September, 2009 Archives

14
Sep

Unterschiede

by Maximilian Buddenbohm in

Zum Beispiel beim Wickeln.

Sohn I:
Man stellt ihm einfach irgendwann ein Bein, während er, bewaffnet mit seiner Bohrmaschine, dem Piratenkoffer, dem gelben Bauarbeiterhelm und einer Handvoll Autos, johlend an einem vorbeirast. Schnappt sich das Kind noch im Fallen am Hosenbund, wirft es auf das Sofa, reißt Hose und Windel herunter und montiert mit zwei Handgriffen eine neue. Das geht so schnell, als würde ein alter Segler sein Boot anbinden, als würde ein Cowboy mal eben sein Pferd festmachen. Aus dem Handgelenk, zack, fertig, hält. Man kann sich nebenbei problemlos weiter unterhalten. Das Kind rennt grölend mit der Hose auf Halbmast weiter, ein Helm und eine volle Windel bleiben zurück. Gesamtdauer: Cirka 60 Sekunden.

Sohn II:
Man nimmt ihn aus dem Bett, wie man ein Singvogelküken aus dem Nest nehmen würde: ganz, ganz vorsichtig. Man schält Jäckchen, Hemdchen und noch ein paar andere -chens vom Kind, sehr behutsam, als würde man Krabben pulen. Man sieht sorgsam nach, ob man dabei nicht vielleicht Fingerchen oder sonstige filigrane Bestandteile des Nachwuchses beschädigt hat. Man singt, wäscht, salbt, schaukelt, murmelt, knutscht, kuschelt und fängt dann wieder von vorne an, weil das Schaukeln die Verdauung angeregt hat. Man sieht zwischendurch mal hoch und stellt überrascht fest, daß es dunkel geworden ist. Man zieht das Kindchen wieder aus und wieder an und verliert sich minutenlang in einem seltsamen, unüberschaubaren Wirrwarr von Knöpfchen und Bändchen. Gesamtdauer: Cirka 60 Minütchen.

Mit anderen Worten, die Verwechslungsgefahr ist noch vergleichsweise gering.

13
Sep

Klare Verhältnisse

by Maximilian Buddenbohm in

Besucher: “Du bist jetzt also großer Bruder?”
Sohn I: “Ja. Groß.”
Besucher: “Kann ich das Baby denn auch mal sehen?”
Sohn I: “Nein.”
Besucher: “Oh wie schade, warum denn nicht?”
Sohn I: “Mein Baby!”

11
Sep

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Und drüben im Westen ist wieder ein neues Wochenhoroskop von mir online. Viel Spaß.

10
Sep

Dagegen!

by Maximilian Buddenbohm in

Schon seltsam, mit welchen Fragen die Suchenden hier landen, die von Google so angespült werden. Manchmal meint man geradezu, helfen zu müssen. Eben zum Beispiel kam jemand per: “Suche Gedicht gegen Kaffeemaschine”. Das ist verständlich, wer würde Kaffeemaschinen nicht doof finden und die Suche nach Lyrik ist ohnehin immer sehr zu begrüßen. Leider habe ich gerade keine Zeit, mich um derlei zu kümmern, aber sicher kann der eine oder andere Kommentator dem Suchenden mal eben weiterhelfen? Gedichte gegen Kaffeemaschinen sind ja wirklich furchtbar naheliegend, nicht wahr, Sie wollen es doch auch? Mir fällt ad hoc nur ein:

Ich kann auch ohne,
Bohne!

Nein, gar nicht wahr, eins hab ich noch, aber danach sind Sie dran:

Dein Geblubber, Dein Gefauch
Das schwarze Schwappen in Deinem Bauch
Dieses morgendliche Glühn
Dieses Gutelaunesprühn…

Du mich auch.

10
Sep

Besuch

by Maximilian Buddenbohm in

Man darf sich so einen Besuch beim Sohn II im Krankenhaus übrigens nicht zu idyllisch vorstellen, wenn man den großen Bruder mitnimmt. Das heißt, es fängt natürlich erst einmal idyllisch an, keine Frage. Sohn I stürzt sich voller Begeisterung auf die schwer vermißte Herzdame: “Meine Mama!” Das ist schon sehr rührend. Dann klettert er auf ihren Schoß und kuschelt ein wenig, wobei allerdings etwa zehn Sekunden ausreichend sind. Dann hat er genug von der Gefühlsduselei. Er sieht sich neugierig in dem neuen Raum um, das ist ja schon spannend, so eine Neugeborenenstation. Wieselflink springt er vom Stuhl und rennt los – denn, hey, die ganze Wand ist voller Knöpfe und Schalter! Und überall hängen Kabel und Strippen, da sind Monitore, auf denen es blinkt, da entstehen Zacken und Kurven in bunten Farben, da hinten piepst etwas, hier pendelt irgend so ein Ding hin und her mit Flüssigkeit drin, das ist ja nicht zu fassen, der kleine Bruder hat das ultimative Spielzimmer! Und, sehr aufregend, wenn man auf einen Knopf drückt oder an einem Kabel zieht, dann gibt es sofort wilde Geräusche, es kommen viele Schwestern richtig schnell angerannt und alle sind super aufgeregt, man muß einfach nur irgendwo hinfassen. Allerdings gucken die Erwachsenen alle sehr finster. Hm. Nur noch schnell den Schalter da – OK, die Besuchszeit scheint um zu sein. Dabei gibt es noch so viele Fragen. Kann man die Rollgestelle der Babybetten wirklich einfach so durch die Gegend schieben? Kann man auf die Fensterbank klettern, vor der dieses ganze Zeug aus Glas steht? Kann man in dem Mülleimer mit den ganzen blutigen Pflastern da womöglich noch etwas Spannendes finden?

Und hatte Papa vor einer halben Stunde auch schon so viele graue Haare?

9
Sep

Neu auf dem Nachttisch

by Maximilian Buddenbohm in

Gerbrand Bakker: Oben ist es still. Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Das Buch erschien zuerst 2006 und beginnt so:

“Ich habe Vater nach oben geschafft. Nachdem ich ihn auf einen Stuhl gesetzt hatte, habe ich das Bett zerlegt. Wie er auf dem Stuhl saß, erinnerte er an ein wenige Minuten altes Kalb, noch bevor es saubergeleckt ist; mit unkontrolliert wackelndem Kopf und einem Blick, der nichts festhält. Ich habe die Wolldecken, Bettücher und die Moltondecke von der Matratze gezerrt, die Matratze und die Bodenbretter hochkant an die Wand gelehnt und den Kopf- und Fußteil von den Seitenteilen abgeschraubt. Dabei versuchte ich möglichst durch den Mund zu atmen. Das Zimmer oben – mein Zimmer – hatte ich schon leergeräumt.”

Ein großartiges Buch. Nüchtern, klar, präzise in der Formulierung, man lebt mit dem Erzähler durch einen holländischen Winter, daß es einem beim Lesen eiskalt wird, und nicht nur wegen des Wetters. Die Abgründe einer Familie, ohne Häme, ohne Pathos, ohne Kitsch. Eine simenonmäßige Handlung und was für eine Ausführung. Sie kennen das vielleicht, wenn jemand mit Zeichenkohle einen Strich zieht, dann noch einen und noch einen und plötzlich ist es eine vereiste Landschaft, obwohl doch auf dem Papier fast nichts zu sehen ist? Genau so.

Sehr beeindruckend. Siehe hierzu übrigens auch Isas Besprechung.

8
Sep

Emma Hamback

by Maximilian Buddenbohm in

Ich gehe am Hamburger Hauptbahnhof vorbei, als mich ein Mann anspricht. Rollkoffer in der Hand, rosa Polohemd, Jeans, Sandalen, er ist ganz entschieden zu leicht angezogen für einen kühlen Regentag im norddeutschen Frühherbst. Aus Indien, Pakistan oder jedenfalls ungefähr aus der Richtung. Er zeigt mit dem Finger vage um sich herum und fragt mich: “Emma Hamback?” Ich antworte, was eloquente und höfliche Hamburger in solchen Situationen eben antworten: “Bidde?”

Der Mann lacht, er faßt sich ans Gesicht, ans Kinn, als würde er da die Muskulatur und die Knochen zurechtrücken, er spricht ganz langsam und sehr bemüht: “Em-ma Ham-back?”. Ich gucke ihn ratlos an. Er wiederholt seinen Text, er bewegt den Mund, als würde er jeden Muskel darum einzeln bewegen, er ist hochkonzentriert. Vokale werden gequetscht und gestreckt, unwillkürlich denke ich an Nudelteig. Allmählich dämmert es mir, was er meint: “Am I Hamburg?” Ich antworte, ganz hanseatischer Weltmann: “Yes, you are in Hamburg.”

Der Mann nimmt meine Hand, schüttelt sie enthusiastisch, grinst und sagt dann: “Lucky me!” Er setzt er sich auf seinen Koffer und sieht sich um. Er wirkt sehr entspannt. Ich gehe weiter.

Lucky me, denke ich, mit dem Satz kommt man auch nicht in jeder Stadt an.

7
Sep

Neu auf dem Nachttisch – bzw. eben nicht

by Maximilian Buddenbohm in

Die Buchrubrik in diesem Blog heißt nun einmal „Neu auf dem Nachttisch“, deswegen muß der Text aus Ordnungsgründen auch diesmal so betitelt sein. Obwohl das Buch den Nachttisch nie berührt hat. Ich habe es nämlich im Kreißsaal gefunden, wo es jemand auf der Badewanne liegengelassen hat, vielleicht mit Absicht, vielleicht aus Versehen, wer weiß. Ich möchte nicht betont cool erscheinen, aber so eine Geburt kann eine langwierige Angelegenheit sein und ich lese ziemlich schnell. Sie müssen, wenn Ihnen das Thema vielleicht fremd ist, nicht glauben, man könne als Mann der Frau 24 Stunden lang beistehen. Tatsächlich vergehen nicht wenige Stunden mit bloßem Beisitzen, in denen man nicht allzu viel tun kann. Und da das Buch nun einmal dort herumlag…

Noëlle Châtelet: Die Klatschmohnfrau. Aus dem Französischen von Uli Wittmann. Der Roman erschien zuerst 1999 und beginnt so:

“Marthe liegt im Bett. Mit halbgeschlossenen Augen zögert sie den Augenblick des Erwachens noch etwas hinaus, diese seltsamen Minuten des Schwankens, in denen sie alterslos ist und durch alle Phasen ihrer Vergangenheit streifen kann. So geht sie von einer Marthe zur anderen, läßt ihre Erinnerung verweilen, wie es ihr gefällt, ganz nach Lust und Laune, heiter oder betrübt. Je nachdem. Und sie seufzt. Sie seufzt gern, selbst ohne Grund. Diese kleinen Windstöße der Seele sind so beruhigend, so erfrischend.“

Eine alte Dame verliebt sich in einen noch älteren, sehr vitalen Mann. Sie krempelt ihr Leben um, sie nimmt wieder Fahrt auf, sie stürzt sich noch einmal hinein. Ihre Kinder sind irritiert, die Nachbarn indigniert, sie hat ihren Spaß. Eine einfache Geschichte, leider auch sehr einfach erzählt. Eine Schlichtheit in der Wahl der Symbole, daß man pausenlos einen Rotstift in der Hand haben möchte, um „zu flach!“ an den Rand zu schreiben. Die Autorin hat in Frankreich mehrere renommierte Preise gewonnen, ich begreife nicht recht warum. Aber für ein paar Stunden war es andererseits ganz kurzweilig.

7
Sep

Eine Woche

by Maximilian Buddenbohm in

Falls jemand die Herzdame sucht…

7
Sep

Entbindungsstation 2009

by Maximilian Buddenbohm in

Herzdame: “Entschuldigung, gibt es hier WLAN?
Schwester: “Hä?”
Herzdame: “Schon gut.”

6
Sep

Buddenbohm & Söhne

by Maximilian Buddenbohm in

6
Sep

Großer Bruder

by Maximilian Buddenbohm in

Natürlich ist es sehr spannend, dem aufgeregten und gerade zum großen Bruder gewordenen Sohn I den Neuankömmling zu zeigen. Ein besonderer Moment, als die beiden zum ersten Mal zusammentreffen. Staunende Blicke, zögerndes Anstupsen. OK, der kleine Bruder ist wirklich sehr klein, so vergleichsweise, wenn man an die anderen Kumpels denkt. Er scheint auch nichts zu machen, außer Dösen und an Mamas Brust herumzuhängen. Mal kurz streicheln – nichts passiert. Das ist, wenn man ehrlich ist, nicht so fürchterlich spannend. Im Bettchen daneben liegt ein anderes Baby, das ist wach, es kräht und zappelt mit den Händen. Sohn I geht interessiert näher ran. Dieses Baby hat Haare, viele sogar, das Konzept ist unserer Familie eher fremd. Sohn I ist wirklich sehr interessiert, er scheint den Verdacht zu haben, dieses Baby könnte mehr Spaß machen. Er sieht sich um, da liegen noch mehr Babys im Raum. Immer schwer so eine Auswahl. Er überlegt.

“Das hier”, sagt er schließlich, zeigt auf das haarige Krähbaby und sieht mich erwartungsvoll an. “Sohn”, sage ich, “unser Baby hängt an Mama. Das da ist dein kleiner Bruder.” Ich zeige auf Sohn II. Sohn I klopft energisch an das andere Bett und wiederholt: “Das hier!”. Er mag es nicht, wenn seine Geschmacksvorlieben nicht akzeptiert werden.

Nun ist es so – man kann das in jedem Erziehungsratgeber nachlesen – daß auch kleine Kinder ein gewisses Recht auf Wünsche und deren Erfüllung haben. Wenn ein Zweijähriger etwas haben will und eigentlich nichts dagegen spricht, seinen Wunsch zu erfüllen, soll er ruhig bekommen, was er möchte. Ist ihm zum Beispiel eher nach Erdbeerjoghurt als nach Kirschjoghurt, muß man nicht darauf bestehen, daß gegessen wird, was auf den Tisch kommt, nur weil man die falsche Sorte zuerst aus dem Kühlschrank geholt hat. Man muß ein feines Gefühl dafür entwickeln, auf welche Wünsche das Kind ein gutes Recht hat.

“Entschuldigung”, sage ich also zu der Mutter des anderen Babys, “mein Sohn hier findet ihr Baby gut und unseres mehr so lala. Würden sie eventuell tauschen?” Die Frau guckt Sohn I an, der noch einmal energisch an das Bettchen klopft und “das hier” sagt. Sie überlegt. “Tauschen”, sagt sie, etwas entgeistert. “Tauschen!” wiederholt Sohn I begeistert, der das Prinzip des Besitzerwechselns schon ganz gut verstanden hat. “Nein”, sagt die andere Mutter schließlich, “ich glaube, mir gefällt mein Baby ganz gut. Ich tausche lieber nicht.” Sie schüttelt den Kopf, es sieht sehr endgültig aus. Der Sohn guckt sie genau an, schüttelt den Kopf und geht dann, die Hände in den Hosentaschen, zurück zu dem Kind auf dem Schoß der Herzdame. Legt lässig eine Hand auf seine Schulter und sagt “Bruda”.

Das wäre dann wohl geregelt.

5
Sep

Déjà-vu

by Maximilian Buddenbohm in

Sohn II sieht nicht nur fast genau so aus wie Sohn I, er kam nicht nur genau wie sein Bruder einigermaßen mühevoll und ziemlich langsam zur Welt, er scheint ihm auch sonst alles nachmachen zu wollen. Inklusive der Neugeboreneninfektion, die der Herzdame und dem Kind schon vor zwei Jahren eine Woche Klinikaufenthalt mehr als gedacht beschert hat. So etwas ist kein Riesendrama, aber man könnte doch ganz gut darauf verzichten.

Gleiche Entbindungsstation, fast exakt gleiches Datum, gleich aussehendes Kind, gleiche Symptome, gleiche Behandlung. Wir gehen auf die Neugeborenenstation und bekommen dort tatsächlich das gleiche Bettchen wie vor zwei Jahren. Es wird uns auch von der gleichen Schwester gezeigt, die schon vor zwei Jahren Dienst hatte. Die Schwester sieht uns an, sie sieht das Kind an, sie sieht sehr verwirrt aus. “Wir kommen öfter”, sage ich zur Erklärung und zeige auf unsere Dankeskarte von damals, die noch an einer Pinnwand an der Wand hängt.

“Dann also in zwei Jahren wieder?” fragt die Schwester. Ich sehe die Herzdame an. Sie hat gerade eine 24-Stunden-Geburt hinter sich, ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für dieses Thema, denke ich. “Schauen wir mal”, sagt sie.

Man muß sie einfach lieben.

4
Sep

Wochenende

by Maximilian Buddenbohm in

Himmel, hätte ich doch fast übersehen, dieses Wochenende. Unmöglich.  Drüben im Westen ist selbstverständlich ein neues Wochenhoroskop von mir online – viel Spaß!

4
Sep

Herzdame & Sohn II

by Maximilian Buddenbohm in

Herzdame und Sohn II.

Johann Wilhelm, geb. am 04.09.2009 um 04 Uhr 20, 4,3 kg, 57 cm. Vielen, vielen Dank für die guten Wünsche, für die Mails, SMS, DM und alles!