Parallelen
Es ist sehr früh am Morgen, der Sohn steht vor mir und verlangt nach Wlassas. Ich habe keine Ahnung, was Wlassas ist oder sind. Ich bitte ihn, den Schnuller aus dem Mund zu nehmen, er wiederholt ungeduldig: “Wlassas”. Genau genommen sagt er eher “WLASSAS!”, offensichtlich braucht er das Zeug sehr dringend. Die dazugerufene Herzdame weiß auch nicht, worum es sich handeln könnte, vielleicht ein neues Wort aus der Kita. Wir bitten den Sohn, uns Wlassas zu zeigen, er zeigt vage in Richtung Schrank. Toll, sage ich, da sind zehntausend Sachen drin, das wird ein Spaß. Der Sohn verfärbt sich rötlich und weint, die Lieferung dauert zu lange. Seine kleinen Fäuste sind geballt, es ist ein Ding der Unmöglichkeit, ihm Wlassas länger vorzuenthalten. Wir starten die Versuchsreihe am Schrank, ich hebe einen Gegenstand nach dem anderen hoch und warte auf sein geschluchztes Nein. Während er den Kopf schüttelt, spritzen die Tränchen wie im Comic nach beiden Seiten. Nach einer Weile haben wir die Lösung: Pflaster. Logisch, nicht wahr, Wlassas, Pflaster, wenn man es weiß, dann ist es ganz einfach Er möchte ein Pflaster mit Bären drauf, um den vollkommen gesunden Finger, es geht nur um Dekoration. Gar kein Problem, aber gern.
Ich bringe den Sohn in die Kita, ich gehe ins Büro. Eine Kollegin steckt den Kopf durch die Tür: “Hast du Dschadscha?” Ich gucke sie entgeistert an. Sie hat keinen Schnuller im Mund. Sie wirkt nicht so, als würde sie Spaß machen. Sie ist mir als zurechnungsfähig bekannt. Dschadscha. Ihr Blick ist auf meinen Büroschrank gerichtet, toll, denke ich, da könnte ich ja schon wieder alle Gegenstände einmal hochhalten, bis Dschadscha dabei ist. Ich komme mir vor wie in einem Psychoexperiment. Als nächstes wird mein Chef kommen und mich bitten, Flummbumm zu machen, meine Reaktionen werden wahrscheinlich gefilmt. Ich frage lieber noch einmal nach: “Dschadscha?” “Ja”, sagt die Kollegin, “ich habe meinen vergessen”. Ich überlege kurz, ob ich ihr statt dessen ein Wlassas anbieten soll, verwerfe den Gedanken aber wieder. Ich gehe zum Büroschrank und mache ihn auf. “Danke”, sagt die Kollegin und greift nach dem Ladekabel für das Notebook. Ladekabel, natürlich, englisch Charger. Charger, Dschadscha. Gar kein Problem, aber gern.
Man hört nie auf, Vokabeln zu lernen.






Ach… ich erinnere mich immer wieder gern an Blutus, an die Bullerbäss und die Meinstrohn.
Und, selbstverständlich, an den Rehgips. Der ist recht häufig, daher auch schnell identifiziert, alles in allem.
Aber Wlassas und Dschadscha sind neu, und kreativ.
Danke! Mal wieder köstlich gelacht und vom Mann an meiner Seite wahrscheinlich im Stillen für verrückt erklärt worden :-).
Es scheint mir eher so, aber vielleicht nehme ich das als Nichtelter zu ernst, als verblöde man zusehends oder kämpfe zumindest permanent dagegen an. Wie auch immer, es ist in jedem Fall äußerst unterhaltsam :-)
Auch ohne eigene Kinder kenne ich das Problem. Und weil man ja nicht der überhebliche Besserwisser sein will, erklärt man nicht, warum man’s nicht verstanden hat und steht dafür selbst als Doofmann da. Das Leben ist eben nicht fair.
Da könnte ich noch “Ada”, “Bu” und “Düar” beitragen, wobei es sich hier unzweifelhaft um “Smacks”, “Kuchen” und “Brot” handelt. Ach ja, “Billa” darf ich auch nicht vergessen (Deckel).
Ich könnte “Billabi” beisteuern: Lampe ;-)
…und ich “Weijawia”, “Baja” und “Tietse” (Feuerwehr, Bagger und Kekse).
Habt ihr allesamt mal drüber nachgedacht, diese Wortschöpfungen bei IKEA einzureichen?
@Paula: noch ein paar Tietse Frau Kekse? :-)
sehr schön :)
erinnert mich an “Häwwelett”. Auch von einer erwachsenen Frau.
Gemeint war: Hewlett, von Hewlett-Packard …
Resene, Amekaja oder Lokotomive sind ja auch noch leicht zu verstehen, mein Bruder versuchte sich damals, so klein wie er war, noch verständlicher auszudrücken: “mochmoch anne wuwu is lachlachmeck”, was nichts anderes hieß als: “Mostrich auf der Wurst ist lecker.”