Oktober, 2009 Archives

16
Okt

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

14
Okt

Auf dem Weg zur Arbeit

by Maximilian Buddenbohm in

Seit drei Jahren denke ich, das müßte man mal fotografieren. Jetzt haben sie angefangen, das Haus zu sanieren, gerade noch geschafft.

13
Okt

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

David Foster Wallace: Vergessenheit – Storys. Deutsch von Ulrich Blumenbach und Marcus Ingendaay. Eines der Bücher, bei denen man beim Lesen der Übersetzung denkt, meine Güte, muß das aber eine Schweinearbeit gewesen sein. Der Stil von Wallace hat es in sich, komplex ist gar kein Ausdruck. Auf dem Klappentext steht hinten ein Zitat der Süddeutschen Zeitung: “Schlichtweg brillant”. Ich habe etwa die Hälfte durch und kann das unterschreiben, was nicht heißt, das mir das Buch gefällt. Aber es beeindruckt mich sehr. Beeindruckend, was da mit Sprache gemacht wird, beeindruckend, wie man mit jedem Satz mehr merkt, wie intelligent der Autor gewesen sein muß, beeindruckend auch, was da aus ganz, ganz einfachen Situationen gemacht wird. Einem Mann wird abends im Bett von seiner Frau vorgeworfen zu schnarchen, während er meint, noch gar nicht geschlafen zu haben – so einfach kann es sein. Was man daraus an Story machen kann, diese Erkenntnis lohnt schon den Bücherkauf. Ansonsten ist mir das Buch zu intellektuell, zu kalt und zu berechnet. Alles sehr berechtigt, aber nicht mein Fall.

Die erste Geschichte in dem Band, “Der Spiegel der Natur, eine Kritik der Philosophie” beginnt so:

“Als ich dann Ende 1966 gerade entlassen worden war, gewann Mutter eine kleine Produkthaftungsklage und verwendete das Geld prompt für eine Schönheitsoperation, um sich die Krähenfüße um die Augen entfernen zu lassen. Der Schönheitschirurg verpfuschte die Sache aber und veränderte ihre Fazialismuskulatur, so daß sie von da an immer aussah, als sei sie schier wahnsinnig vor Angst. Sie wissen bestimmt, wie das Gesicht eines Menschen in dem Sekundenbruchteil aussieht, bevor er zu schreien anfängt. So sah Mutter neuerdings aus.”

12
Okt

Korrektur

by Maximilian Buddenbohm in

Wieso läßt man das so stehen? Es ist doch längst Sprayrbst!

11
Okt

Sonntagsspaziergang

by Maximilian Buddenbohm in

10
Okt

Kunst

by Maximilian Buddenbohm in

Sohn I hält mir einen blauen Buntstift und ein Blatt Papier hin und sagt bittend: “Pferd!”

Kandinsky denke ich, blaue Pferde, denn in Kunstgeschichte kenne ich mich halbwegs aus. Ich nehme den Stift, ich denke Pferd, ich rücke mir das Blatt zurecht.

Tatsächlich war mir in meiner späteren Kindheit und Jugend immer klar, daß ich mal Künstler werden wollte. Oder was heißt wollte, mußte. Etwas zu zeichnen, das schien einfach die beste und einzig sinnvolle Beschäftigung neben dem Lesen zu sein und Lesen klang nicht richtig nach Beruf. Mein Kunstlehrer bescheinigte mir eine “eigene Linie”, Freunde zeigten sich beeindruckt von meinem Schaffen, ich zeichnete ohne Ende. Ich studierte die Großen der Vergangenheit, ich versuchte Ölfarbe, Drucktechniken, Aquarelle, Federzeichnungen, Kohle, alles, alles. Zeichnen war nicht schwer, fand ich, man mußte es nur ausdauernd machen, dann ging das schon. Hätte mir damals jemand gesagt “bitte ein Pferd” hätte ich ihm zehn Versionen anbieten können, von realistisch bis Kandinsky, gar kein Problem.

Dann war ich in einem Jahr in sehr vielen Kunstausstellungen, Dali, Schmidt-Rottluff, Higashiyama, Janssen, viele wichtige Namen. Und wie ich so vor diesen Bildern stand, dachte ich: “Nein, da kommst du nicht ran. Nie. Nicht einmal annähernd.” Und dann habe ich es gelassen. Von heute auf morgen. Und Bibliothekswesen studiert.

Ich denke Pferd, ich rücke mir das Blatt zurecht, ich weiß nicht, ob Zeichnen wie Fahrradfahren ist. Im Grunde meines Herzens tun mir Menschen leid, die nicht zeichnen können, das habe ich noch als Gefühl von damals behalten, obwohl ich es selbst nie wieder gemacht habe. Ich skizziere den Kopf, die Nüstern. Die Mähne fällt in die Stirn und weht über den Hals, ein eleganter Schwung für den Rücken, angedeutete Beine, alles in Bewegung, ein dynamisches Pferd. Der Sohn guckt interessiert, nickt und sagt dann anerkennend: “Monster!” “Na?” fragt die Herzdame im Vorbeigehen und guckt kurz auf das Blatt, “malt ihr Hunde?”

Ich erkläre dem Sohn, daß nur im Selbermalen der wahre Weg zur Kunst zu finden sei und drücke ihm den Stift in die Hand. Er kritzelt begeistert auf dem Fußboden weiter. Ich nehme mir heimlich ein Blatt Papier und einen Kuli und setze mich an den Schreibtisch der Herzdame. Ich zeichne ein Pferd, einen Hund, ein Gesicht, eine Frau, ein Haus. Die Bilder sehen aus, als wäre ich, na, acht Jahre alt. Ich gebe mir mehr Mühe, so leicht gibt man ja nicht auf, da sehen die Bilder aus, als wäre ich immerhin zehn Jahre alt. Zeichnen ist eindeutig nicht wie Fahrradfahren.

Am nächsten Tag sitze ich im Kindergarten mit vielen kleinen Kindern an einem Tisch, sie spielen mit Knetgummi. Toll, denke ich, noch ein Versuch. Kunst geht auch mit Knete, das haben andere längst bewiesen. Ich nehme mir eine Handvoll und drücke und forme daran herum. Um es nicht zu übertreiben, beginne ich mit einer einfachen Übung, ich mache eine Maus. Da braucht man nicht lange, so eine Maus ist schnell zusammengerollt. “Ha”, sage ich, “guckt mal, Kinder, hier!” Ich lege die Maus auf den Tisch. Sohn I guckt mich ratlos an. “Ein Elefantenigel?” fragt die Herzdame und stupst die Knetmaus kich ernd über den Tisch. Ein dreijähriges Mädchen, das mir stumm beim Kunstschaffen zugesehen hat, nimmt die Maus und dreht sie hin und her. Dann singt sie sehr laut “So sieht ne Maus nicht aus” – zur Melodie von “Ihr könnt nach Hause gehen”.

Kinder, so sagt man, führen einen auch an Grenzen. Ja.

9
Okt

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

8
Okt

Die frohe Botschaft, mehr oder weniger

by Maximilian Buddenbohm in

Schlange böse! Kain böse! Bruda! Goliath groß böse! Tiere Schiff, alles naß. Esel, Kuh, Baby.  Johannes baden geht. Lazarus barfuß, nicht gut. Fische essen. Jesus nackig! Aus.

(Die Bibel nach Sohn I)

7
Okt

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Noch so ein Buch, oder besser ein Büchlein, von dem ich nicht recht weiß, wie ich darauf kam und wieso ich es besitze – Brigitte Giraud: Die Liebe ist doch sehr überschätzt. Aus dem Französischen von Anne Braun.

Die erste Geschichte darin, “Ende der Geschichte”, beginnt so:

“Die Geschichte ist eigentlich schon zu Ende, aber Du weißt es noch nicht. Er steht da, vor dem Fenster, und du ärgerst dich, weil er das Tageslicht verdeckt. Du siehst nicht mehr ihn, sondern das Licht, das er daran hindert, ins Zimmer zu fallen. So fängt es an. Er ist da und seine Anwesenheit stört dich.”

Und von der Miranda July neulich, um das noch eben nachzutragen, wo ich schon bei Kurzgeschichten von Frauen bin, hat dann doch die Hälfte gereicht.

5
Okt

Husch husch

by Maximilian Buddenbohm in

Der Wecker klingelt, es ist sechs Uhr morgens. Im Bruchteil einer Sekunde habe ich den Wecker ausgeschaltet. Ich war tatsächlich schnell genug, beide Kinder schlafen weiter. Die Herzdame und ich gleiten lautlos wie Schatten aus dem Bett, jetzt bloß kein Geräusch machen, wenn die Kinder aufwachen, dann schaffen wir gar nichts. Ich schleiche in die Küche und mache Kaffee, man kann fast geräuschlos Kaffee kochen, wenn man sich Mühe gibt. Kein Glas klirrt, keine Tasse klimpert, kein Kaffeelöffel poltert zurück in die Dose, jede Bewegung ist berechnet, ich sehe aus wie in einem Stummfilm. Die Herzdame duscht, der Strahl ist schwach eingestellt, das Wasser fällt weich und leise auf sie. Sohn I dreht sich einmal um, Sohn II zuckt im Schlaf.

Ich ziehe mich an, meine Finger rühren sanft wie vorbeifliegende Schmetterlinge an die Kommode im Schlafzimmer. Das Wasser in der Küche kocht fast, mit einem raubtierhaften Reaktionsvermögen hechte ich zum Wasserkocher, noch bevor er richtig laut wird. Es ist 6 Uhr 30, beide Kinder schlafen. Ich sammele meine Arbeitsunterlagen zusammen, mit spitzen Fingern schiebe ich Papiere zusammen, nichts raschelt, nichts knistert. Die Herzdame sitzt schon am Computer und liest E-Mails, ihre Hände huschen über die Tastatur wie Ameisen über Sand. Es ist 6 Uhr 45, wir sind beide geduscht und angezogen, wir haben ein paar Sachen erledigt. Mit Zeichensprache klären wir noch eben die Verteilung der Einkäufe. Ein paar Gesten, ein Nicken. Es ist 7 Uhr, die Kinder können wach werden, wir sind voll im Zeitplan.

Und Sie haben gedacht, diese unheimlichen Ninjas aus den Filmen haben alle eine Superspezialausbildung hinter sich, jahrelanges Shaolinkloster, geheime Trainingslager oder sonst etwas, um so katzenhaft vorwärtszukommen? Vergessen Sie’s.

Alle Eltern von kleinen Kindern können sich stundenlang vollkommen lautlos bewegen.

5
Okt

Herbstlesung

by Maximilian Buddenbohm in

Mit Isa, Henrike, Mek und mir.

2
Okt

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskp von mir online.  Viel Spaß!

1
Okt

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Und dann gibt es Bücher, von denen ich keine Ahnung habe, wieso ich sie habe. Irgendwer wird sie empfohlen haben, ich weiß nicht mehr, wer es war. Vielleicht habe ich auch nur drüben bei Isa das Bild auf dem Titel gesehen und fand es gut, kann sein. Miranda July: Zehn Wahrheiten. Aus dem Amerikanischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann.

Der Band mit Erzählungen beginnt mit “Die gemeinsame Terrasse” so:

“Es zählt trotzdem, auch wenn er bewußtlos war, als es dazu kam. Es zählt doppelt, denn das bewusste Denken kann irren, fällt oft auf den falschen Menschen herein. Doch am Grund des Brunnens ist kein Licht und nur tausend Jahre altes Wasser, nichts, was einen Mann veranlassen könnte, sich zu irren. Gott befiehlt es Dir, und du tust es. Er sagt, liebe sie, und so geschieht es. Es geht um meinen Nachbarn. Er ist koreanischer Abstammung. Sein Name ist Vincent Chang. Nein, Hapkido macht er nicht.”

Ich bin erst auf Seite 10 – aber die ersten 1o Seiten sind schon mal gut. Oder sogar sehr gut.