierher und den Vögeln ist es recht. Aber Alexandra bildet auch hierin eine Ausnahme: Sie hat einen Menschen zum Freund, einen alten Mann, der Wächter auf einem Leuchtturm ist.”
Nov
Und sonst so
by Maximilian Buddenbohm in
Ich: “Wie wäre es mit Sex?”
Herzdame: “Ich habe dir gerade erst ein Blogupdate gemacht!”
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Nov
Nov
Nicht vergessen
by Maximilian Buddenbohm in
Nov
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.
Nov
Hallamati
by Maximilian Buddenbohm in
Die Katholiken feierten heute den Heiligen Martin, bzw. den Hallamati, wie ihn Sohn I nennt. Als gebürtiger Lübecker habe ich so etwas in meiner Kindheit natürlich nicht erlebt, wir kannten Katholiken ja nur vom Hörensagen. In meinem Erwachsenenleben habe ich mich bis vor kurzer Zeit nicht recht für Laternenumzüge interessiert und also auch keine erlebt. Sohn I geht nun aber in eine katholische Kita, da ergab sich erstmalig eine gute Gelegenheit, Hallamati live kennenzulernen. Eine etwas ernüchternde Erfahrung.
Da reitet ein Mann, der ein Gesicht macht, als hätte ihn ein Gericht zu diesem Dienst verurteilt, auf einem lustlosen Pferd vor der Kirche auf und ab. Er trägt etwas, das unverkennbar ein rotes Bettlaken ist und er hat aus nicht nachvollziehbaren Gründen seine Reiterkappe mit Alufolie umwickelt. “Bauarbeiter?” fragt Sohn I und zeigt auf den Reiter. “Der Heilige Martin”, sage ich betont fröhlich. “Hallamati”, murmelt der Sohn skeptisch und guckt sich den Mann genau an. Er kennt Hallamati aus Bilderbüchern und hat sehr klare Vorstellungen. Zeigt auf den roten Mantel und fragt “Decke um?” “Ja”, sage ich geradezu jauchzend, denn man will das Kind ja richtig einstimmen, ” der Heilige Martin trägt einen roten Mantel.” Sohn I runzelt die Stirn.
Eine Ordnerin mit Warnweste und Taschenlampe fragt den Heiligen Martin, welchen Weg er reiten möchte, der Zug soll endlich losgehen. Sohn I und ich hören folgenden Dialog:
Ordnerin: Und? Wo reiten sie jetzt raus?
HM: Was weiß ich denn.
Orderin: Äh, na, das müssen sie schon wissen! Sie müssen ja vorweg!
HM: Mir doch egal.
Ordnerin: Wie bitte?
HM. Ich weiß nix. Mir sagt ja keiner was. Ich soll hier rumreiten.
Ordnerin: OK, dann schlage ich vor, sie reiten da rechts raus, an der Schranke vorbei.
HM: Wenn’s sein muß.
Ordnerin: Ja. Sonst geht hier ja nix.
HM: Meinetwegen.
Sohn I guckt jetzt sehr, sehr skeptisch. Aber immerhin, roter Mantel, Pferd. “Hallamati”, sagt er leise und zeigt auf den Reiter, der jetzt achselzuckend sein Pferd wendet und zur Schranke lenkt, hundert Kinder laufen ihm nach. “Ein heiliger Mann”, sage ich, denn ich möchte kein Spielverderber sein, “ein großes Vorbild.” Und ich denke respektvoll, daß ich es ja auch gar nicht beurteilen kann. Wenn die große katholische Kirche meint, die lieben Kleinen brauchen Vorbilder für das Reiten mit Aluhelm und Bettdecke – bitte sehr. Es wird schon alles seinen Sinn haben.










