Tips für Väter (24)

Okt 19th, 2009 von Maximilian Buddenbohm

Ich habe vor geraumer Zeit bereits auf die Besonderheiten des Babyschwimmens hingewiesen. Kein Sport wie jeder andere, wie man hier im Archiv leicht nachlesen kann. Was im alten Text noch fehlt, das kann ich jetzt, nach gefühlten zwanzig absolvierten Babyschwimmkursen, quasi als Profi ergänzen: Die Frage nach dem richtigen Timing. Es ist nämlich entscheidend, für das Babyschwimmen die richtige Jahreszeit zu wählen, sonst hat man sehr viel Ärger damit.

Frühling: Im Frühling kommt Babyschwimmen nicht in Frage, schließlich ist man heilfroh, endlich wieder rausgehen zu können. Da möchte man natürlich nicht in die chlorduftende Luft in einem Hallenbad, nein, da möchte man dem Nachwuchs die Blümelein auf der Wiese zeigen, die singenden Vögelein, die aufgetaute Sandkiste. Da möchte man einfach entspannt in den ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf einer Bank sitzen und spüren, wie sich die winterverhärteten Muskeln langsam wieder lockern, da möchte man durch frisches Grün spazierengehen und am nächsten Gewässer tief durchatmen oder auf einer Wiese den ersten Schmetterlingen zusehen. Kein Gedanke daran, die kostbaren Sonnenstunden der wenigen Frühlingswochenenden drinnen zu verbringen.

Sommer: Im Sommer kann das Kind auf jedem größeren Spielplatz planschen, ohne daß man Eintritt dafür zahlen müßte. Selbst auf den kleinsten Balkon paßt ein aufblasbarer Pool für das Baby, Wassergewöhnung findet dabei ganz nebenbei statt, jeder Schlauch erfüllt den Zweck. Die Kleinen spritzen herum und man selbst kann so lange Eis essen oder Kaffee trinken. Man kann an ein Meer oder an einen See fahren und dort spielerisch in den Wellen herumtollen. Es kostet nichts, es ist echt, es ist die reine Lebenslust. Kein Mensch mit Verstand geht im Sommer drinnen schwimmen.

Herbst: Im Herbst verbringt man enorm viel Zeit damit, das Kind nach dem Babyschwimmen abzutrocknen und zu föhnen, damit es sich nur ja nicht erkältet, denn draußen ist es kalt und ein Wind fegt von Nord über die Stadt. Die Trocken- und Föhnzeit übersteigt dabei leicht die eigentliche Badezeit, denn man möchte kein Risiko eingehen und nicht alle Kinder lassen sich gerne föhnen. Man verläßt die Schwimmhalle trocken wie ein Zwieback und wird augenblicklich von sintflutartigen Regenfällen so durchweicht, als hätte man das Becken gerade eben erst verlassen. Schwimmkurse im Herbst können furchtbar deprimierend sein, man sollt sie daher strikt vermeiden.

Winter: Im Winter gibt es zwischen der Außenluft und der Umkleidekabine ein Temperaturgefälle von etwa vierzig Grad. Wer bisher noch keine Kreislaufprobleme hatte, lernt sie jetzt endlich kennen. Man kann die Schwimmhalle nach dem Kurs nicht trocken verlassen, da man klitschnaß geschwitzt ist, sobald man auch nur ein T-Shirt anhat. Von zehn Stunden, die man im Voraus bezahlt hat, versäumt man daher acht bis neun wegen der eigenen Erkältungskrankheiten oder denen des Kindes. Schwimmkurse im Winter sind vollkommen sinnlos.

Zu allen anderen Zeiten sind Babyschwimmkurse aber super und ein großer Spaß.

13 Kommentare

  • So ähnlich sehe ich das auch, definitiv. Jetzt habe ich einen Sohn, der fast sieben ist und immer noch nicht schwimmen kann. Was nun?

    Im Sommer habe ich mich ein paar Mal ins Freibad gequält, jetzt befinde ich mich in dem “Wir müssen unbedingt mal wieder schwimmen gehen, nächste Woche bestimmt.”-Stadium.

    Vielleicht sollte ich ihn doch mal für einen Kurs anmelden…

  • Allerdings könnte er sich beim Babyschwimmen leicht deplaciert vorkommen :-)

  • Ich hätte noch so eine orangene Wertmünze vom Leo-Vetter-Bad; da sind noch mindestens 4 von 10 Babyschwimmeintritten drauf.

  • Sehe ich genauso.

  • Ach, wissen Sie: Sie sollten die Babyschwimmstunden genießen, selbst wenn Sie dafür in der feuchten badewanne trainieren müssen.

    Denn nach dem Babyschwimmen kommt die Schwimmflügelphase mit hohem Begeisterungsgrad des Nachwuchses für riskante Manöver am Beckenrand wie auch gerne unter Wasser. Manche Kinder leiden in dieser Phase an akuter Gummiamnesie, einer wenig beachteten Krankheit, deren hervorstechendstes Symptom im Vergessen der Schwimmflügel an Land besteht.

    Der Flügelphase folgt die Neid-und-trotzdem-Schiss-Phase: Das Kind kann laut Bademeisterregularien durchaus Schwimmen, möchte es gerne den Älterne gleich tun und sich mit Höchstgeschwindigkeit durch innen befeuchtete Plastikröhren schießen lassen. Je doller desto! — Doch alleine traut sich das Kind nicht und fordert massiv Beistand durch die Eltern ein.

    Zuletzt kommt dann die Phase, in der Sie sich wundern, warum das Kind noch nicht abgesoffen ist während der einstündigen Seeüberquerung. Sie slbst halten sich schließlich nur noch deshalb über Wasser, weil Sie sich keine Blöße vor den Freunden der Kids geben wollen. Sonst hätten Sie sich längst aufgegeben und wären auf den Grund des Sees oder Meeres gesunken.

    Und wenn Sie alle Phasen hinter sich gelassen haben, wird vermutlich Babyschwimmen mit den Enkeln an der Reihe sein. Es sei denn, die Erziehungsberatergilde erkennt bis dahin, dass Babyschwimmen einen negativen entwicklungstheoretischen Einfluss auf den Menschen ausübt.

    Ich überlege ernsthaft, auf Erziehungsberater umzusatteln. (Und danke für den wunderbaren Text, Herr Merlix.)

  • Ach, ich vergaß beinahe zu erwähnen: Ehefrauen wissen, dass Väter in allen Phasen viel besser geeignet sind für die Betreuung der Kinder in Badeanstalten. Väter haben höhere Auftriebskraft als Mütter, im Notfall das bestmögliche Wasserverdrängungsvolumen und mehr Autorität bei jugendlichen Dränglern an der Wasserrutsche. Außerdem geht es mit Papa viel schneller durch die Plastikröhren.

    Ich schreibe das nur, um Sie vorzubereiten, Herr Merlix. — Mütter berufen sich gerne auf die Strapazen der Geburt und notwendige Erholungseinheiten in den Saunaabteilungen.

  • wie wahr, wie wahr…..auch wir haben mehr Termine verpasst als gemacht

  • Ok, überzeugt. Der Mann muss nicht hin.

  • Matthias Leisi

    Darf ich den Text bei der Frau als Dispens für’s Babyschwimmen verwenden?

  • Klar, ich bin ja immer gerne hilfreich :-)

  • @Susanne: ich kann das Freibad in Cuxhaven-Duhnen oder andere Meerwasser-Bäder für Kinderschwimmkurse empfehlen. Das Meerwasser trägt besser als normales Schwimmbad-Wasser.
    Unseren siebenjährigen Sohn hat der Bademeister damals nach den obligatorischen Seepferdchen-Minuten einfach weiterschwimmen lassen, so dass er den Freischwimmer gleich dazu bekam.
    Danach brach er allerdings in Tränen aus ICH WOLLTE DOCH ABER DAS SEEPFERDCHEN HABEN!!

    Er hat schließlich beide Abzeichen auf die Badehose bekommen, das Seepferdchen links und den Freischwimmer rechts.

  • Babyschwimmen… neumodischer Kram, das.
    Man sollte Kinder erst in den Schwimmkurs schicken, wenn sie allein dahin gehen, fahren oder trampen können. Dann wissen sie es auch zu schätzen, wenn man ihnen neben dem Geld für den Eintritt noch etwas für einen Martini und eine Portion Sushi mit gibt.

  • Nicht zu vergessen die vielen vielen Termine, bei denen man auf keinen Fall zum babyschwimmen kann, weil a) Mama, b) Papa oder c) das Kind erkältet ist. Oder alle drei. Wie bei uns seit nun 18 Monaten.