Tips für Väter (23)

Sep 17th, 2009 von Maximilian Buddenbohm

Nicht zu allen Themen kann man praktische Hinweise geben. Es gibt auch Themen, da muß man klar benennen, was passieren wird und deutlich sagen, daß es nichts zu beschönigen gibt, um die Väter richtig darauf vorzubereiten. Nicht jede Phase, die man mit einem Kleinkind erlebt, besteht aus eitel Sonnenschein, es gibt auch harte Zeiten. Harte Zeiten, in denen das Kind zum Beispiel mit einem Laufrad vor die Tür geht.

Etwa ab zwei Jahren kann ein Kleinkind mit dem Laufrad fahren. Oder es zumindest durch die Gegend schieben. Oder es zumindest besitzen wollen. Alle anderen Kinder haben ja schließlich auch eines, denn vor das Fahrrad hat man nun einmal heutzutage das Laufrad gestellt. Alles zu seiner Zeit. Ein Laufrad ist eine sehr, sehr schlimme Sache. Nanu, wird man denken, so ein harmloses Spielzeug, was soll daran schlimm sein?

Die Antwort ist einfach. Nehmen Sie versuchsweise ein Laufrad in die Hand und gehen Sie damit eine Stunde spazieren. Man muß es beim Spazierengehen tragen, denn das Kind, welches es eigentlich fahren wollte und sollte, hat nach zehn gerollten Metern beschlossen, sich doch lieber im gerade eben erlernten, quergehüpften Seitgalopp fortzubewegen, wobei ein Laufrad eher hinderlich ist. Sie werden feststellen, ein Laufrad wiegt auf den ersten Metern nur eine Handvoll Kilo. Nach zehn Minuten wiegt es schon gefühlte 20 Kilo, nach einer Stunde könnten sie ebensogut ein Motorrad schultern.

Wenn Sie das Laufrad so tragen, daß der Lenker nach unten baumelt, wird er Ihnen mit schöner Regelmäßigkeit zwischen die Beine geraten, was für fabelhafte blaue Flecken an den Schienbeinen und schlechte Stimmung sorgt. Wenn Sie das Laufrad so tragen, daß Sie den Lenker in der Hand halten und das lange Ende nach unten baumelt, wird es Passanten in die Quere kommt – was auch für blaue Flecken und schlechte Stimmung sorgt, aber gleichzeitig soziale Probleme mit sich bringt. Wenn Sie das Laufrad auf der Schulter tragen, werden Sie, wenn Sie sich nach Ihrem Kind umdrehen, erleben, daß andere Menschen kreischend in Deckung gehen, während das bunte Gestänge knapp an ihren Ohren vorbeisaust. Wenn Sie versuchen, das Laufrad zu schieben, gucken Sie sich dabei schon einmal die Schilder an den Häusern an, damit Sie den nächsten Orthopäden nicht verpassen.

Wenn Sie, weil Sie ein besonders intelligenter Mann sind, das Laufrad einfach an der nächstbesten Laterne anschließen, wird sich das Kleinkind kategorisch und brüllend weigern, sich noch einen Millimeter weiterzubewegen, ganz gleich auf welche Art.

Wenn das Kind wider Erwarten doch noch einmal auf das Laufrad steigt und sogar erfolgreich damit fährt, werden Sie in gebückter Haltung, mit weit ausgestreckten Armen und ganz unvermuteter Geschwindigkeit dem Gefährt hinterher jagen, wobei Sie zu schnell sein werden, um die Orthopädenschilder mitzubekommen.

Nein, Sie haben keine Chance.

13 Kommentare

  • Machen Sie doch einfach den Spaziergang gemeinsam mit Sohn II, dann können Sie das Laufrad beliebig auf dessen Kinderwagen quer, längs, schräg, oben, unten oder auf eine sonstwie dem Sohn II genehmen Weise ablegen.
    (Bei uns funktioniert das leider nicht mehr, nachdem sich Tochter I unverständlicherweise weigert, das Laufrad von Tochter II auf ihren Fahrradgepäckträger zu klemmen …)
    Herzliche Grüße
    Regina

  • Okay, der Beitrag sollte heißen: Tipps von Müttern

    1. Wenn das Kind das Laufrad dabei haben will, hat es auch für dessen Transport zu sorgen. Wenn man das dem (auch 2jährigen) Kind vorher klar macht, kann es sich auch an diese Vorgabe halten und entweder auf dem Laufrad fahren oder dasselbige selbst schieben. Konsequentes Handeln durch Elternseite hilft hier wirklich Wunder! Sonst macht sich der Herr Papa nämlich zum Lakaien.
    2. Schließe mich ansonsten bei absoluter Übermüdung der Vorrednerin Regina an.

  • Köstlich beschrieben!

  • …und wo dieses Laufrad in der Wohnung überall unvermutet parken kann! Das Rutschauto (vulgo Bobby Car) hat wenigstens nachtleuchtende Aufkleber.

  • Ich bin ja mal gespannt, was es hier in knapp einem Jahr zu lesen gibt, wenn noch das Bobbycar von Sohn II dazu kommt! ;o)

  • Die guten alten Dreiräder hatten noch so ein Schiebestangendings, oder? Sind die bei Laufrädern kontraindiziert? Mein Sohn wird demnächst 29, da bin ich nicht mehr so gut informiert.
    Es sollte welche geben, die man nach Bedarf dran klacken kann, zum Ausziehen, damit sie im Nicht-am-Laufrad-Stadium nicht so unhandlich sind.
    Ha.
    Damit kann man dann sogar die Orthopädenschilder vom aufrechten Gang aus betrachten. Als Elternteil braucht man den ohnehin früher oder später. Den Orthopäden. Ach, und den aufrechten Gang sowieso, wenn ich drüber nachdenk.

  • Wie wäre es mit einem Tragegurt?

  • Da wird noch einiges mehr auf Sie zukommen, wenn der Sohn dann alle Entwicklungsschritte der Fortbewegung mit Fahrzeugen durchmacht: Rutscheauto, Roller, Skateboard, Kickboard, Bollerwagen, Fahrrad…hab’ ich was vergessen? Und so ein Fuhrpark muss dann ja auch gewartet werden. Und was ist, wenn der Sohn sich mal nicht entscheiden kann, welches der Fahrzeuge unbedingt mit muss?

  • Ich hatte ein Kettcar. Bis ich ungefähr viereinhalb Jahre alt war. Und mein Vater mit dem Nachbarn ein Rennen veranstaltete. Und volle Kanne gegen die Garage fuhr. Da war “Polly” dann Schrott. (Ach ja, mein Vater hatte ein Loch im Kopf, aber das hat mich nur peripher tangiert.)

  • Anke hat recht. Ich habe nie nicht das Laufrad meines Sohnes getragen. Ich weiß, ich bin fies. Man muss dann allerdings etwas längere Gehzeiten einrechnen, weil das Kind stehen bleibt und schreit. Ansonsten bin ich mit der Drohung: “Wenn du jetzt so ein Theater machst, kommst du beim nächsten Mal wieder in den Kinderwagen.” ganz gut gefahren. Das muss man dann natürlich knallhart durchziehen, sonst lacht sich das Kind nur scheckig.

    Scheckig lachen tut sich mein Sohn übrigens auch, immer konsequent zu sein hilft auch nur bedingt. Aber das Laufrad, das habe ich nie nicht getragen, wenigstens etwas.

    Ansonsten kann man heutzutage auch Tragegurte für das Laufrad kaufen oder für den Roller.

    Und richtig lustig wird das Laufrad nächstes Jahr, wenn er dann so richtig schnell fahren kann und man dann laut brüllend hinterherrennen muss, um das Kind davon abzuhalten, mit voller Geschwindigkeit über die Kreuzung zu brettern. Aber sowas erzähle ich jetzt besser nicht, oder?

  • Ich hab’s mehrmals lesen müssen und jedesmal laut gelacht.
    Herrlich!

  • wunderbar.

    Gut nur, dass unser zweijähriger (noch?) nicht vom Laufrad lassen will. Papa darf es gar nicht anfassen “Hannes selbrrr !!!”.
    Nun gut die einen Beruhigungstee vorher kann ängstlichen Eltern schon empfohlen werden.

  • *lach*
    Ich bin gerade über diesen Eintrag in der Blogbibliothek gestolpert und kringle mich vor Lachen. Hier in München beobachte ich das Szenario tagtäglich. Super ge-und beschrieben