Oktober, 2009 Archives
Okt
Kleine Anmerkung zur Rolle des Vaters
by Maximilian Buddenbohm in
Natürlich macht man als Mann heutzutage bei allem mit, was die Kinder betrifft. Man weiß, welche Größen ihre Hosen haben, man weiß, welche Windeln zu kaufen sind, man kann die Lieder aus dem Kindergarten mitsingen. Man kann Breichen kochen, geht souverän mit Anzeichen für Kinderkrankheiten um, hat immer einen Schnuller in der Anzugtasche und singt die Kleinen abends brummend in den Schlaf. Alles kein Problem, man ist voll integriert in das Familienprogramm, man gibt sich kompetent und die Frau, sie gibt sich partnerschaftlich. Sie diskutiert hin und wieder mit dem Mann, welche Strampler man kaufen sollte, sie bespricht abends den Speiseplan der Kleinen im Bett, es wirkt alles ganz so, als wären Kinder ein Fall für Zwei, als ginge es um Teamwork.
Nur ganz selten merkt man noch, was Frauen wirklich von uns halten und welche Kompetenz sie uns beim Management der Familie tatsächlich zubilligen. Heute zum Beispiel ein erhellender Moment beim Babyschwimmen – im Becken nur Männer, jeweils mit einem Kind auf dem Arm. Engagierte Männer gehen natürlich zum Babyschwimmen, keine Frage. Die Kursleiterin, die da mit uns planschte, kündigte die Folgekurse an, sie sprach vom kommenden Jahr und was da zu erwarten wäre. Und sagte dann einen Satz, der Bände spricht:
“Ihr könnt mir gerne heute schon einmal sagen, welche Kurse ihr nächstes Jahr besuchen wollt. Ich schreib mir das auf. Und dann bespreche ich mit euren Frauen, was wir wirklich machen.”
Okt
Rätsel des Alltags
by Maximilian Buddenbohm in
In unserem heiteren kleinen Bahnhofsviertel gibt es eine Tanzveranstaltung, die sich laut Plakat an “Singles, Paare, Pädagogen” richtet. Ich grübele schon den ganzen Tag, welches Detail im Liebesleben der Lehrer diese Aufzählung so rechtfertigt. Aber egal, ich habe sie immer im Verdacht gehabt, die Saubande.
Okt
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß!
Okt
Mission complete
by Maximilian Buddenbohm in
Wenn Sohn I morgens auf dem Weg zur Kita oder nachmittags auf dem Spielplatz bekannte Menschen trifft, grüßt er sie nun mit einem lässigen “Moin”. Wenn man ihn fragt, ob es ihm gut geht, ob er Mama lieb hat, ob der Kuchen schmeckt oder wie das Wetter wird, antwortet er jetzt mit einem selbstverständlichen “Jo”.
Für einen durchschnittlichen Norddeutschen ist die Sprachentwicklung damit praktisch abgeschlossen.
Okt
You’ll never walk alone
by Maximilian Buddenbohm in
Manchmal findet man Einträge in Blogs, die man als zutiefst tröstlich empfindet. Texte, die einen über schwarze Stunden voller Selbstzweifel hinwegretten, Texte, die einem die Gewißheit geben, daß da draußen noch andere Menschen leben, die unter denselben Obsessionen leiden wie man selbst. Menschen, die von den gleichen abgründigen Themen umgetrieben werden, Menschen die nachts dasitzen und zweifeln, forschen und grübeln.
Heute zum Beispiel die wunderbare Erkenntnis, daß ich gar nicht der Einzige bin, der die vollkommen meschuggenen Wechsel der Konjunkturprognosen bei Spiegel Online mitschreibt und dann kopfschüttelnd davor sitzt.
Gucken Sie mal hier.
Okt
Okt
Okt
Kleiner Vorschlag zur Entspannung
by Maximilian Buddenbohm in
Wenn Sie übrigens glauben, daß Sie Ihr Leben nicht im Griff haben, wenn Sie den Verdacht haben, im selbstgemachten Chaos zu versinken, im Alltagsstrudel unterzugehen und an der reinen Vielfalt der Probleme zu scheitern, wenn Sie meinen, nicht mehr zu können und der einzige Mensch zu sein, der Streß wirklich definieren kann, wenn Sie vergessen haben, wo Ihnen der Kopf steht und wenn Sie glauben, über all das laut jammern zu müssen – dann gehen Sie doch zur Abwechslung einmal nach Feierabend mit einem tobenden Zweijährigen und einem schreienden Zweimonatssäugling in ein Restaurant.
Und dann halten Sie einfach die Klappe.
Okt
Okt
Post
by Maximilian Buddenbohm in
Sohn I und ich gucken in den Briefkasten. Eine Mitteilung vom Steuerberater für mich. Der Text bleibt mir zwar eher unverständlich, aber ich ahne, daß die großen Zahlen mit dem Minus davor nichts Gutes bedeuten können. Eine Karte von der fünfjährigen Nachbarinnentochter für Sohn I. Sie findet ihn so süß, Sie möchte bei ihm übernachten.
Der Sohn ist ein wenig neidisch, weil ich einen dreiseitigen Brief habe, und er nur eine Postkarte. “Mach dir nichts draus”, sage ich, “wenn du groß bist, kriegst du bestimmt auch so tolle Post wie ich!”
Okt
Wochenende
by Maximilian Buddenbohm in
Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskp von mir online - diesmal auch mit Hinweisen zur korrekten Getränkewahl. Viel Spaß damit.
Okt
Neu auf dem Nachttisch
by Maximilian Buddenbohm in
Das zuletzt durchgelesene Buch war ein schwerer Fall. Ein wenig so, als würde man in einem äußerst edlen Restaurant essen, in dem ein sehr ambitionierter Koch Regie führt. Man weiß die Küche ist gut, gut im Sinne von “die Fachpresse jubelt”, aber schon der unbequeme Hyperminimalismus der Einrichtung macht einen fertig – und dazu dieser Druck, jeden Gang auch richtig würdigen zu müssen. Diese Erfindungen, diese Kombinationen, alles so wahnsinnig durchdacht, man fühlt sich wie in einer Prüfung. Nur um dann nach strapaziösen Stunden noch ziemlich hungrig den Laden zu verlassen. So fand ich die Erzählungen von David Foster Wallace.
Und nach so einem Restaurantbesuch steht einem dann der Sinn nach einer reellen Portion Pommes, frisch und köstlich, auf die Hand, an der Ecke, schnell und gut. Deswegen :
Victor Caspak und Yves Lanois: Die Kurzhosengang. Bilder von Ole Könnecke. Deutsch von Andreas Steinhöfel. Ein Kinderbuch, ein Jungsbuch, ein Riesenspaß, sehr schön illustriert. In einem Rutsch gelesen und sofort die Fortsetzung bestellt, was soll ich da noch sagen. Pommes sind super. Isa hat drüben auch gerade und sehr schön über das Buch geschrieben, gucken Sie mal hier.
Das Buch erschien zuerst 2001 und beginnt so:
“Der Mann fragt, ob wir die Kurzhosengang sind. Wir nicken, ja, wir sind die Kurzhosengang. Er fragt, was wir davon halten würden, unsere Fahrräder woanders hinzustellen. Wir schütteln die Köpfe, nein, die Kurzhosengang hält nichts davon, ihre Fahrräder woanders hinzustellen. Der Mann sagt, wenn das so wäre, dann müßte er handgreiflich werden. Darauf lächelt die Kurzhosengang. Niemand legt sich mit uns an. Das ist in ganz Kanada bekannt. Die Kurzhosengang braucht bloß ihre Muskeln anzuspannen, dann wird der Mann schon sehen, was er davon hat.
Die Kurzhosengang spannt ihre Muskeln an.”
Okt
Tips für Väter (24)
by Maximilian Buddenbohm in
Ich habe vor geraumer Zeit bereits auf die Besonderheiten des Babyschwimmens hingewiesen. Kein Sport wie jeder andere, wie man hier im Archiv leicht nachlesen kann. Was im alten Text noch fehlt, das kann ich jetzt, nach gefühlten zwanzig absolvierten Babyschwimmkursen, quasi als Profi ergänzen: Die Frage nach dem richtigen Timing. Es ist nämlich entscheidend, für das Babyschwimmen die richtige Jahreszeit zu wählen, sonst hat man sehr viel Ärger damit.
Frühling: Im Frühling kommt Babyschwimmen nicht in Frage, schließlich ist man heilfroh, endlich wieder rausgehen zu können. Da möchte man natürlich nicht in die chlorduftende Luft in einem Hallenbad, nein, da möchte man dem Nachwuchs die Blümelein auf der Wiese zeigen, die singenden Vögelein, die aufgetaute Sandkiste. Da möchte man einfach entspannt in den ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf einer Bank sitzen und spüren, wie sich die winterverhärteten Muskeln langsam wieder lockern, da möchte man durch frisches Grün spazierengehen und am nächsten Gewässer tief durchatmen oder auf einer Wiese den ersten Schmetterlingen zusehen. Kein Gedanke daran, die kostbaren Sonnenstunden der wenigen Frühlingswochenenden drinnen zu verbringen.
Sommer: Im Sommer kann das Kind auf jedem größeren Spielplatz planschen, ohne daß man Eintritt dafür zahlen müßte. Selbst auf den kleinsten Balkon paßt ein aufblasbarer Pool für das Baby, Wassergewöhnung findet dabei ganz nebenbei statt, jeder Schlauch erfüllt den Zweck. Die Kleinen spritzen herum und man selbst kann so lange Eis essen oder Kaffee trinken. Man kann an ein Meer oder an einen See fahren und dort spielerisch in den Wellen herumtollen. Es kostet nichts, es ist echt, es ist die reine Lebenslust. Kein Mensch mit Verstand geht im Sommer drinnen schwimmen.
Herbst: Im Herbst verbringt man enorm viel Zeit damit, das Kind nach dem Babyschwimmen abzutrocknen und zu föhnen, damit es sich nur ja nicht erkältet, denn draußen ist es kalt und ein Wind fegt von Nord über die Stadt. Die Trocken- und Föhnzeit übersteigt dabei leicht die eigentliche Badezeit, denn man möchte kein Risiko eingehen und nicht alle Kinder lassen sich gerne föhnen. Man verläßt die Schwimmhalle trocken wie ein Zwieback und wird augenblicklich von sintflutartigen Regenfällen so durchweicht, als hätte man das Becken gerade eben erst verlassen. Schwimmkurse im Herbst können furchtbar deprimierend sein, man sollt sie daher strikt vermeiden.
Winter: Im Winter gibt es zwischen der Außenluft und der Umkleidekabine ein Temperaturgefälle von etwa vierzig Grad. Wer bisher noch keine Kreislaufprobleme hatte, lernt sie jetzt endlich kennen. Man kann die Schwimmhalle nach dem Kurs nicht trocken verlassen, da man klitschnaß geschwitzt ist, sobald man auch nur ein T-Shirt anhat. Von zehn Stunden, die man im Voraus bezahlt hat, versäumt man daher acht bis neun wegen der eigenen Erkältungskrankheiten oder denen des Kindes. Schwimmkurse im Winter sind vollkommen sinnlos.
Zu allen anderen Zeiten sind Babyschwimmkurse aber super und ein großer Spaß.
Okt
Wegen der großen Nachfrage…
by Maximilian Buddenbohm in
Okt
Einweihung
by Maximilian Buddenbohm in
Es ist halb acht, ich verlasse mit Sohn I das Haus, er muß zur Kita, ich muß zur Arbeit. Ein kalter, dunkler Herbstmorgen, der Wind pfeift uns um die Ohren, es ist kurz vor dem ersten Frost. Am Himmel eine magere Mondsichel, silberblaß steht sie über dem Dach der Kirche. Der Sohn zeigt nach oben und sagt: “Sonne!”.
“Sohn”, sage ich, “das ist der Mond. Die Sonne ist es, wenn einem warm dabei wird und alles hell ist. Das blasse Ding da, das ist der Mond.”
Was haben die Menschen im Laufe der Kulturgeschichte alles geschrieben, gedichtet, gesungen über die Unterschiede zwischen den beiden Himmelskörpern. Was hat man ihnen alles an Göttlichkeit angehängt,. an geschlechtlicher Zuordnung, an Zuständigkeit für Freud und Leid, für Wetter, Klima, Katastrophen, Stimmungen, Schicksale – was haben sich Menschen darüber den Kopf zerbrochen, wer von beiden was repräsentiert. Einer der elementarsten Gegensätze unseres Erlebens, Sonne und Mond. Und ich denke kurz und vergnügt daran, daß ich schon bald mein reiches Wissen über Dichtung und Mythologie an den sicherlich interessierten Kleinen weitergeben kann. Sonne und Mond, was für ein schönes Einstiegsthema in die Weltdeutung. Der Sohn sieht noch einmal kurz hoch und sagt achselzuckend: “Mond. Auch gut.”
“Ja”, sage ich, “das faßt es im Wesentlichen ganz gut zusammen.”










